Ort der Bildung und Begegnung
Jüdische Akademie in Frankfurt am Main eröffnet - Bundespräsident: Keine Partei darf Antisemiten in ihren Reihen dulden

In Frankfurt am Main ist im Beisein von Bundespräsident Steinmeier die Jüdische Akademie eröffnet worden. Die Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland soll als Ort der Bildung und Begegnung dienen.

    Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, die Ehefrau des Bundespräsidenten, Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef durchschneiden ein lilafarbenes Band zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt.
    Einweihung der Jüdischen Akademie: Zentralratspräsident Josef Schuster, Elke Büdenbender, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der hessische Ministerpräsident Boris Rhein und der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (v.l.) (picture alliance/Michael Probst/POOL AP via AP)
    Der erste Spatenstich erfolgte im Jahr 2021. Die Kosten belaufen sich auf rund 40 Millionen Euro. Auch der Bund, die Stadt Frankfurt und das Land Hessen haben den Bau unterstützt. Es ist die erste überregionale nicht-universitäre jüdische Bildungseinrichtung in Deutschland seit der Schoah.

    Steinmeier: "Schutz jüdischen Lebens darf niemals zur politischen Verhandlungsmasse werden"

    Bei der feierlichen Einweihung rief Bundespräsident Steinmeier die Parteien auf, keine Antisemiten in ihren Reihen zu dulden. Im Ringen um die Macht dürfe der Schutz jüdischen Lebens niemals zur politischen Verhandlungsmasse werden, sagte Steinmeier. Antisemitismus dürfe nirgendwo in Deutschland Einfluss auf die Regierungsarbeit bekommen. Wer auf den Straßen "Tod den Juden" skandiere ‌und die Auslöschung des jüdischen Staates fordere, dürfe in keiner Partei Verständnis und Applaus finden. Das müsse glasklar bleiben; daran dürfe kein Zweifel bestehen, forderte der Bundespräsident.

    Schuster: "Jüdisches Leben so viel mehr als jüdisches Leiden"

    Zentralratspräsident Schuster bezeichnete die Akademie als einen "Meilenstein". Sie fülle eine Leerstelle, denn sie zeige, "dass jüdisches Leben so viel mehr ist als jüdisches Leiden". Das Haus sei ein Sinnbild für den Anspruch der jüdischen Gemeinschaft, in Deutschland zu Hause zu sein, so Schuster. Denn dieser Anspruch werde durch den wachsenden Judenhass seit dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 in Deutschland infrage gestellt.
    Wer behaupte, Judenhass habe keinen Platz in der Gesellschaft, der verleugne die Realität, betonte Schuster. "Der Hass hat sich diesen Platz längst genommen." Antisemitismus sei immer der Versuch, die Widersprüche der Welt aufzulösen und die Schuld "den Juden zuzuschieben". Daher sei der Judenhass Feind der Aufklärung. Nur mit Bildung lasse sich etwas dagegen ausrichten, dazu solle auch die neue Akademie ihren Beitrag leisten.
    Diese Nachricht wurde am 02.11.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.