
Dazu schreibt das WALLSTREET JOURNAL: "Trump ist so oft zwischen Vernichtung und Frieden hin- und hergeschwenkt, dass erschöpfte Amerikaner nicht mehr wissen, was sie glauben sollen. Das ist ein Grund dafür, dass selbst einige republikanische Kandidaten ein Ende des Krieges fordern. Der Iran wird darauf achten, was der Präsident tut, nicht darauf, womit er droht. Wenn das Gerede von Vernichtung nicht glaubwürdig klingt, schwächt das die Abschreckungskraft der USA weltweit. Es schwächt Trump auch im eigenen Land", findet das WALLSTREET JOURNAL aus New York.
Die polnische RZECZPOSPOLITA bemerkt: "In Trumps Rede wurde die Ohnmacht des US-Präsidenten deutlich. Er kündigte an, den Konflikt mit dem Iran erst nach den Kongresswahlen im November beizulegen. Mit anderen Worten: Er hat eigentlich keine Ahnung, wann dieser verhängnisvolle Krieg enden könnte", schlussfolgert die RZECZPOSPOLITA aus Warschau.
Der britische GUARDIAN aus London notiert: "Die Welt mag sich an Trumps Drohungen gewöhnt haben, den Iran 'in die Steinzeit' zu schicken oder seine 'Zivilisation' zu beenden. Doch diese Sätze in einem Forum zu hören, das nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet wurde, künftige Konflikte zu verhindern, war beunruhigend."
Die reformorientierte Zeitung ARMAN E MELLI aus dem Iran wirbt für direkte Gespräche zwischen den Präsidenten beider Länder. "Die bisherige Ablehnung von US-Gesprächsanfragen durch den Iran wird heute kritisch bewertet und als eine verpasste Gelegenheit angesehen. Einige vertreten nun die Auffassung, Präsident Peseschkian könnte eine andere Haltung zu einem solchen Treffen einnehmen, wenn der US-Präsident eine Begegnung mit Peseschkian mit ernsthafter Absicht anstreben würde. Selbst wenn ein solches Treffen zustande kommen sollte, aber nicht das gewünschte Ergebnis bringt, dann würden die Menschen im Iran mehr denn je hinter Peseschkian stehen – einem Präsidenten, der den Frieden befürwortet hat, während seine Gegner ihn in Richtung Krieg gedrängt haben. Die Strategien müssen neu definiert werden, und in dieser Phase muss ein neuer Weg eingeschlagen werden", fordert ARMAN E MELLI aus Teheran.
Den Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den USA greift die SOUTH CHINA MORNING POST auf: "Niemand auf beiden Seiten hegt große Erwartungen. Beide Regierungen sind sich bewusst, dass ihre Beziehung äußerst kompliziert ist – belastet durch Zollstreitigkeiten, technologische Rivalität, Spannungen um Taiwan und tiefsitzendes Misstrauen. Doch beide verstehen auch etwas Grundlegenderes: Trotz ihrer vielen Konflikte müssen sie lernen, miteinander zu leben. Dieser Gipfel ist ein sorgfältig gesteuertes Zusammentreffen zweier Supermächte, die einander mit klarem Blick und ohne Illusionen begegnen. Er wird nicht lösen, was sich über Jahrzehnte hinweg festgesetzt hat. Die Welt braucht keine Einigkeit zwischen Washington und Peking in allen Fragen. Sie braucht vielmehr, dass beide Seiten ihre Meinungsverschiedenheiten und Konflikte klüger bewältigen. Sorgfältig abgestimmt wird dieser Gipfel ein Schritt in diese Richtung sein", meint die SOUTH CHINA MORNING POST aus Hongkong.
Ein Gastkommentator der US-Zeitung THE HILL wirft ein Schlaglicht auf Jimmy Lai. Der Journalist und Demokratie-Aktivist sitzt seit 2020 in einem Gefängnis in Hongkong. "Trump sollte Xi eine einfache Frage stellen: Was für eine globale Supermacht fühlt sich von einem 78-jährigen Zeitungsmann so bedroht, dass sie ihn in einer Zelle einsperren muss? Lai freizulassen, kostet Peking kaum etwas. Ihn weiterhin in Haft zu halten, sorgt dafür, dass er ein Symbol für Chinas Angst vor abweichenden Meinungen bleibt. Trump hat gezeigt, dass politische Gefangene befreit werden können, etwa in Weißrussland, darunter Sergei Tikhanovsky, den bekanntesten Oppositionsführer. Jetzt hat Trump die Chance, dasselbe für Jimmy Lai zu tun", unterstreicht THE HILL aus Washington.
