26. September 2026
Die internationale Presseschau

Heute mit Stimmen zur UNO-Vollversammlung in New York und zum Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Washington. Außerdem ist der Konflikt zwischen der jemenitischen Huthi-Miliz und Saudi-Arabien ein Thema.

Das Foto zeigt die Generaldebatte der UNO-Vollversammlung. US-Präsident Donald Trump hält eine Rede.
Die Kommentare beschäftigen sich unter anderem mit der Generaldebatte der UNO-Vollversammlung in New York. (Yuki Iwamura / AP / dpa)
Zur laufenden Generaldebatte der Vereinten Nationen heißt es in einem Gastkommentar der chinesischen Zeitung HUANQIU SHIBAO: "Viele Staats- und Regierungschefs bekräftigen auf dieser Plattform ihren Willen, den Weltfrieden zu verteidigen. Das zeigt, dass die Vereinten Nationen auch in einer unsicheren Zeit wie der heutigen weder ihren Zweck noch ihren Wert verloren haben. Alle Länder, ob groß oder klein, reich oder arm, finden hier ihren Platz. In stürmischen Zeiten soll sie wie ein Anker Halt geben. Keine der globalen Herausforderungen kann von einem einzelnen Staat allein bewältigt werden. Die Vereinten Nationen sind nicht aus der Mode gekommen, ganz im Gegenteil: Ihre Autorität muss gewahrt werden", verlangt HUANQIU SHIBAO aus Peking.
Die niederländische Zeitung NRC ordnet die Rolle der USA ein: "Dass selbst Trump die jährliche Woche der Staats- und Regierungschefs nicht als Bühne auslässt und sein Land bislang nicht aus den Vereinten Nationen zurückgezogen hat, ist an sich ermutigend. Doch dass die Organisation heute in einem so schlechten Zustand ist, geht zu einem großen Teil auf sein Konto. Nicht nur, weil die USA ihre Beiträge zu UNO-Einrichtungen auf ein für eine Weltmacht beschämendes Minimum reduziert haben. Vor allem aber deshalb, weil in der geopolitischen Vorstellung des amtierenden US-Präsidenten allein das Recht des Stärkeren gilt", unterstreicht NRC aus Amsterdam.
"Der Saal war bei der Rede von Benjamin Netanjahu halbleer", konstatiert die dänische Zeitung POLITIKEN: "Dutzende Delegationen aus dem Nahen Osten und aus Afrika, aber auch aus Europa und Lateinamerika marschierten hinaus, als der israelische Premierminister das Podium betrat. Das sagt viel aus über die Isolation seines Landes nach dem unverhältnismäßigen Krieg in Gaza und der immer gewaltsameren Besetzung des Westjordanlands. Aber es hatte auch etwas Deprimierendes. Es war dies das Bild von einer Welt, in der es nur allzu üblich geworden ist, einander nicht mehr zuzuhören. Man kann die Ansicht vertreten, dass der wegen Kriegsverbrechen angeklagte Netanjahu in eine Gefängniszelle in Den Haag gehört. Aber er ist auch der von seinem Volk gewählte Regierungschef. Der Boykott einer Rede ist ein Sieg der Symbolpolitik über Sinn und Zweck der UNO als Ort, an dem sich alle Anführer der Welt treffen und einander zuhören", urteilt POLITIKEN aus Kopenhagen.
Die norwegische Zeitung DAGSAVISEN bemerkt zum Auftritt des israelischen Ministerpräsidenten: "Es war kein würdiger Moment, als Netanjahu den Delegierten beim Verlassen des Saals hinterher rief, sie seien moralische Feiglinge. Dasselbe gilt für seine Lügen. Für Netanjahu gilt es, die Bedrohung Israels zu maximieren und die eigenen Fehler zu minimieren, um an der Macht zu bleiben. Die Behauptung, Israel habe das iranische Atomprogramm zerstört, ist bestenfalls umstritten. Netanjahus Version von den Zuständen im israelisch besetzten Westjordanland ist nahezu verrückt. Während jüdische Siedler brutale Übergriffe begehen und gegen internationales Recht verstoßen, spricht Netanjahu von Selbstverteidigung. Der Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 ist ein grausames unverzeihliches Kapitel in dem endlosen Nahostkonflikt. Aber Israel hat eben auch zehntausende Palästinenser in Gaza getötet, darunter viele Kinder. Netanjahu sollte also vorsichtig mit der Verurteilung anderer sein", findet DAGSAVISEN aus Oslo.
