24. September 2026
Die internationale Presseschau

Dominiert werden die Kommentare der Zeitungen von der Generalversammlung der Vereinten Nationen - insbesondere von der Rede, die US-Präsident Trump vor dem Plenum gehalten hat.

US-Präsident Trump während seiner Rede - er steht hinter einem Rednerpult vor der UNO-Vollversammlung.
US-Präsident Trump während seiner Rede (AP Photo / Yuki Iwamura / Yuki Iwamura)
Die in Dublin erscheinende IRISH TIMES schaut dabei auf das generelle Verhältnis, das Trump zur UNO einnimmt: "Mit der Drohung, die Islamische Republik Iran zu vernichten, und der Warnung, das Land werde in der 'Hölle ohne Überlebenschance' landen, hat US-Präsident Trump einmal mehr unverhohlen die Doktrin 'Macht geht vor Recht' sowie seine Verachtung für alles bekräftigt, wofür die Vereinten Nationen stehen. Dass der US-Präsident die Tribüne der UNO-Vollversammlung nutzt, um solche Drohungen auszustoßen und mit seinen angeblichen militärischen Errungenschaften zu prahlen, stellt vor allem eine tragische Abkehr vom Multilateralismus dar, auf dem die internationale Ordnung nach dem Zweiten Weltkrieg - und der relative Frieden danach - aufgebaut wurde", erläutert die IRISH TIMES.
Die WASHINGTON POST glaubt, dass Trump seine Position im Konflikt mit dem Iran inzwischen sogar überreizt hat: "Wirklich mächtige Führungspersönlichkeiten bluffen nicht. Doch genau das tat Trump bei den Vereinten Nationen: Er drohte damit, den Iran zu 'vernichten', sollte dieser nicht kapitulieren. Es gibt einen Ausdruck, den Pokerspieler für jemanden verwenden, der irrtümlich glaubt, eine unschlagbare Strategie zu verfolgen: Man sagt, er sei 'on tilt' – er hat die Kontrolle über sein Urteilsvermögen verloren und handelt irrational. Genau das trifft auf Trump zu", lautet das Resümee der WASHINGTON POST.
Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA beschäftigt sich mit den Äußerungen, die Trump in seiner Rede zum Ukraine-Krieg gemacht hat: "Der US-Präsident ging nur am Rande auf den größten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg ein. War das ein Eingeständnis seiner Niederlage? Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus vor gut anderthalb Jahren hat der US-Präsident versucht, Frieden zu stiften, indem er die Ukraine im Grunde auf dem Altar des russischen Imperialismus opfern wollte. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen. Die Ukraine hat jedoch dank ihres Mutes und ihres Einfallsreichtums überlebt. Und auch dank der Tatsache, dass Europa die Last der Unterstützung für Kiew von den USA übernommen hat. Nun, da Donald Trump mit dem Nahen Osten und seinen katastrophalen Umfragewerten im eigenen Land beschäftigt ist, hat er offenbar das Interesse an Osteuropa verloren", stellt RZECZPOSPOLITA aus Warschau fest.
DER STANDARD aus Wien fragt mit Blick auf Trumps Haltung zur Ukraine, in welcher Welt der US-Präsident eigentlich lebe: "Trump scheint die Realität mehr und mehr zu entgleiten. Etwa, wenn er im Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj allen Ernstes behauptet, dass auch Wladimir Putin nichts lieber wolle als ein Ende des Krieges. Und dass dieser bereit sei, darüber mit dem Ukrainer zu verhandeln. Wäre das Thema nicht so tragisch, man müsste fast schmunzeln über so viel Unsinn. Putin will kein Ende des Krieges, sondern einen Sieg allein zu seinen Bedingungen. Wollte Trump tatsächlich den Krieg einem Ende näherbringen, wie er es versprochen hat, müsste er den wirtschaftlichen und militärischen Druck auf den Aggressor massiv hochfahren", folgert DER STANDARD aus Wien.
Die italienische Zeitung LA STAMPA sieht dagegen einen Strategiewechsel der USA im Umgang mit der Ukraine: "Der Appell des ukrainischen Präsidenten Selenskyj fand nur auf europäischer Seite Gehör. Trotz des bilateralen Treffens mit Trump scheint die amerikanische Unterstützung für die Ukraine in weiter Ferne zu liegen. Überschattet wird das von der Einladung an Russlands Präsidenten Putin, am G20-Gipfel in Miami am 18. und 19. Dezember teilzunehmen. Diplomatisch bedeutet dies, dass sich Washington als Vermittler und nicht mehr als Verbündeter Kiews ins Spiel bringt. Die Idee, Russland durch Sanktionsdruck und Schäden an der Energieinfrastruktur zu einem gerechten Frieden zu zwingen, wird de facto ad acta gelegt", kommentiert die in Turin erscheinende LA STAMPA.
