
"Insbesondere durch den Krieg im Nahen Osten hat sich die geopolitische Rivalität zwischen den USA und China zugespitzt", analysiert dazu die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: "Als besonders abstoßend empfinden die Amerikaner, dass Peking Teheran mit Komponenten versorgt, die in Drohnen und Raketen zum Einsatz kommen. Auch Taiwan könnte die Beziehungen bald trüben. Trump hat nach dem letzten Gipfeltreffen eine Waffenlieferung an die von China bedrängte Insel ausgesetzt, was er als 'sehr gutes Verhandlungspfand' bezeichnete. Falls er bald grünes Licht erteilt, wie allgemein erwartet wird, dürfte das Xi vor den Kopf stoßen. Taiwan hat für Xi höchsten Stellenwert - ähnlich wie Iran für Trump. Bei beiden Fragen liegen die Positionen der Regierungen weit auseinander, was eine Verständigung erschwert", ist sich die NZZ sicher.
Auch die in Hongkong erscheinende chinesische Zeitung MINGPAO sieht nach wie vor viel Argwohn zwischen den USA und China: "Vor über 60 Jahren hat das letzte Mal ein amerikanischer Präsident ein ausländisches Staatsoberhaupt direkt am Flughafen begrüßt. Donald Trump hat Xi diese Ehre gewährt, um für eine gute Atmosphäre der Gespräche zu sorgen. Xis Leitsatz aber von einer 'strategischen Stabilität' dürfte den China-Falken in den USA lediglich Gelegenheit geben, um Zeit zu gewinnen, um ihre Lieferketten neu zu strukturieren und um die Abhängigkeit von chinesischen Seltenen Erden schrittweise zu verringern. Zwischen den beiden Giganten wird es so bleiben, dass Amerika sich um jeden Preis die Vormachtstellung sichern will. Und China wird auf jede Herausforderung mit Gegenmaßnahmen reagieren", prognostiziert die chinesische Zeitung MINGPAO.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA geht davon aus, dass die Begegnung zwischen Xi und Trump in der Beziehung der beiden Länder nicht viel verändern wird. Mit Bezug auf den Ukraine-Krieg schreibt die in Moskau erscheinende Zeitung: "Schon vor dem Gipfel war davor gewarnt worden, überzogene Erwartungen zu hegen. Der aktuelle Zustand der russisch-chinesischen Beziehungen ist für China vorteilhaft und die USA haben nichts anzubieten, was einen Abbau dieser Beziehungen rechtfertigen würde. Zudem ist man in China derzeit bestrebt, Distanz zu diesem weit entfernten Konflikt zu wahren. Russen und Ukrainer greifen sich gegenseitig mit Drohnen an, die aus chinesischen Komponenten gefertigt sind. Die Chinesen verdienen daran gut, und das kommt ihnen durchaus gelegen“, notiert die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA.
Und die in London erscheinende FINANCIAL TIMES vermutet, dass US-Präsident Trump den Empfang für den chinesischen Staatschef vor allem deshalb so aufwendig gestaltet hat, um von eigenen Problemen abzulenken: "Trump überschüttete Xi geradezu mit Lob und Schmeicheleien. Er rollte dem chinesischen Staatschef buchstäblich und im übertragenen Sinne den roten Teppich aus für einen außergewöhnlichen Staatsbesuch, bei dem der Prunk anscheinend Vorrang vor dem Inhalt hat. Dabei ist es zutiefst ironisch, dass Trump dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas schmeichelt, während seine eigene Republikanische Partei vor einer drohenden sozialistischen Plage warnt, sollten die Demokraten bei den Kongresswahlen im November die Kontrolle über den Kongress erlangen. Der ganze Trubel lenkt zudem von Trumps Problemen ab, darunter sein Krieg gegen den Iran, die Krise der Lebenshaltungskosten in den USA und seine stark gesunkene Popularität", bilanziert die FINANCIAL TIMES.
