
Mehrere Fernsehsender sehen Netanjahus Likud-Partei mit 24 bis 25 Sitzen als stärkste Kraft. Die Partei Jaschar von Eisenkot kommt demnach auf 21 bis 23 Sitze. Zu Netanjahus Lager werden neben der Likud-Partei auch ultrareligiöse und rechtsextreme Kräfte gezählt.
Nach leicht unterschiedlichen Berechnungen israelischer Medien erreichen Likud und verbündete Kräfte rund 50 Sitze. Das Lager um Jaschar liegt einige Sitze darüber. Damit kommt zunächst keine der Seiten auf eine Mehrheit von 61 Sitzen. Die Regierungsbildung ist daher ungewiss.
Entscheidend wird nun sein, welches Lager in den kommenden Wochen eine Mehrheit organisieren kann. Dabei könnten auch kleinere Parteien den Ausschlag geben. Denkbar ist auch eine Minderheitsregierung der Opposition mit Unterstützung arabischer Parteien. Diese verzeichneten den Berechnungen zufolge deutliche Zugewinne.
Eisenkot: Misstrauensvotum gegen Netanjahu
In einer ersten Reaktion bezeichnete Eisenkot den Wahlausgang als Misstrauensvotum gegen Netanjahu. Außenminister Saar erklärte dagegen, der "Jubel der Opposition" sei verfrüht. Likud bleibe weiterhin die stärkste Partei.
Endgültige Auszählungsergebnisse werden erst Ende der Woche erwartet. Es war die erste Parlamentswahl in Israel seit dem Überfall der militant-islamistischen Hamas vom 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Gazakrieg. Die Sperrklausel liegt bei 3,25 Prozent. Insgesamt traten 37 Listen an.
Wahlbeteiligung hoch
Die Beteiligung an der Parlamentswahl war hoch. Zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale gaben nach Angaben der zentralen Wahlkommission über 74 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Das ist der höchste Wert seit Jahrzehnten. Vor zahlreichen Wahllokalen hatten sich lange Schlangen gebildet. Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte konnten über die Zusammensetzung der 120 Sitze im Parlament, der Knesset, entscheiden.
Größere Unregelmäßigkeiten wurden nicht gemeldet. Die Partei Jaschar reichte allerdings Beschwerde über mehrere Wahllokale ein, in denen Stimmzettel gefehlt haben oder beschädigt gewesen sein sollen. Zudem wurden im Süden des Landes drei Menschen wegen des Verdachts auf versuchten Wahlbetrug festgenommen. Nach Angaben der Behörden handelt es sich jedoch nicht um eine koordinierte Aktion.
Die Wahlkommission lehnte eine kurzfristig von der Likud-Partei beantragte Verlängerung der Öffnungszeiten in den Wahllokalen ab. Die Partei Jaschar hatte sich dagegen ausgesprochen.
Diese Nachricht wurde am 27.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