Die japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN geht in ihrem Gastkommentar auf den Besuch des chinesischen Staatschefs Xi in den USA ein. Bemerkenswert sei, dass Trump den Gast persönlich empfangen habe - normalerweise werde das vom Außenminister oder dem Finanzminister übernommen. Die Zeitung hat daher eine Vermutung: "Der ungewöhnlich freundliche Empfang zeigt, dass der zentrale Fokus des Treffens auf eine Imagepflege ausgerichtet ist. Die Beziehungen zwischen Washington und Peking befinden sich langfristig in einem harten Wettbewerb. Was man allerdings nicht vergessen sollte: Sowohl für China, das vor einem wichtigen Jahr 2027 mit Personalentscheidungen steht, als auch für die USA, wo bald die Zwischenwahlen stattfinden, hat die Imagepflege aktuell eine hochpolitische Bedeutung", glaubt die in Tokio erscheinende NIHON KEIZAI SHIMBUN.
THE INDEPENDENT aus London sieht die USA gegenüber China in der deutlich schwächeren Position: "Trumps andauernder Krieg mit dem Iran – einem wichtigen Handelspartner Chinas im Nahen Osten – wird Xis Besuch stark überschatten. China geht dank des Konflikts mit einer starken Position in die Gespräche. Xi wird es nicht eilig haben, dem US-Präsidenten Zugeständnisse zu machen. Trump ist durch den kostspieligen Krieg, der die Geldbeutel der Amerikaner belastet und seine Beliebtheitswerte vor den Zwischenwahlen beeinträchtigt, eingeschränkt", analysiert die britische Zeitung THE INDEPENDENT.
Und die in Taipeh erscheinende Zeitung LIANHE BAO sieht ein stilles Einvernehmen zwischen Washington und Peking zum Nachteil Taiwans: "Trump will Erfolge in den Bereichen Export von Sojabohnen, beim Import Seltener Erden sowie bei der Verständigung in Fragen der künstlichen Intelligenz erzielen. Er ist daher auf die Unterstützung Chinas angewiesen. Vor diesem Hintergrund wird der US-Präsident wohl die von Xi gezogenen Grenzen akzeptieren, beispielsweise bei Waffenverkäufen an Taiwan. Deshalb muss Taiwan besonders achtsam sein. Es könnte sein, dass Trump eine Verringerung oder sogar einen vollständigen Verzicht auf ein Eingreifen in der Taiwanstraße als 'Deal' oder Option ansieht", argwöhnt die taiwanesische Zeitung LIANHE BAO.
Themenwechsel. Die niederländische Zeitung DE TELEGRAAF blickt auf die deutsche Innenpolitik und sieht das Erstarken der AfD als Wendemarke: "Deutschlands politische Landschaft steht Kopf. Die traditionellen Mitte-Parteien SPD und CDU drohen unter dem Druck interner und geopolitischer Probleme zusammenzubrechen. 2029 finden Bundestagswahlen statt. Bis dahin muss der flügellahme Kanzler Friedrich Merz beweisen, dass er die großen Probleme - vor allem die Migrationskrise - lösen kann. Gelingt ihm dies nicht, werden die politischen Ränder weiter wachsen und es wird immer schwieriger werden, die Brandmauer aufrechtzuerhalten. Das Deutschland der Zukunft wird ganz anders aussehen. Wie genau, ist ungewiss", bilanziert DE TELEGRAAF aus Amsterdam.
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG blickt vor allem auf die unter Druck stehenden deutschen Sozialsystem - geht aber davon aus, dass die Bundesregierung diese Probleme nicht alleine lösen kann: "Im Zusammenhang mit der EU-Zuwanderung hat die Bundesregierung einen 'Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und Ausbeutung' beschlossen. Der Titel verspricht Entschlossenheit, die Maßnahmen aber sind halbherzig. Denn das Grundproblem bleibt unangetastet. EU-Ausländer können weiterhin nach Deutschland kommen, einer geringfügigen Beschäftigung - einem Mini-Job - nachgehen und dafür volle Sozialleistungen für sich und die ganze Familie beziehen. Natürlich werden Änderungen an der EU-Freizügigkeit in Brüssel entschieden und sind somit schwer umzusetzen. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Regierung untätig bleiben muss. Sie könnte mehr Druck auf die EU ausüben", empfiehlt die NZZ.