
Die Broschüre mit dem Titel "Die Erben von Goebbels" griff damit eine Darstellung des Kremls auf, die als widerlegt gilt, berichtet Deutschlandfunk-Korrespondentin Gesine Dornblüth. Ermittler, Journalisten und Augenzeugen kommen zu dem Schluss, dass russische Soldaten für die Verbrechen in dem Kiewer Vorort verantwortlich sind.
Das
russische Außenministerium verbreitete die Darstellung später auch über soziale Medien,
so
Dornblüth.
Die Kleinstadt Butscha nordwestlich von Kiew war in den ersten Kriegstagen im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt worden. Nach der Befreiung durch ukrainische Streitkräfte Ende März wurden in den Straßen getötete Zivilisten gefunden – manche mit gefesselten Händen. Die Bilder aus Butscha gingen um die Welt und wurden zu einem Symbol für mutmaßliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine.
Die Bundesregierung teilte inzwischen mit, es gebe den Versuch, das Treffen propagandistisch zu instrumentalisieren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, man wisse um den "propagandistischen Mehrwert eines physischen Treffens, der ja auch von russischer Seite entsprechend genutzt wird und genutzt wurde". Dennoch sei ein physisches Treffen vertretbar gewesen, auch, um noch einmal die deutschen Positionen zu verdeutlichen.
Experten bewerten Treffen unterschiedlich
Das erste Treffen deutscher und russischer Außenminister seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine wird unterschiedlich bewertet. Der frühere Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger, verteidigte das Gespräch. Auf der Plattform X schrieb er, Wadephul habe richtig gehandelt. Lawrow habe sich dabei als Verweigerer einer konstruktiven Verständigung gezeigt.
Der Warschauer Professor für Strategie und internationale Beziehungen, Sławomir Dębski, sieht das Treffen kritischer. Nach Angaben von Dlf-Korrespondentin Dornblüth warf er Wadephul vor, der russischen Seite die Möglichkeit gegeben zu haben, die Begegnung für Propagandazwecke zu instrumentalisieren. Die auf seinem Platz ausgelegte Butscha-Broschüre sei dafür ein Beispiel.
Zwar sei es richtig, Europas Sicherheitsinteressen nicht allein den USA zu überlassen. Gespräche mit Russland sollten nach seiner Auffassung jedoch an klare Bedingungen geknüpft werden. Als Beispiel nennt Dębski einen Verzicht auf Angriffe gegen zivile Ziele während laufender Verhandlungen.
Wadephul verteidigt Gespräch
Wadephul selbst verteidigte das Treffen mit Lawrow. Im ARD-Fernsehen verwies der CDU-Politiker unter anderem auf den jüngsten Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen. Hier sei eine Grenze überschritten worden. Außerdem hätten ihn Staaten des Globalen Südens gebeten, mit Russland über die Folgen des Krieges für die Getreideversorgung zu sprechen. Deutschland und Europa dürften Verhandlungen mit Moskau nicht allein den USA überlassen, argumentierte der Außenminister.
Rückendeckung kam zudem aus Kiew. Wie Dornblüth berichtet, informierte Wadephul den ukrainischen Außenminister Sybiha nach dem Gespräch telefonisch über dessen Verlauf und Inhalt. Sybiha dankte ihm dafür, die gemeinsamen Positionen gegenüber Lawrow übermittelt zu haben. Für die Ukraine sei entscheidend, dass Gespräche mit Russland nicht ohne die ukrainische Seite geführt würden. Kritik an dem Treffen äußerte Kiew nicht.
Diese Nachricht wurde am 28.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.




