Bertelsmann-Studie
Unvereinbarkeit von Angehörigen-Pflege und Beruf verschärft Arbeitskräftemangel

Der Mangel an Arbeitskräften droht sich zu verschärfen, weil immer mehr Menschen im Erwerbsalter ihre Angehörigen pflegen und deswegen keinen Beruf ausüben können. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung.

    Eine Pflegeperson legt den Arm um eine alte Person. Die alte Person sitzt in einem Rollstuhl und ist lediglich von hinten zu erkennen.
    Für viele ältere Menschen ist die Pflege zu Hause ein großer Wunsch. Doch viele Angehörige können das nicht leisten und sind auf professionelle Hilfe angewiesen. (picture alliance / Westend61 / HalfPoint)
    Die Stiftung hat zusammen mit der Prognos AG berechnet, wie viel sogenanntes Erwerbsvolumen durch die fehlende Vereinbarkeit von Angehörigen-Pflege und Beruf verloren geht. In diesem Jahr entspricht der Verlust demnach 184.000 Vollzeitstellen. Bis 2045 könnte er unter den aktuellen Bedingungen auf 229.000 Vollzeitstellen steigen.
    Grund sei der demografische Wandel, schreiben die Autoren. 2023 pflegten 8,7 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter ein Familienmitglied. Bis 2045 werde sich der Anteil voraussichtlich auf 13,3 Prozent erhöhen.

    Besonders betroffen sind Frauen

    Der Bertelsmann-Arbeitsmarktexperte Eric Thode warnte, die Entwicklung hemme die berufliche Entwicklung der Betroffenen und trübe die Wachstumsaussichten. Besonders betroffen sind der Studie zufolge Frauen. Sie stellen derzeit rund 63 Prozent der pflegenden Angehörigen und wenden im Durchschnitt mehr Zeit für die Pflege auf als Männer. Zudem reduzieren sie häufiger ihre Arbeitszeit oder geben ihre Erwerbstätigkeit zeitweise auf.
    In Deutschland sind nach Angaben der Stiftung rund sechs Millionen Menschen pflegebedürftig. Etwa drei Viertel von ihnen werden zu Hause von Angehörigen betreut. Rund 4,6 Millionen Menschen im Erwerbsalter leisten derzeit Pflegearbeit.
    Diese Nachricht wurde am 20.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.