
Die italienische Zeitung CORRIERE DELLA SERA konstatiert: "Nun haben ihn die Richter in Damaskus, aus dem er im Dezember 2024 geflohen ist, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt. In Abwesenheit: Denn der Diktator verbringt sein Exil im Luxus von Moskau und unter dem Schutz des Kremls, zwischen einem prächtigen Penthouse im Zentrum der Hauptstadt und einer Villa in den luxuriösen Vororten. Das Urteil ist das erste, das die neue Regierung gegen die Führungsspitze der Assad-Dynastie gefällt hat. Präsident Ahmed al-Scharaa, ehemaliger Kommandeur einer islamistischen Rebellengruppe, muss nun versuchen, Russland – dem er gerade erst den Verbleib zweier Militärstützpunkte in Syrien zugestanden hat - davon zu überzeugen, ihm Baschar auszuliefern", vermerkt CORRIERE DELLA SERA aus Mailand.
Die syrische Zeitung AL THAWRA ist überzeugt: "Mit dem Urteil gegen Baschar al-Assad hat Syrien einen wichtigen Schritt zur juristischen Aufarbeitung des Krieges getan. Diesem werden weitere folgen, da inzwischen Hunderte Repräsentanten des Regimes verhaftet wurden. Umso mehr kommt es nun darauf an, dass die kommenden Prozesse juristisch einwandfrei ablaufen. Es ist wichtig, mit einer begrenzten Zahl gut begründeter und belastbarer Fälle zu beginnen, statt Hunderte oder gar Tausende von Urteilen zu erlassen, die anschließend in großer Zahl angefochten werden könnten. Die Bedeutung der kommenden Verfahren erschöpft sich jedoch nicht in der Verfolgung einzelner Personen. Es geht um das syrische Rechtssystem insgesamt", unterstreicht AL THAWRA aus Damaskus.
Nun geht es um den Krieg zwischen den USA und dem Iran. Die dänische Zeitung POLITIKEN sieht US-Präsident Trump vor neuen strategischen Herausforderungen. "Nachdem Medien von schrumpfenden Waffenvorräten berichtet haben, droht Trump den verräterischen Quellen mit Gefängnisstrafen. Es geht hier nicht vorrangig um das verletzte Ego eines Präsidenten, sondern um militärischen Über- und Hochmut, der weitreichende Folgen nach sich ziehen könnte - für den Krieg der USA gegen den Iran, aber auch für die regionale Machtbalance im Nahen Osten und darüber hinaus. Trump hat den angekündigten Großangriff auf den Iran abgeblasen, wenn auch angeblich wegen der laufenden Verhandlungen um die Straße von Hormus. Auch bestreitet er mögliche Probleme und beteuert, die Rüstungsindustrie laufe auf Hochtouren. Allerdings kann es bis zu zwei Jahre dauern, Patriot-Raketen zu bauen, und es gibt wenig geeignete Alternativen für die Verteidigung gegen iranische Raketen. Die USA stoßen somit bei den Eskalationsmöglichkeiten gegenüber dem Iran an ihren Grenzen", folgert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Eine neue Schifffahrtsroute durch die Arktis verspricht schnellere und günstigere Transporte zwischen China und Europa. Die norwegische Zeitung DAGBLADET kommentiert die Pläne so: "Die chinesische Reederei Sea Legend eröffnet eine neue Containerverbindung über die Nordostpassage entlang der russischen Arktisküste. Bei günstigem Wetter halbiert sich damit die Fahrzeit zwischen China und Europa von 40 auf 20 Tage. Das bedeutet weniger Kraftstoffverbrauch und weniger Abhängigkeit von unruhigen Flaschenhälsen wie dem Roten Meer und dem Suezkanal. Aber ermöglicht wird die neue Route vor allem durch schmelzendes Eis infolge des Klimawandels. Allein das sollte die Begeisterung dämpfen. Sicherheitspolitisch besteht das Risiko vor allem darin, dass dieser wichtige Korridor de facto unter russischer Kontrolle stünde. Russland würde die Genehmigungen erteilen, Eisbrecher einsetzen und die Regeln festlegen. Die jüngsten Erfahrungen mit der Straße von Hormus sollten in Oslo die Alarmsirenen schrillen lassen", mahnt DAGBLADET aus Oslo.
