10. August 2026
Die internationale Presseschau

Wegen Differenzen über den Umgang mit Migranten kontrollieren die beiden EU-Partner Italien und Spanien wieder gegenseitig ihre Grenzen. Im Zentrum der Kommentare steht jedoch der Verteidigungspakt zwischen dem NATO-Mitglied Türkei, der Atommacht Pakistan und der Golfmonarchie Saudi-Arabien.

Grenzübergang zwischen Spanien und Gibraltar. Im Hintergrund ist der Fels von Gibraltar zu sehen.
Ein Thema: Im Streit über den Umgang mit Migranten kontrollieren Spanien und Italien wieder gegenseitig ihre Grenzen (Symbolbild). (picture alliance / pressefoto_korb / Micha Korb)
"Das Abkommen dokumentiert einen grundlegenden Wandel des Sicherheitsverständnisses am Golf", betont die saudische Zeitung AL-RIYADH: "Sicherheit bedeutet heute nicht mehr allein, die eigenen Grenzen zu schützen. Ebenso entscheidend ist die Fähigkeit eines Staates, auch in Krisen die Versorgung mit Wasser und Energie, den Betrieb von Häfen und Handelswegen sowie die Funktionsfähigkeit kritischer Infrastruktur und staatlicher Institutionen aufrechtzuerhalten. Angesichts von Raketen- und Drohnenangriffen, Cyberattacken und der Gefährdung strategischer Seewege gewinnt deshalb die regionale Zusammenarbeit an Bedeutung. Das Abkommen verbindet die politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten des Königreichs mit den militärischen Fähigkeiten der Türkei und der strategischen Erfahrung Pakistans", hält AL-RIYADH fest.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA konstatiert: "Die Mitglieder des Dreierbündnisses betonen, das Abkommen von Mekka habe rein defensiven Charakter und richte sich nicht gegen die Interessen anderer Länder. Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Bildung dieses militärisch-politischen ‚Dreiecks‘ – in einer für den Nahen Osten so krisenhaften Zeit – sowohl durch den Machtverlust der pro-iranischen ‚Achse‘ als auch durch die eskalierenden militärischen Aktivitäten Israels in der Region vorangetrieben wurde", schreibt NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
In einem Gastkommentar der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO heißt es: "Die aktuelle Weltlage verdeutlicht die Notwendigkeit solcher Verteidigungsbündnisse. Für Saudi-Arabien ist der Pakt eine zusätzliche Absicherung, falls der Konflikt mit dem Iran eskaliert. Für das NATO-Mitglied Türkei bietet er die Gelegenheit, seinen Unmut gegenüber Brüssel und Washington zum Ausdruck zu bringen. Für das ambitionierte Pakistan wiederum eröffnet sich die Chance, seinen internationalen Einfluss zu erhöhen. Außerdem ergänzen sich die drei Länder in Bereichen wie Finanzen und militärischer Stärke. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung des Aufbaus eines eigenständigen Verteidigungssystems im Nahen Osten. Die USA unter der Trump-Administration haben die Entstehung dieses strategischen Bündnisses sicherlich auch indirekt begünstigt", so die Einschätzung von HUANQIU SHIBAO aus Peking.
PAKISTAN TODAY aus Lahore wendet ein: "Kritiker, die die Initiative als einen exklusiven Militärblock darstellen, übersehen ihren grundlegend stabilisierenden Zweck. Das Abkommen zielt weder darauf ab, bestehende internationale Partnerschaften zu ersetzen, noch rivalisierende Einflusssphären zu schaffen. Vielmehr spiegelt es einen breiteren Trend hin zu regionaler Eigenständigkeit wider, bei dem verantwortungsbewusste Staaten eigene Mechanismen zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung ihrer gemeinsamen Interessen entwickeln."
Die türkische Zeitung EKONOMI mahnt, es wäre ein... "... Fehler, die strategische Bedeutung des in Mekka unterzeichneten Abkommens zu unterschätzen. Pakistan ist das einzige muslimische Land mit Atomwaffen, die Türkei verfügt über eine starke und zunehmend unabhängige Verteidigungsindustrie sowie große militärische Kapazitäten; Saudi-Arabien sorgt mit seinen Energieressourcen, seiner Finanzkraft und seiner strategischen Lage am Golf für wirtschaftliches Gewicht. Die Iran-Frage wird die größte Bewährungsprobe für das Abkommen von Mekka darstellen", erwartet EKONOMI aus Istanbul.