Während der Rede des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu vor der UNO-Vollversammlung haben zahlreiche Delegierte den Saal verlassen. Die niederländische Zeitung DE VOLKSKRANT hat den Eindruck, dass den israelischen Ministerpräsidenten das nicht wirklich gestört hat: "Netanjahu schien sich in seiner Rede vor allem an potenzielle Wähler im eigenen Land zu wenden. Er stellte seine Politik als einen 'Kampf gegen Barbaren' dar. Aus einem Video, das Netanjahu vor seiner Abreise nach New York aufgenommen hatte, war bereits deutlich geworden, dass er sich kaum Gedanken über die internationale Isolation macht, in die sein Land geraten ist. Wichtiger sind für ihn die Wahlen in Israel im Oktober, bei denen seine Position als Ministerpräsident auf dem Spiel steht", lesen wir in DE VOLKSKRANT.
Dagegen blickt die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY auf die gesamte Generaldebatte der Vereinten Nationen und sieht zunehmende Probleme auf die Weltgemeinschaft zukommen: "Es tritt immer schärfer die Frage hervor, ob die internationale Gemeinschaft überhaupt noch in der Lage ist, die aktuellen Krisen auf der Grundlage des Völkerrechts wirksam zu lösen. Besonders deutlich wurde dieser Widerspruch am Krieg in Gaza und an der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern. Eine herausragende Bedeutung hatte dabei die Rede des französischen Präsidenten Macron. Er stellte die politischen Friedenserklärungen der internationalen Gemeinschaft der Realität in Gaza gegenüber. Gaza und das Westjordanland sind in dieser Perspektive nicht nur Schauplätze eines regionalen Konflikts. An ihnen entscheidet sich auch, ob das internationale Recht tatsächlich universell gilt, ob internationale Gerichte unabhängig von den Interessen mächtiger Staaten handeln können und ob der Sicherheitsrat seiner Aufgabe noch gerecht wird", mahnt die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY.
Die australische Zeitung THE AGE begrüßt, dass die US-Medien sich gemeinsam gegen den Ausschluss mehrerer Sender aus dem Weißen Haus gewehrt haben. Auch wenn ein Gericht die Entscheidung von Trump inzwischen aufgehoben hat, hätten die Vorgänge doch Erstaunliches gezeigt: "Solidarität? In Amerika? Unter den Medien? Es wirkt geradezu erstaunlich, dass auf dem bekanntermaßen polarisierten Boden der USA etwas derart Geschlossenes entstehen konnte. Doch genau das haben wir jetzt erlebt: Ausgerechnet erbitterte Rivalen wie Fox News und MS NOW standen geschlossen zusammen gegen den jüngsten Angriff von Präsident Donald Trump auf ihren Berufsstand. Und plötzlich droht Trump deutlich weniger Fernsehpräsenz zu bekommen. Schon jetzt musste sein Team offenbar eigenes Bildmaterial davon produzieren, wie Trump in heroischer Pose zur Eröffnung des neuen Hubschrauberlandeplatzes am Weißen Haus eintraf – Bilder, die normalerweise die Nachrichtenkameras geliefert hätten. Das Ergebnis war kaum anzusehen. Da war Trump, wie er Worte sprach, die niemand verstehen konnte, und dabei keinerlei Autorität ausstrahlte", lautet die schadenfrohe Bilanz von THE AGE aus Sydney.
Zum Abschluss der Blick auf das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande. Es war die erste Partie des deutschen Teams unter der Leitung des neuen Trainers Jürgen Klopp. Die Begegnung endete 1:1. Die italienische Zeitung LA REPUBBLICA schreibt dazu: "Es lässt sich nicht leugnen, dass alle Augen auf Klopp gerichtet waren. Deutschland hat ein gutes Spiel gezeigt. Aggressiv in der ersten Halbzeit, kraftvoll in der zweiten. Aber das ist noch kein endgültiges Urteil."
Die französische Sportzeitung L'ÉQUIPE stellt vor allem den Unterhaltungswert der Partie in den Vordergrund: "Es war ein unterhaltsames Spiel, das stark an einen Boxkampf erinnerte: Zwei Gegner schenkten sich nichts und teilten Runde für Runde Schläge aus. Wäre die Partie nach Punkten entschieden worden, hätten die Niederlande gewonnen. Über die gesamte Spielzeit waren sie gefährlicher, hatten mehr Chancen, mehr Ballbesitz, mehr Ecken und gewannen mehr Zweikämpfe", lautet das Urteil der in Paris erscheinenden Sportzeitung L'ÉQUIPE. Und damit endet diese Presseschau.
