Kommentar zum Investitionsgipfel: Wenn die Fachkräfte fehlen

Bundeskanzler Merz möchte mit einem Investitionsgipfel mehr Kapital nach Deutschland locken. Grundsätzlich ist Deutschland attraktiv für Investoren. Es ist kreditwürdig und rechtssicher. Beim Thema Fachkräfte sieht es allerdings zunehmend düster aus.

Ein Kommentar von Falk Steiner |
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht beim "Invest in Germany"-Gipfel
Bundeskanzler Friedrich Merz zufolge gibt es nach dem "Invest in Germany"-Gipfel Investitionszusagen in Milliardenhöhe in die deutsche Wirtschaft (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Schon wieder ein Gipfel? Und dann unter dem Titel "Invest in Germany"? Die Bundesregierung will in Berlin internationale Geldgeber zu Investitionen in die deutsche Wirtschaft bewegen. Jenseits dieses performativen Aktes nach dem Motto "Wer will noch mal, wer hat noch nicht?" spricht allerdings einiges dafür, dass hier ein "Gar nicht mal so schlecht"-Gipfel stattgefunden hat.
Deutschland ist ein grundsätzlich attraktiver Ort für Investitionen, und das bekannter zu machen, schadet nicht. Die Bundesrepublik bietet, was anderen Staaten derzeit fehlt. Zum einen Bonität: Deutschland ist ein Triple-A-Land. Es gilt als kreditwürdig, trotz vieler neuer Schulden – von denen aber wiederum einige in Investitionen fließen sollen.
Straßen, Schienen, Brücken, Stromleitungen, all das sind Voraussetzungen für Unternehmungen aller Art. Und auch bei der Digitalisierung bewegt sich manches, wenn auch langsam.
Um aber wirklich voranzukommen, wird noch mehr Geld benötigt. Auf der einen Seite stehen die staatlichen Investitionen. Doch die allein reichen nicht. Es braucht auch private Kapitalgeber, die an die Zukunft des europäischen Kontinents glauben.
Wenn Deutschland den Modernisierungsstau auflösen will, müssen Abermilliarden Euro in Infrastruktur, Technologie, Unternehmen und Menschen fließen. Das anzugehen, ist richtig, selbst wenn es eine Wette auf eine ungewisse Zukunft ist und des Kanzlers angebliche Wirtschaftskompetenz neben echten Unternehmern blass wirkt.

Einer der wenigen rechtssicheren Räume

Der größte Vorteil aber derzeit: Europa und vor allem Deutschland gehören zu den wenigen, verbliebenen rechtssicheren Häfen der Welt. Während in anderen Regionen das Rechtssystem als Garant der wirtschaftlichen Tätigkeiten infrage gestellt ist oder nie so fungierte, gibt es in Europa und darin vorneweg Deutschland an diesem Punkt großes Vertrauen – und zwar größeres als in die politischen Absichtserklärungen.
Insgesamt also gute Voraussetzungen für Kapital, das nach Arbeitsmöglichkeiten sucht, selbst wenn manche Ankündigung an diesem Dienstag nicht vollständig neu war.

Wenig attraktiv für ausländische Fachkräfte

Eines jedoch kann der Kanzler nicht weglächeln: Für internationale Unternehmen sind Standorte nur dauerhaft von Interesse, wenn sie allen Mitarbeitern ein gutes Umfeld bieten. Dazu gehört, dass die besten Fachkräfte der Welt in diesem Land gut arbeiten und leben können, hier sesshaft werden, und das mit ihren Familien.
Hier hat Deutschland ein wachsendes Problem: eines, das zu adressieren dem Bundeskanzler weniger zuzutrauen ist, als das Einsammeln von Absichtserklärungen in Milliardenhöhe: Investitionen in Deutschland sind dann attraktiv, wenn Deutschland insgesamt attraktiv ist.