Vorschläge der Rentenexperten
Gewerkschafter für längere Lebensarbeitszeit - wenn die Menschen wollen und können

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, Vassiliadis, hat neue Finanzierungsmöglichkeiten für die Rente gefordert. Er reagierte damit auf einen Medienbericht zu Vorschlägen aus der Expertenkommission für die Rentenreform. Dieser Bericht hatte auch in der Politik zu kritischen Reaktionen geführt.

    Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), im Portrait
    Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE), fordert neue Ansätze bei der Rente. (dpa / Michael Matthey)
    Vassiliadis sagte im Deutschlandfunk, er erwarte von der Rentenkomission der Bundesregierung, dass sie auch neue Wege der Rentenfinanzierung aufzeige. Ein immer weiter steigendendes Renteneintrittsalter könne nicht die alleinige Lösung sein, um das Verhältnis von weniger Beitragszahlern zu mehr Rentnern zu lösen. Wer möchte und könne, solle gerne länger arbeiten, sagte Vassiliadis im Deutschlandfunk. Dafür gebe es bereits steuerliche Anreize.
    Bundeswirtschaftsministerin Reiche sagte im "Kölner Stadt-Anzeiger", es müsse möglich sein, älteren Arbeitnehmern, die dazu in der Lage und willens seien, Angebote zu machen. Sie forderte einen Stopp von Frühverrentungsprogrammen.
    Die Grünen-Co-Chefin Brantner kritisierte, dass mögliche Inhalte vorab durchgestochen wurden. Auf diese Weise würden Teile des Vorschlags kritisiert, ohne das Gesamtkonzept bewerten zu können, sagte Brantner dem Sender Welt TV.

    Vorschläge der Rentenkommission

    Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, dass eine von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission langfristig eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf maximal 70 Jahre empfehlen werde. Zudem solle das Rentenniveau von 48 auf 46 Prozent abgesenkt werden. Die Kommission teilte mit, ihr Abschlussbericht werde am 29. Juni erfolgen. Mehrere Mitglieder der Rentenkommission dementierten gegenüber dem Handelsblatt, dass sich ihr Gremium darauf geeinigt habe, das Renteneintrittsalter langfristig auf 70 Jahre zu erhöhen. Es gebe zwar Konsens, dass das Rentenalter schrittweise steigen solle – aber bisher keinerlei Festlegungen.

    Reaktionen aus Politik und Gewerkschaften

    Die Linken-Fraktionschefin Reichinnek warnte daraufhin vor einem "weiteren Auseinanderdriften zwischen oben und unten", denn einkommensärmere Menschen hätten im Schnitt eine niedrige Lebenserwartung. Der Arbeitnehmerflügel der CDU erklärte, eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wäre "der falsche Schritt". Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Fahimi forderte mehr Erwerbstätige statt ein höheres Rentenalter.
    Diese Nachricht wurde am 22.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.