
In der ersten Runde der Wahl erhielt Bolsonaro nach Behördenangaben rund 47 Prozent der Stimmen; Lula kam demzufolge auf etwa 45 Prozent. Die Angaben beruhen auf der Auszählung fast aller Stimmen. Beide Politiker verfehlten damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit - dies war aber auch so erwartet worden
Lula lag in Umfragen noch vorne
Der Vorsprung für Bolsonaro ist allerdings für viele überraschend, denn in den Umfragen hatte Lula noch vorne gelegen. Dieser bezeichnete das Ergebnis in einer ersten Reaktion dann auch als "unerwartet". Er zeigte sich aber zuversichtlich bezüglich der Stichwahl. Das Spiel gehe in die Verlängerung, sagte er vor Anhängern in São Paulo: "In der Verlängerung werden wir das brasilianische Volk für uns gewinnen." Auch Bolsonaro gab sich siegessicher. Brasilien wolle Veränderung, erklärte er.
Insgesamt hatten sich 13 Bewerber um das höchste Staatsamt in Brasilien bemüht. Bolsonaro ist der älteste Sohn des wegen eines Putschversuchs verurteilten ehemaligen Staatschefs Jair Bolsonaro. Der 80-jährige Lula strebt bereits seine vierte Amtszeit an.
Richtungswahl für Brasilien
Bei der Stichwahl stehen die Wählerinnen und Wähler vor einer Grundsatzentscheidung. Lula steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. In seiner dritten Amtszeit sanken die Arbeitslosigkeit und die Abholzung im Amazonasgebiet. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden die Regierung.
Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ist eine Amnestie für seinen Vater.
Diese Nachricht wurde am 05.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



