Sachsen-Anhalt
AfD‑Landtagsvize Tillschneider von Synagoge abgehalten: Morddrohung gegen jüdischen Studenten

Nachdem jüdische Studenten den AfD-Landtagsvizepräsidenten Tillschneider am Betreten einer Synagoge gehindert hatten, ist es nach eigenen Angaben zu massiven Anfeindungen gekommen.

    Ron Dekel, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, spricht auf einer Pressekonferenz.
    Ron Dekel, Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland. (Archivbild) (picture alliance/IPON/Stefan Boness)
    Der Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Dekel, erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, er habe Morddrohungen erhalten. Solche Drohungen erreichten ihn zwar häufiger, allerdings nie in dieser Ballung. Zudem betonte Dekel, als Nachfahre von Holocaustüberlebenden sei es für ihn ein besonderer Schlag ins Gesicht, wenn das Handeln eines Rechtsextremisten dazu führe, dass man mit dem Tod bedroht werde. Darin zeige sich für ihn eine gewisse Kontinuität. Auslöser war laut Dekel eine Pressemitteilung des Landtags von Sachsen-Anhalt. Der neue Präsident Rausch, wie Tillschneider AfD-Mitglied, habe sie darin als "Gruppe linker Studenten" bezeichnet, was man einfach nicht sei. "Wir sind die Jugendvertretung von Jüdinnen und Juden in Deutschland", betonte Dekel. Man kritisiere linken Antisemitismus genauso wie rechtsextremen, und habe sich in den vergangenen Jahren sogar überwiegend mit Antisemitismus von links beschäftigt, weil er ihnen an den Universitäten am meisten begegnet sei.
    JSUD-Mitglieder hatten Tillschneider den Zugang zu einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des Anschlags auf die Synagoge von Halle 2019 verweigert. Dabei sollen sie Tillschneider als "Nazi" bezeichnet haben. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt wegen Verdachts der Beleidigung.

    Landtagspressemitteilung fast wortgleich mit AfD-Erklärung: Rausch räumt Fehler ein

    Rauschs Pressemitteilung war fast wortgleich mit einer Erklärung der AfD-Fraktion. Rausch räumt gegenüber dem Focus in diesem Kontext Fehler ein und sicherte zu, dass der überparteiliche Charakter seines Amtes künftig gewahrt bleibe.
    Diese Nachricht wurde am 15.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.