Gesundheitspolitik
Linnemann hält Leistungskürzungen bei der Pflege für möglich

Bundesgesundheitsminister Linnemann schließt angesichts der angespannten Finanzlage der Pflegeversicherung mögliche Leistungskürzungen nicht aus. Man müsse rund zehn Prozent an Kosten einsparen, sagte der CDU-Politiker dem "Handelsblatt".

    Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) im Anzug; er schaut in die Kamera.
    Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) (imago / dts Nachrichtenagentur)
    Er könne nicht garantieren, dass es an der ein oder anderen Stelle keine Kürzungen geben werde, da die Pflegeversicherung ein strukturelles Finanzierungsproblem aufweise. So sei die Zahl der Bedürftigen innerhalb von 20 Jahren von zwei auf mehr als sechs Millionen gestiegen, erklärte Linnemann. Künftig müssten Pflegeleistungen besser gesteuert werden und zielgenauer denjenigen helfen, die sie wirklich brauchten.

    Patientenschützer warnen vor Kürzungen bei häuslicher Pflege

    Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte vor möglichen Einschnitten in der häuslichen Pflege. Vorstand Eugen Brysch sagte der "Rheinischen Post", schon mit den Kürzungen des Pflegeneuordnungsgesetzes würden die fünf Millionen Pflegebedürftigen daheim und ihre Angehörigen an den Rand des Kollapses gebracht. Die Politik bezeichne die Angehörigen, die Bedürftige zu Hause versorgten, gern als Helden des Alltags. Sie dürften dann aber auch nicht geschwächt werden.

    Kommission soll Vorschläge machen

    Gestern hatte eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission ihre Arbeit aufgenommen, die bis Ende Januar Vorschläge für eine Strukturreform vorlegen soll. Ziele sind, die Pflege in Deutschland langfristig finanzierbar zu machen, Maßnahmen für eine bessere Versorgung zu erarbeiten und Verbesserungen im Bereich Prävention und Rehabilitation vorzuschlagen.
    Die Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Staffler (CSU), hofft auf eine Vereinfachung des Pflegesystems. Man müsse etwa mehr über Zwischenformen wie sogenannte Pflege-Wohngemeinschaften sprechen, sagte sie . Solche Lösungen unterstütze das System derzeit nicht, obwohl sie teilweise kostengünstiger seien als eine Pflege zuhause oder ein Platz im Pflegeheim.
    2025 erhielten rund sechs Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Zahl der Empfänger verdoppelte sich in den vergangenen Jahren. In der Folge erhöhten sich die Ausgaben von rund 24 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf fast 74 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Weil die Einnahmen nicht entsprechend stiegen, gibt es in der Pflegeversicherung ein Milliardendefizit. Ein weiteres Problem sind zu wenig Pflegekräfte: Bis 2034 könnten laut Deutschem Pflegerat bis zu 500.000 Beschäftigte fehlen.
    Diese Nachricht wurde am 29.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.