Thema in der japanischen Zeitung ASAHI SHIMBUN ist der Ausschluss der russischen Oppositionspartei Jabloko von der bevorstehenden Parlamentswahl. In einem Gastkommentar heißt es: "Der Ausschluss ändert nichts an der Tatsache, dass ein Teil der russischen Bevölkerung den Krieg in der Ukraine ablehnt und einen Waffenstillstand fordert. Den Anhängern von Jabloko, die bei der Wahl ohnehin kaum Chancen auf Erfolg gehabt hätte, wird damit die Möglichkeit genommen, ihre Unzufriedenheit mit dem Regime an der Wahlurne zum Ausdruck zu bringen. Aus Putins Sicht besteht nun die Gefahr, dass sich diese Opposition weiter radikalisiert oder außerhalb des offiziellen politischen Systems organisiert. Deshalb wäre es für Putin womöglich klüger gewesen, Jabloko zur Wahl zuzulassen", argumentiert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Mit Blick auf die für Mitte September angesetzte Abstimmung wendet die britische Zeitung THE TIMES ein: "Es besteht zwar kein Zweifel daran, dass die Regierungspartei 'Einiges Russland', die die willensschwache Duma dominiert, gewinnen wird. Dennoch ist der Wahlkampf von Bedeutung. Er ist ein Barometer der öffentlichen Meinung und die einzige Gelegenheit, bei der die Verantwortlichen sich verpflichtet sehen, Beschwerden über die Lebensbedingungen der Bevölkerung anzuhören. Zwar kann keine Partei den Krieg an sich offen infrage stellen, doch seine Auswirkungen machen sich allmählich bemerkbar: Kraftstoffengpässe haben zu Warteschlangen an den Tankstellen geführt, die Ferienorte am Schwarzen Meer und auf der Krim werden für Sommerurlauber am Strand zunehmend gefährlich, und die immer verzweifelteren Versuche, genügend Soldaten zu rekrutieren, machen vielen Menschen das Leben schwer. Vor allem aber kann keine offizielle Propaganda die Verluste verbergen - laut westlichen Geheimdienstquellen etwa eine halbe Million Tote - sowie die zunehmende Korruption", hält THE TIMES aus London fest.
Für die polnische GAZETA WYBORCZA zeigt der Fall Jabloko, wie wenig politische Konkurrenz in Putins Russland geduldet wird: "Die Partei – seit 25 Jahren eine feste Größe in der russischen Öffentlichkeit – war die einzige, die mit einem Antikriegsprogramm zur Parlamentswahl antreten wollte. Sie formulierte dies in einem prägnanten Manifest, das mit Worten beginnt, die in Putins Russland an Ketzerei grenzen: 'Für Frieden und Freiheit! Für ein Leben ohne Angst!' 13 Tage nachdem die Zentrale Wahlkommission die föderale Kandidatenliste der Partei Jabloko für die Duma gebilligt hatte, entschied der Kreml, dass der 'Spaß' nun ein Ende haben müsse. Über eine Klage der unbedeutenden Partei 'Rodina' wurde Jabloko disqualifiziert", resümiert die GAZETA WYBORCZA aus Warschau.
Zu unserem letzten Thema. Medienberichten zufolge soll US-Präsident Trump nach dem NATO-Gipfel in Ankara aus Angst vor einem iranischen Anschlag auf eine andere Maschine umgestiegen sein. Die türkische Zeitung HÜRRIYET erläutert: "Angeblich wurde Trump kurz nachdem er den Kameras zugewinkt und das Flugzeug betreten hatte, von dem sich von der anderen Seite nähernden Cateringwagen heimlich mitgenommen und in das dahinter liegende Militärflugzeug gesetzt. Während Trumps gesamtes Team und die Journalisten dachten, Trump sei im Flugzeug, verließ er es und flog mit dem Militärflugzeug weiter. Aus Angst, der Iran würde das Flugzeug abschießen. In gewisser Weise wurden sowohl Trumps Team als auch die Journalisten als Köder für den Iran benutzt. Es ist ein wahrhaft bizarres Ereignis. Es wirkt wie aus einem James-Bond-Film", schreibt HÜRRIYET aus Istanbul.
Die in Schanghai erscheinende chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO stellt fest: "Trump hat diese Charade zwar gleich abgestritten, aber seine Sondermaschine 'Air Force One' soll dem Vernehmen nach bereits zuvor mehrmals bei Staatsbesuchen in gefährlichen Weltgegenden als leere Attrappe eingesetzt worden sein, da sie eine allzu große Zielscheibe abgibt." Und mit diesem Auszug aus JIEFANG RIBAO endet diese internationale Presseschau.