Ein Gastkommentator der Zeitung CHINA DAILY erwartet: "Peking und Washington werden ihre Partnerschaften weiterentwickeln. Wenn jedoch Infrastrukturprojekte, Technologiestandards, Lieferketten und internationale Institutionen als Schauplätze des Wettkampfs betrachtet werden, in denen eine Seite die andere besiegen muss, dann läuft der bilaterale Wettbewerb Gefahr, das internationale System zu stören. Die Künstliche Intelligenz stellt eine erste Bewährungsprobe dar. Beide Seiten können und sollten den Austausch intensivieren, um schrittweise ein klareres Verständnis dafür zu entwickeln, wo sie miteinander konkurrieren und wo sie zusammenarbeiten – unabhängig von politischen Differenzen", empfiehlt CHINA DAILY aus Peking.
Die taiwanesische Zeitung JINGJI RIBAO sieht es so: "Die sich abzeichnende Entspannung in den Beziehungen zwischen den USA und China bedeutet nicht das Ende des strategischen Wettbewerbs, sondern lediglich einen Wandel von einer direkten Konfrontation hin zu einer konkurrierenden Koexistenz, die durch Verhandlungen, Regulierung und partielle Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Bei dem Gipfeltreffen in Washington geht es vorrangig um die Einrichtung eines Dialogs über die Risiken der künstlichen Intelligenz. Xi Jinping verfolgt mit seiner Reise aber auch das Ziel, die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren, denn die Binnennachfrage in China ist schwach und der Immobilienmarkt befindet sich im Abschwung. Sollte Trump die Zölle erhöhen oder die Technologiekontrollen ausweiten, würde dies den Druck auf die chinesische Volkswirtschaft verstärken. Peking hofft daher, mittels Diplomatie auf höchster Ebene die Beziehungen zu Washington zu stabilisieren. Beide Staatsmänner scheinen erkannt zu haben, dass ihre Länder zwar keine Partner werden können, sie sich aber auch keine vollständige Abkopplung voneinander und keinen direkten Konflikt leisten können", analysiert JINGJI RIBAO aus Taipeh.
Nun zum Grönland-Abkommen mit den USA. Die dänische Zeitung POLITIKEN nennt die Vereinbarung ein diplomatisches Meisterstück. "Die territoriale Integrität des Königreichs bleibt unangetastet, was die entscheidende rote Linie von dänischer Seite war. Laut Donald Trump werden die USA in Grönland 'zwei sehr große Militärbasen errichten'. Das hätten sie auch schon vorher tun können. Laut Donald Trump kann 'künftig keinem Gegner der USA erlaubt werden, eine militärische Präsenz in Grönland aufzubauen'. Auch das war schon vorher nicht möglich. Eine der großen Fragen der vergangenen Tage war, ob die USA tatsächlich – und formal – ein Vetorecht hinsichtlich ausländischer Investitionen in Grönland erhalten haben, wie Donald Trump behauptet hat. Diese Frage liegt weiter in den gemilderten Winden über der Arktis. Wie die Einzelheiten des neun Seiten langen Abkommens auszulegen sind, wird die Interpretation der Vereinbarung in der kommenden Zeit ans Licht bringen. Vorläufig deutet aber alles darauf hin, dass derjenige, der am lautesten ruft, am wenigsten Neues bekommen hat", schlussfolgert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die japanische Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN konstatiert: "Die Protagonisten des Erfolgs sind NATO-Generalsekretär Rutte und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen. Sie setzten auf Diplomatie sowie auf Zuckerbrot und Peitsche. Trotz Trumps Kritik an den Europäern vermittelte Rutte dem US-Präsidenten stets - und das sehr geschickt - das Gefühl, an seiner Seite zu stehen. Von der Leyen trat Trump entschlossen entgegen, beispielsweise beim Zoll-Konflikt: Wegen der von Brüssel angekündigten Vergeltungszölle musste Trump am Ende einen Kompromiss eingehen." Das war NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.
