Außenministertreffen in Istanbul
Wadephul: "Müssen neue Wege finden"

Bundesaußenminister Wadephul sieht angesichts zahlreicher Konflikte - unter anderem in der Golfregion - die Notwendigkeit, neue Wege für Lösungen zu suchen. Die massiven Herausforderungen könnten nur bewältigt werden, wenn über etablierte Formate hinaus an einem Strang gezogen werde, sagte der CDU-Politiker, der heute an einem Treffen in Istanbul teilnimmt. Dabei handelt es sich um ein neues Gespächsformat.

    Jean-Noël Barrot (l-r), Außenminister von Frankreich, Johann Wadephul (CDU), Außenminister, und Ed Miliband, Außenminister von Großbritannien, stehen während eines Treffen von Außenministern zusammen.
    Außenministertreffen in Istanbul (picture alliance / dpa / Sebastian Christoph Gollnow)
    Der Gastgeber Türkei hat neben den sogenannten E3-Staaten - Deutschland, Großbritannien und Frankreich - auch Saudi-Arabien, Pakistan und Ägypten eingeladen. Dazu erklärte Wadephul, die europäischen Länder und die vier Regionalmächte wollten ausloten, wie sie Bewegung in die Konflikte in der Straße von Hormus, am Bab al-Mandab und im Schwarzen Meer bringen könnten.

    Worum es geht in Istanbul

    Aus dem türkischen Außenministerium verlautete, bei den Gesprächen solle es um die "Palästina-Frage, die Situation in der Straße von Hormus, die Entwicklungen im Jemen und die Suche nach einem Ende des Ukraine-Kriegs" gehen. In Berliner Regierungskreisen hieß es, man wolle Beiträge für eine "diplomatische Beruhigung der Konfliktlage" ausloten. Themen seien unter anderem die gestiegenen Energiepreise sowie mit Blick auf russische Angriffe auf Frachtschiffe im Schwarzen Meer die weltweite Ernährungssicherheit.

    Suche nach neuen Partnern

    Für die Türkei dürfte das Treffen wichtig sein, weil sie damit die eigene Bedeutung in der Region unterstreicht. Die Initiative Ankaras wird auch als Zeichen für die Suche nach neuen Bündnispartnern gesehen - ohne traditionelle Großmächte wie die USA. Das türkische Außenministerium erklärte, "regionale Sicherheit erfordert in erster Linie, dass die Staaten der Region Verantwortung übernehmen." Und weiter: "Bestehende Streitigkeiten dürfen einander nicht anheizen, und Konflikte dürfen sich nicht auf neue Gebiete ausbreiten." Für die Europäer dürfte es Experten zufolge ebenfalls wichtig sein, neue Partner zu gewinnen, auch für eine Beendigung des Ukrainekriegs.

    Neues Verteidigungsabkommen

    Die Türkei, Pakistan und Saudi-Arabien hatten sich kürzlich in einem gemeinsamen Verteidigungsabkommen zusammengeschlossen. Ägypten erwägt derzeit einen Beitritt. Die Türkei gilt als wichtiger internationaler Waffenproduzent und hat in den vergangenen Jahren seine Beziehungen zu anderen muslimischen Ländern verbessert. Beobachter sehen darin auch eine Gegenposition zum Einfluss des Iran in der Region.
    Diese Nachricht wurde am 23.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.