
Als Netanjahus aussichtsreichster Konkurrent gilt der ehemalige Generalstabschef Eisenkot, dessen Zentrums-Partei Jaschar in Umfragen gleichauf mit Netanjahus Bündnis liegt. Eisenkot verortet sich politisch in der Mitte und grenzt sich von Netanjahus Politik mit den ultrarechten Parteien ab, ist jedoch schon mit umstrittenen Aussagen aufgefallen. Der 66-Jährige erteilte Forderungen nach einem unabhängigen Palästinenserstaat etwa eine klare Absage und ihm wird die Entwicklung der sogenannten Dahija-Doktrin zugeschrieben, die massive Vergeltungsmaßnahmen, auch gegen die Zivilbevölkerung, bei Angriffen auf israelische Ortschaften vorsieht.
Eisenkots Vorhaben: Wehrpflicht für ultraorthodoxe Juden und unabhängige Untersuchungskommission
Eisenkot hat ein Zehn-Punkte-Programm vorgelegt. Er fordert unter anderem, eine unabhängige Untersuchungskommission zu den Fehlern einzusetzen, die den Hamas-Angriff vor drei Jahren ermöglicht haben sollen. Netanjahus Regierung dagegen will die Kommission aus von Politikern gewählten Mitgliedern zusammenstellen. Außerdem weist die Regierung die Verantwortung für mögliche Fehlentscheidungen von sich. Mehrere Medien hatten Ende September berichtet, dass die israelische Regierung vor dem Anschlag gewarnt worden sein soll. Diese bestreitet das.
Kandidat Eisenkot will außerdem nach eigener Aussage die Pressefreiheit und die Armee stärken und Israels Grenzen festigen. Auch wirbt er für ein Wehrdienstgesetz, dass die Wehrpflicht auf ultraorthodoxe Juden und arabische Staatsbürger ausweiten würde. Ministerpräsident Netanjahu hatte in seiner vergangenen Amtszeit versucht, ein gegenteiliges Gesetz durchzubringen, das ultraorthodoxe Juden auf Dauer vom Wehrdienst befreit - das war ihm allerdings nicht gelungen.
Netanjahu befürchtet Verlust rechter Wählerstimmen
Der 77-jährige Netanjahu ist mit Unterbrechungen seit mehr als 18 Jahren im Amt. Aktuell regiert seine rechte Partei Likud mit rechtsextremen und ultraorthodoxen Parteien zusammen. Ursprünglich bestand die Koalition aus fünf Parteien. Zwei hatten nach der Debatte über die Wehrpflicht die Koalition verlassen. Die aktuell größte Oppositionspartei ist Jesch Atid. Für die anstehende Wahl hat sie sich mit der Partei von Politiker Naftali Bennett zur Partei Bejachad zusammengeschlossen.
Patt erwartet
Für die Regierung muss eine Partei oder Koalition mindestens 61 Abgeordnete in der Knesset haben. Weder Netanjahus Bündnis, noch der Oppositionsblock könnten das offenbar erreichen. In Umfragen liegen sie Kopf an Kopf mit jeweils etwa 50 bis 52 Sitzen. Um überhaupt in die Knesset einzuziehen, muss eine Partei 3,25 Prozent der Stimmen erreichen. Weil Netanjahu fürchtet, nicht genug Stimmen für eine nächste Amtszeit zu bekommen, hat er bereits kleinere rechte Parteien gedrängt, sich aus der Wahl zurückzuziehen, um eine Umverteilung der Stimmen anzustoßen.
Für einige Teile der Bevölkerung haben die Wahlen bereits begonnen. Für Soldaten wurden in Israel sowie in Armeestellungen im Gazastreifen, Libanon und in Syrien rund 850 Wahllokale eröffnet. Laut Berichten wollen ungefähr 50.000 Auslands-Israelis zur Wahl ins Land einreisen, da die Briefwahl auf diplomatische Gesandte und deren Familien beschränkt ist.
Aus dem Dlf-Programm:
Waffenlieferungen: Das Völkerrecht und das deutsche "Nie wieder"
Diese Nachricht wurde am 25.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



