08. August 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Kommentaren zum Besuch des myanmarischen Militärmachthabers in Thailand, zur Präsidentschaftswahl in Kolumbien und zur Machtübernahme der Taliban in Afghanistan vor fünf Jahren.

Der saudi-arabische Kronprinz bin Salman, der türkische Präsident Erdogan und der pakistanische Premierminister Sharif stehen nebeneinander und halten Dokumente in den Händen.
Der saudi-arabische Kronprinz bin Salman, der türkische Präsident Erdogan und der pakistanische Premierminister Sharif unterzeichnen ein gemeinsames Verteidigungsabkommen (picture alliance / Anadolu / TUR Presidency / Murat Cetinmuhurdar)
Zunächst aber schauen wir auf das Verteidigungsabkommen zwischen der Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan, das auch als "Mekka-Abkommen" bezeichnet wird. Die türkische Zeitung CUMHURIYET aus Istanbul sieht in dem neuen Militärpakt ein Risiko: "Der Vertrag sieht vor, dass ein bewaffneter Angriff gegen einen der drei Staaten als Angriff gegen alle drei Staaten gilt. Könnten die drei Länder auch Ägypten und den Iran in das Abkommen einbeziehen? Oder beruht dieses Abkommen im Gegenteil auf einer Haltung gegen den Iran? Saudi-Arabien und der Iran stehen sich an zwei Fronten gegenüber. Die USA greifen den Iran von ihren Stützpunkten in Saudi-Arabien aus an und die beiden Länder stehen sich auch im Jemen gegenüber. Warum also hat die Türkei eine derartige Last auf sich genommen? Dieser Prozess begann schon mit dem NATO-Gipfel in Ankara. Die NATO verlagert ihr Terrain. So wird im türkischen Adana ein neues NATO-Hauptquartier mit Zuständigkeit für den Mittelmeerraum und den Nahen Osten eingerichtet. In der Abschlusserklärung des NATO-Gipfels in Ankara wurde das Risiko analysiert, das die Türkei eingeht, wenn sie den Iran ins Visier nimmt. Der Mekka-Pakt ist nun eine Verpflichtung, durch die sich dieses Risiko nochmals erhöht", so die CUMHURIYET aus Istanbul.
Die türkische Zeitung SABAH steht dem Pakt positiv gegenüber: "Die Verteidigungsindustrie und die militärische Erfahrung der Türkei, das ölbasierte wirtschafts- und geopolitische Gewicht Saudi-Arabiens und die Atommacht Pakistan ergeben in Kombination eine einzigartige Konstellation. Das Mekka-Abkommen ist der Versuch der regionalen Akteure, einen Sicherheits-Pakt zu schaffen – zu einer Zeit, in der die von den USA garantierte Sicherheit infrage gestellt wird. Es geht nicht darum, alte Bündnisse abzuschaffen. Stattdessen soll die Zusammenarbeit im Nahen Osten ausgewogener und unabhängiger werden", meint die Zeitung SABAH aus Istanbul.
Myanmars Junta-Chef Min Aung Hlaing ist im Nachbarland Thailand empfangen worden. Myanmar ist seit dem Militärputsch 2021 international weitgehend isoliert. Die thailändische Zeitung BANGKOK POST befürchtet: "Der vielbeachtete Besuch von Min Aung Hlaing wird nun die ASEAN, den aus elf Mitgliedern bestehenden Block Südostasiens, weiter spalten. Die ASEAN hatte Myanmars Militärmachthaber sanktioniert, indem sie ihn in den letzten fünf Jahren von Gipfeltreffen ausgeschlossen hat. Nun hat der Chef einer im Grunde von der Junta gestützten Regierung alles bekommen, was er wollte – von einer glänzenden Legitimation und persönlichen Rechtfertigung nach dem Putsch bis hin zu Geschäftsabschlüssen, die eher seinen Vertrauten als dem myanmarischen Volk zugutekommen werden. Das ist der falsche Weg und es schadet den außenpolitischen Interessen Thailands", kritisiert die BANGKOK POST.
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN mahnt: "In Myanmar übt das Militär nach wie vor Gewalt aus. Immer noch werden viele Zivilisten getötet oder verletzt. Wichtig ist, dass ASEAN gegenüber der militärnahen Regierung Myanmars eine starke Haltung zeigt und klarmacht, dass ohne eine Ende der Gewalt keine Rückkehr in die Gemeinschaft möglich ist. Gleichzeitig sollte die japanische Regierung ihre humanitäre Hilfe für die von Repressionen betroffenen Menschen in Myanmar ausweiten."
