Bundesregierung
Merz will Stromsteuer senken - Klingbeil äußert Zweifel an Finanzierung

Bundeskanzler Merz hat angekündigt, die Stromsteuer für Unternehmen und Privatleute auf das europäische Minimum zu senken. Dafür sollen finanzielle Spielräume im Haushalt genutzt werden, sagte der CDU-Vorsitzende nach einer zweitägigen Klausurtagung des Präsidiums.

    Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz /CDU) sitzen am 11.06.2026 im Bundestag. Merz erzählt Klingbeil offenbar etwas. Beide wirken angespannt.
    Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (links) und Bundeskanzler Friedrich Merz im Bundestag. (picture alliance / HMB Media / Marco Bader)
    Das hatte die Koalition ursprünglich zugesagt. Gesenkt wurde sie zunächst nur für bestimmte Wirtschaftsbereiche, was Merz viel Kritik eingebracht hatte. Der Kanzler betonte, die CDU befinde sich in einer Vertrauenskrise, aus der man sich herausarbeiten müsse.
    Bundesfinanzminister Klingbeil hegt allerdings Zweifel, ob die Senkung der Stromsteuer gegenfinanziert werden kann. Der SPD-Co-Vorsitzende sagte in Berlin, er habe zwar nichts gegen die politische Forderung des CDU-Chefs einzuwenden. Auch sei er froh über das erwartete Wirtschaftswachstum. Dass sich daraus jedoch dauerhaft eine Stromsteuersenkung finanzieren ließe, das könne er nicht bestätigen.
    Die Stromsteuer für Haushalte beträgt laut Bundesfinanzministerium in Deutschland "seit 2003 unverändert" 20,50 Euro je Megawattstunde, das sind 2,05 Cent je Kilowattstunde. Das europäische Mindestmaß liegt bei 0,50 Euro je Megawattstunde für Betriebe (0,05 Cent pro Kilowattstunde) und 1,0 Euro pro Megawattstunde für Haushalte (0,1 Cent pro Kilowattstunde).

    Merz kündigt mehr Austausch mit Parteibasis an

    Merz sagte zudem, die CDU wolle in den kommenden Monaten wieder sehr viel stärker in den Austausch mit der Parteibasis gehen. Dazu sei Anfang November eine Kreisvorsitzendenkonferenz vorgesehen. Im kommenden Jahr sei zudem eine Reihe von Mitglieder- und Regionalkonferenzen in ganz Deutschland geplant.
    Die zweitägige Präsidiumsklausur war nach den drei Niederlagen der CDU bei den Landtagswahlen im September angesetzt worden, die die Partei in eine Krise gestürzt haben. In Mecklenburg-Vorpommern hatte die CDU erstmals in ihrer Geschichte den Einzug in einen Landtag verfehlt.
    Merz kritisierte erneut die Wahl des AfD-Politikers Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt. Das, was in Magdeburg geschehen sei, lasse ihn nicht ruhen. Das sei ein beispielloser Vorgang. Abgeordnete, die die Hand reichten für eine solche Wahl, hätten in der CDU keinen Platz, erklärte Merz.
    Diese Nachricht wurde am 12.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.