Themenwechsel. Nach der vorübergehenden Ankunft Zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in Marokko haben Spanien und Italien wieder Grenzkontrollen eingeführt. Die spanische Zeitung EL PAÍS glaubt, Ceuta habe der Regierung von Italiens Ministerpräsidentin Meloni dabei geholfen, sich... "... politisch zu profilieren - durch eine Instrumentalisierung der Krise, die eines großen EU-Partners unwürdig ist. Die EU stellte sich umgehend hinter Spanien. Die Regierung Meloni will jedoch nicht auf die politisch lukrative Erzählung verzichten, die ihr das Schüren von Angst vor Migration ermöglicht. Italien führt seitdem Sonderkontrollen bei Reisenden aus Spanien durch - mit der Begründung, die Sicherheit schützen zu wollen. Meloni verkauft den Italienern eine imaginäre Lösung für ein imaginäres Problem. Deshalb ist auch die Reaktion der spanischen Regierung wenig sinnvoll, eigene Kontrollen einzuführen. Meloni hat sich vor ihren Bürgern und vor der EU bereits selbst bloßgestellt", urteilt EL PAÍS aus Madrid.
Die britische Zeitung THE TELEGRAPH kritisiert mit Blick auf die EU-Kommission: "Brüssel schaut wie immer zu, gibt hochtrabende Erklärungen ab und unternimmt ansonsten nichts, während die europäischen Träume von offenen Grenzen zerplatzen. Das 1985 unterzeichnete Schengener Abkommen ist ein Relikt einer vergangenen Ära. Heute leben wir in einer Welt der Massenmigration, die allzu oft als Waffe eingesetzt wird. Ländern wie der Türkei, Belarus und jetzt auch Marokko wurde in den vergangenen Jahren vorgeworfen, ihre Grenzen zu den Ländern des Schengen-Raums geöffnet zu haben, um diese zu destabilisieren und politische Zugeständnisse zu erzwingen. Dadurch wird das Abkommen zu einem Sicherheitsrisiko für Europa", warnt THE TELEGRAPH aus London.
Die portugiesische Zeitung JORNAL DE NEGOCIOS aus Lissabon bilanziert: "Europa hat Enormes geleistet, mit der Schaffung einer eigenen Währung und der Integration des Ostens. Heute dagegen reicht die Invasion einiger zehntausend Menschen in der spanischen Exklave Ceuta, um die Europäer zu spalten. Natürlich ist das eine ernste Angelegenheit, und Marokko hat nur passiv zugesehen oder sogar Öl ins Feuer gegossen. Aber statt die Regierung in Rabat zu kritisieren, greifen sich die Europäer gegenseitig an."
"Der Migrationsdruck aus Nordafrika ist kein neues Phänomen für Europa", unterstreicht die chilenische Zeitung LA TERCERA: "Zuletzt ist aber wieder einmal deutlich geworden, wie sehr dieses Thema die EU beschäftigt. Die europäischen Länder sehen sich erheblichem sozialem und wirtschaftlichem Druck ausgesetzt. Aber ist eine Eindämmung der Migration die Antwort auf hohe Haushaltsdefizite? Und bislang profitieren vor allem ultrarechte Parteien wie die AfD in Deutschland oder der RD von Marine Le Pen in Frankreich", lesen wir in LA TERCERA aus Santiago de Chile.
Abschließend geht es um die Vorwahl der Demokraten im US-Bundesstaat Michigan für einen Sitz im Senat. Dabei hat sich der Vertreter des linken Parteiflügels, El-Sayed, durchgesetzt. Die dänische Zeitung KRISTELIGT DAGBLAD erläutert: "Es gibt gute und sympathische Gründe, dass sich vor allem junge Amerikaner von einer Bewegung angezogen fühlen, die dem Hyperkapitalismus ein Ende bereiten will und eine gerechtere Verteilung anstrebt. Die politische und wirtschaftliche Elite des Landes hat in den letzten Jahren allerhand dazu beigetragen, den amerikanischen Traum zu zerstören. Für viele einfache Bürger ist das Leben mittlerweile von Unsicherheit geprägt. Aber es ist fraglich, ob der Sozialismus die Herausforderungen des Landes lösen kann und soll. Die Politik, die die Vertreter dieser Strömung fordern, ist wirtschaftlich, politisch und sozial unhaltbar", argumentiert KRISTELIGT DAGBLAD aus Kopenhagen.
Die japanische Zeitung CHUNICHI SHIMBUN blickt voraus: "Bis zu den US-Zwischenwahlen am 3. November bleiben nicht einmal mehr drei Monate. Allerdings sind sowohl die Republikanische als auch die Demokratische Partei derzeit neben ihrer Rivalität mit parteiinternen Konflikten beschäftigt. Offenbar gelingt es den Demokraten nicht, von Trumps schlechten Umfragewerten zu profitieren. Der verbleibende Wahlkampf könnte noch heftiger und extremer werden. Politik beruht jedoch auf Kompromissen und Konsens", gibt CHUNICHI SHIMBUN aus Nagoya zu bedenken. Und mit diesem Kommentar endet die internationale Presseschau.