Medienethik
Kritik am "Spiegel" wegen Veröffentlichung interner Kommunikation mit Elif Eralp

Eine Story des "Spiegel" sorgt für Diskussionen über dessen Umgang mit vertraulichen Informationen: Es geht um die Veröffentlichung von interner Kommunikation mit der Berliner Linken-Fraktionschefin Eralp anlässlich eines Interviews. Nicht nur Parteikollegen der Politikerin kritisieren das Vorgehen des Nachrichtenmagazins.

    Das Bild zeigt den Kopf von Elif Eralp, Fraktionschefin der Berliner Linken. Dahinter unscharf ein Plakat der Polizei.
    Elif Eralp, Fraktionschefin der Berliner Linken. (dpa / Jan Woitas)
    Eralps Team hatte im sogenannten Autorisierungsverfahren für das Interview neben den überarbeiteten Antworten offenbar versehentlich auch ihre Kommentare dazu an den "Spiegel" geschickt. Dazu sagte der Taz-Redakteur Felix Zimmermann im Deutschlandfunk , dies stelle zwar einen peinlichen Fehler von Eralps Presseteam dar. Doch müsse man alles, was bei Interviews innerhalb der Autorisierungsschleife geäußert werde, intern behandeln - wie etwa in einem Hintergrundgespräch. Auch dort erhalte man häufig relevante Informationen, zitiere aber dennoch nicht.
    Zimmerman räumte ein, dass die Story des "Spiegel" ein großes Gewicht habe. Doch so reizvoll es sei, sie zu haben - Eralps Kommentare hätten in diesem Fall nicht an die Öffentlichkeit gehört.

    Schaden für Journalismus

    Der Taz-Redakteur kritisierte zudem, das Vorgehen des "Spiegel" beschädige den Journalismus insgesamt, weil von einer Redaktion Vertrauen gebrochen worden sei. Politiker müssten sich darauf verlassen können, dass das gelte, was vereinbart sei. Der "Spiegel" sei ein bedeutendes Magazin, und sein Vorgehen könnte negative Auswirkungen auch auf andere Medien haben.
    Eralp hatte dem ”Spiegel” ein Interview gegeben und später eine autorisierte Fassung des Gesprächs an das Magazin geschickt. In dem Dokument waren versehentlich noch Kommentare und Anmerkungen enthalten, die Eralp und ihr Team hinterlassen hatten. Der "Spiegel" veröffentlichte die Kommentare, in denen es unter anderem heißt, Eralp wolle sich und ihre Familie nicht in Gefahr bringen. Offenbar wollte sie es vermeiden, den Namen eines Hamas-Sympathisanten zu nennen, der im September bei einer Wahlparty der Linken in Neukölln aufgetaucht war.
    In seiner Titelstory begründet der "Spiegel", warum er die Kommentare veröffentlicht: "In einer Stadt, in der die potenzielle nächste Landeschefin so etwas schreibt (...) kann von innerer Sicherheit nicht mehr ernsthaft die Rede sein. Deshalb hat sich der Spiegel entschieden, den Vorgang öffentlich zu machen."

    Kritik von Linken-Spitze

    Parteifreunde Eralps sehen das anders: Die Linken-Bundesvorsitzenden Schwerdtner und Pantisano erklärten: "Dass im Zuge der aufgebauschten Debatte um Die Linke nun private Inhalte von Elif Eralp veröffentlicht wurden, die die Sicherheit ihrer Familie akut bedrohen, geht zu weit." Die Sorge der Politikerin gehöre nicht in die Zeitung.
    Der Linken-Politiker und Bundestags-Vizepräsident Ramelow bezeichnete das Vorgehen des "Spiegel" gar als niederträchtig: Damit werde "ein Mensch, der sich schutzlos fühlt, und dies intern kommuniziert, gezielt verletzt – und noch schutzloser gemacht", sagte Ramelow dem "Stern". Eine rein interne Kommunikation werde dazu benutzt, "um eine schwache Frau zu zeigen". Dies sei ein "anachronistisches Klischee".

    Linken-Politikerin verweist aus Sicherheitsbehörden

    Am Abend nannte die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Eralp weitere Details zu ihren Beweggründen. Sie habe sich bei ihrer Bemerkung über Angst vor Äußerungen zu einem Hamas-Sympathisanten auf einen Austausch mit Sicherheitsbehörden berufen.
    In einem Videobeitrag in sozialen Netzwerken sagte Eralp, dass sie den professionellen Rat der Behörden ernst nehme und ihre Worte genau abwäge. Es gebe seit der Wahl zum Abgeordnetenhaus zahlreiche Bedrohungen gegen sie. Eralp betonte zugleich, dass sie sich konsequent für die Sicherheit in der Hauptstadt einsetzen wolle.
    Diese Nachricht wurde am 30.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.