Nun zum Besuch des chinesischen Staats-und Parteichefs Xi Jinping in Washington. Die britische Zeitung THE GUARDIAN hält fest: "US-Präsident Donald Trump bewundert und beneidet autoritäre Herrscher mit uneingeschränkter Macht. Da Trump üblicherweise nicht einmal ein Lippenbekenntnis zu den Menschenrechten abgibt, war es von vornherein unwahrscheinlich, dass die Behandlung der Uiguren oder des inhaftierten Hongkonger Aktivisten Joshua Wong zur Sprache kommen würden. Xi forderte von Trump, die Unabhängigkeit Taiwans ausdrücklich abzulehnen. Das wäre ein schwerwiegender Fehler, doch Trump hat in Bezug auf Taiwan beunruhigend widersprüchliche Signale gesendet. Es ist auffällig, wie wenig konkrete Folgen das Gipfeltreffen hat, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei wohl um die bedeutendste diplomatische Beziehung der Welt handelt", bilanziert THE GUARDIAN aus London.
Einen anderen Aspekt beleuchtet die spanische Zeitung EL PAÍS: "Wenn die USA auf etwas ganz besonders stolz sein können, dann sind es die Regeln, die seit zweieinhalb Jahrhunderten die Grundlagen ihrer Demokratie bilden. Genau deshalb wurde Chinas Präsident Xi Jinping bei seinem Besuch in Washington in das Nationalarchiv geführt. Aber bei Trump ist alles nicht mehr so einfach. Während er vor Xi prahlte, lieferte sich das Weiße Haus einen Konflikt mit mehreren Medien, weil ihnen die Teilnahme an Xis Besuch verweigert wurde. Verstöße gegen die Verfassung sind ein verheerendes Signal an die Welt aus einem Land, das oft eine Vorbildfunktion innehatte. Schon zu Beginn seiner politischen Karriere bezeichnete Trump Journalisten als 'Feinde des Volkes'. Das ist erschreckend, und daran hat sich nichts geändert", bemerkt EL PAÍS aus Madrid.
Die japanische Zeitung YOMIURI SHIMBUN analysiert die strategischen Folgen des Treffens: "Zwischen den beiden Großmächten USA und China existieren ernsthafte Konflikte und Spannungen, von denen die Stabilität und die Sicherheit der Welt abhängig sind. Aufgrund der Zwischenwahlen im November und des Tiefflugs seiner Umfragewerte war es für Trump offenbar keine Option, jetzt gegen China auf Konfrontationskurs zu gehen. Deshalb hat er für Xi beinahe übertriebene Freundlichkeit inszeniert. Der Eindruck, dass Washington dadurch die Initiative an Peking verloren hat, lässt sich aber nicht leugnen", schreibt YOMIURI SHIMBUN aus Tokio.
Die polnische Zeitschrift POLITYKA zieht diese Bilanz: "Das Treffen zwischen Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping war ein Paradebeispiel für zur Schau gestellte Freundschaft. Das Treffen fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Amerikas Position schwächer wird und Chinas Aktivität auf der Weltbühne zunimmt. Dem zu Besuch weilenden Xi bereitete Trump einen Empfang, wie er Amerikas Verbündeten selten zuteilwird. Trump scheint nach wie vor zu glauben, dass persönlicher, informeller Kontakt zu den Führern solcher Staaten dazu führen werde, dass diese ihre Politik in die für die USA gewünschte Richtung korrigieren. Dies ist natürlich eine naive Illusion", meint POLITYKA aus Warschau.
Die russische Tageszeitung KOMMERSANT aus Moskau kommt zu einem ernüchternden Schluss: "Sein zweites persönliches Treffen mit US-Präsident Donald Trump binnen eines Jahres verlief unglaublich pompös und war voller schöner Worte. Was aber konkrete Ergebnisse zu so komplexen Themen wie Handel, die Lage um Taiwan und den Konflikt mit dem Iran angeht, so scheint es, als hätten die Staatschefs Chinas und der USA der Öffentlichkeit bislang nichts vorzuweisen."
Abschließend noch eine Stimme zur Lage im Nahen Osten. Die türkische Zeitung DAILY SABAH beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen Saudi-Arabien und der jemenitischen Huthi-Miliz: "Die jüngsten Berichte über einen angeblichen Angriff auf Mekka verdeutlichen den Kampf um die öffentliche Meinung. Riad erklärt, eine auf die heilige Stadt gerichtete Drohne abgefangen zu haben, während die Huthi dies entschieden bestreiten. Für Saudi-Arabien ist die Darstellung des Konflikts als Verteidigung Mekkas ein wirkungsvolles diplomatisches Instrument. Sie sichert dem Königreich die Unterstützung weiter Teile der islamischen Welt. Durch die Betonung einer Bedrohung der heiligsten Stätten des Islam gelingt es Riad, eine religiöse und politische Allianz zu mobilisieren und die Huthi international weiter zu isolieren", glaubt DAILY SABAH aus Istanbul. Und mit diesem Auszug endet die internationale Presseschau.