Wir blicken nach Kolumbien. Dort hat der rechtsgerichtete Politiker Abelardo De la Espriella das Präsidentenamt angetreten. "Kolumbien gesellt sich zu den lateinamerikanischen Staaten, die zuletzt einen Rechtsruck vollzogen haben", schreibt dazu die Zeitung EL PAIS aus Spanien. "Das ist ein erheblicher Einschnitt: Kolumbien wird während der nächsten vier Jahre eine Regierung haben, die einen marktwirtschaftlichen Kurs und eine entschlossene Bekämpfung der Kriminalität verspricht und eine konservative gesellschaftliche Sicht vertritt. De la Espriella profitierte im Wahlkampf sogar von seiner fehlenden Erfahrung, weil er sich als Außenseiter jenseits der etablierten Strukturen präsentieren konnte. Aber jetzt besteht Unsicherheit darüber, wie er ein Land mit 50 Millionen Einwohnern, einer nur mäßig wachsenden Wirtschaft und tief reichenden Problemen wie Gewalt und Ungleichheit führen will", betont EL PAIS aus Madrid.
In Kolumbien selbst ist in der Zeitung EL ESPECTADOR zu lesen: "In seiner ersten Rede an die Nation versprach Abelardo de la Espriella, er wolle Präsident aller Kolumbianer sein. Das bedeute, die Rechte der Opposition zu garantieren und die Gewaltenteilung zu respektieren. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der neue Präsident auch Maßnahmen andeutete, die den Grundsätzen unserer Verfassung widersprechen. Anlass zur Sorge bietet vor allem der angekündigte 'Kulturkampf'. De la Espriella will den Glauben an Gott und die fundamentale Rolle der Familie fördern. Aber unsere Verfassung schützt die Religionsfreiheit. Natürlich hat der Präsident das Recht auf seinen Glauben, nicht aber, ihn durch staatliche Politik gegenüber anderen zu bevorzugen. Gerade die Vielfalt seiner Bevölkerung macht Kolumbien so großartig. Das sollte der neue Präsident nicht vergessen, wenn wir uns alle zugehörig fühlen sollen", mahnt EL ESPECTADOR aus Bogotà.
Die Zeitung LA HORA aus Ecuador macht auf einen weiteren Aspekt aufmerksam: "De la Espriella übernimmt das Präsidentenamt in einem Land, das stark polarisiert ist und unter dem Drogenhandel leidet. Der Friedensprozess seines linken Vorgängers ist gescheitert und hat stattdessen die Guerillaführer gestärkt. De la Espriella gilt dagegen als Konservativer, der eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Politik einleiten will. Unter anderem drohte er mit der Vernichtung von Coca-Plantagen und mit einem Krieg gegen Drogen. Das könnte allerdings auch Folgen für Ecuador haben. Unser Militärgeheimdienst warnt bereits vor einem Ausweichen der Kriminellen über die Grenze nach Süden", vermerkt LA HORA aus Quito.
Fünf Jahre ist es her, dass die Taliban wieder die Macht in Afghanistan übernommen haben. Die US-amerikanische Zeitung WASHINGTON POST beobachtet: "Fünf Jahre nach dem katastrophalen Abzug unter US-Präsident Biden möchten die Amerikaner Afghanistan verständlicherweise vergessen. Doch fast 14 Millionen Afghanen sind von akuter Hungersnot bedroht, und in einem Drittel des Landes hat die Unterernährung von Kindern ein kritisches Ausmaß erreicht. Dies ist vor allem auf die Misswirtschaft der unfähigen und barbarischen Taliban-Regierung zurückzuführen, die durch eine schwere Dürre noch verschlimmert wird. Aber auch Kürzungen bei den Hilfsgeldern haben eine Rolle gespielt.Die Amerikaner wollen nicht, dass ihre Steuergelder Terroristen zugutekommen. Deshalb müssen sorgfältige Kontrollen eingeführt werden, um sicherzustellen, dass die Nahrungsmittelhilfe Frauen und Kindern zugutekommt und nicht Männern im wehrfähigen Alter. Doch die Amerikaner sind großzügig, und diese Krise erfordert ihr Mitgefühl. Die reichste Nation der Welt sollte nicht zulassen, dass die ärmsten Menschen der Erde an Hunger sterben", verlangt die WASHINGTON POST.
Und die britische Zeitung THE INDEPENDENT erklärt: "Die britische Regierung hat den Afghanen, die mit den Briten zusammengearbeitet haben, feierlich versprochen, dass sie geschützt würden. Viele Tausende von ihnen haben in Großbritannien Zuflucht gefunden, doch es gibt noch etwa 7.000, von denen das Verteidigungsministerium anerkennt, dass sie in Gefahr sind und daher Anspruch auf ein Leben in Großbritannien haben. Fünf Jahre nach dem Fall Kabuls ist es nun an der Zeit, dass die Regierung die Verzögerungen, die Ausreden und die Versuche, die Gefahren herunterzuspielen, beendet. Großbritannien muss endlich seine Verpflichtungen gegenüber unseren afghanischen Helfern erfüllen – unverzüglich und in vollem Umfang", fordert die Zeitung THE INDEPENDENT aus London zum Ende der Internationalen Presseschau.