29. September 2026
Die internationale Presseschau

Themen sind die politische Entwicklung in Nahost, Europas Überlegungen zur Abwehr von hybriden Angriffen und die schwierige Regierungsbildung in Schweden. Doch zunächst geht es nach Serbien. Dort ist Präsident Vucic zurückgetreten.

Der serbische Politiker Aleksandar Vucic schwingt eine Flagge seines Landes.
Aleksandar Vucic (dpa / AP Photo / Darko Vojinovic)
Der österreichische STANDARD meint: "Der Rücktritt von Aleksandar Vucic als Präsident von Serbien ist vollkommen bedeutungslos. Denn egal ob Vucic ein Amt innehat oder nicht, egal ob er gerade Staatschef oder Regierungschef ist, die Fäden laufen ohnedies immer bei ihm zusammen. Wahrscheinlich wird Vucic nach den Wahlen als Premierminister weitermachen, wie er dies bereits zuvor getan hat. Die EU hätte bereits vor Jahren die Verhandlungen mit Serbien abbrechen müssen. Das System Vučić und die Unterdrückung der Demokraten in Serbien sind auch Produkte der Ignoranz und der Planlosigkeit des restlichen Europas"; kritisiert DER STANDARD aus Wien.
Die ungarische Internet-Zeitung NEPSZAVA formuliert es so: "Wenn das Bündnis um Vuvics Serbische Fortschrittspartei die notwendige Unterstützung für die Regierungsbildung erhält, wird Vucic das Zentrum seiner politischen Macht nur wenige Straßen weiter verlegen. Die Methode ist bekannt. Russlands Präsident Wladimir Putin konnte 2008 nicht erneut für das Präsidentenamt kandidieren und wurde Regierungschef, da die Verfassung ihm damals nur zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten erlaubte. Und obwohl Serbien nicht Russland ist und Vucic' Handlungsspielraum geringer, ist die Logik ähnlich: Wenn die verfassungsmäßigen Zwänge eines Amtes dem politischen Führer im Weg stehen, wird er sich eine andere Position suchen, um die Macht zu behalten", zeigt sich NEPSZAVA aus Budapest überzeugt.
Die Verteidigungsminister der EU-Staaten haben über einen Vorschlag diskutiert, wie die die Europäische Union besser auf hybride Angriffe reagiert. Die FINANCIAL TIMES beschreibt das Dilemma: "Es geht darum, Moskau abzuschrecken, ohne eine Eskalation auszulösen. Unterhalb der Schwelle direkter militärischer Maßnahmen sollte Europa jedoch alles in seiner Macht Stehende tun. Die europäischen Länder müssen mehr tun, um Russland von allen Versuchen abzuschrecken, ohne dass gleich der Bündnisfall der NATO eintritt. Putins bislang 27-jährige Ära als oberster Herrscher Russlands hat gezeigt, dass er Stärke respektiert, Schwäche jedoch bestraft. Während der Kreml seine Angriffe in der Grauzone verstärkt, besteht die Gefahr, dass eine zu lasche Reaktion ihn nur dazu ermutigt, noch weiter zu gehen", befürchtet die FINANCIAL TIMES aus London.
Die russische Zeitung NESAWISSIMAJA GASETA lehnt das Vorgehen der EU-Staaten ab: "Im Grunde handelt es sich dabei um einen Vorläufer für ein Rüstungsprogramm und einen militärisch-industriellen Komplex. Die Projekte im Rahmen dieser Initiative werden nicht nur von EU-Staaten umgesetzt, sondern auch unter Beteiligung Norwegens und – was in diesem Zusammenhang besonders wichtig ist – der Ukraine. Das bedeutet beispielsweise, dass ein gemeinsames Luftverteidigungssystem potenziell auch dieses Land einbeziehen würde. Somit erweist sich ein NATO-Beitritt für die Ukrainer in vielerlei Hinsicht künftig möglicherweise als überflüssig", schlussfolgert NESAWISSIMAJA GASETA aus Moskau.
Nun in den Nahen Osten. Mit der Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten befasst sich die chinesische Zeitung JIEFANG RIBAO: "Ein Ende des Iran-Kriegs ist nicht in Sicht. Aber während Washington und Teheran von einer Einigung nach wie vor weit entfernt sind, zeichnet sich eine Annäherung zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Damit tritt das geostrategische Schachspiel im Nahen Osten in eine neue Phase. Der vom israelischen Ministerpräsidenten enthüllte 'geheime Besuch' in den Emiraten hat Spekulationen angeheizt. Netanjahu befindet sich wegen anhaltender Korruptionsvorwürfe und angeblich ignorierter Warnungen von Geheimdiensten vor dem Angriff der Hamas in einer brenzligen innenpolitischen Lage. Dieses Ablenkungsmanöver kommt ihm mehr als gelegen. Gleichzeitig kann Netanjahu das arabische Lager schwächen, indem er einen Keil in die bereits bestehende Kluft zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten treibt. Ein weiterer Faktor, der die Region zu einem Pulverfass macht, ist die Ankündigung von London und Paris, Saudi-Arabien im Kampf gegen die Huthi militärisch zu unterstützen", analysiert JIEFANG RIBAO aus Shanghai.
Die panarabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY kommentiert den iranischen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts mit den USA in der strategisch wichtigen Straße von Hormus: "Der Vorschlag sieht vor, mehrere strittige Fragen miteinander zu verbinden. Und zwar die Einstellung der Kampfhandlungen, die Aufhebung der US-Sanktionen, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte, die Wiederaufnahme der Ölexporte und die Öffnung der Straße von Hormus. Danach sollen die Atomverhandlungen wieder aufgenommen werden. Teheran bezeichnete den Vorschlag als pragmatischen Weg zurück an den Verhandlungstisch. Analysten werteten die Priorisierung der Straße von Hormus dagegen als Ausdruck des iranischen Versuchs, vor weitergehenden Verhandlungen ein wichtiges politisches Druckmittel zurückzugewinnen." Das war AL QUDS AL-ARABY aus London.
Weiter geht es nach Schweden. Nach dem knappen Sieg des Mitte-Links-Lagers bei der Parlamentswahl sind die Sozialdemokraten mit der Bildung einer Regierung gescheitert. Die schwedische Zeitung DAGENS INDUSTRI nennt als Grund, ".... dass die Linkspartei eine Wiederwahl des bisherigen konservativen Parlamentspräsidenten, Andreas Norlén, unterstützt. Die Vorsitzende der Sozialdemokraten, Magdalena Andersson, behauptet, dass dadurch eine neue Konstellation im Parlament entstanden sei. Das ist natürlich Unsinn. Sie zog in die Wahl, um Premierministerin zu werden, wich aber der Frage aus, welche parlamentarische Grundlage ihre Regierung haben sollte. Sie unternahm keine nennenswerten Versuche, mit anderen Parteien zu verhandeln, und sie blieb vage in Bezug auf ihre eigenen Pläne. Andersson und die übrige Opposition haben sich nicht vorbereitet und sind von einer Wirklichkeit eingeholt worden, die viele haben kommen sehen. Alle starken Regierungen der letzten Jahre bereiteten schon vor den Wahlen eine Zusammenarbeit vor. Warum also haben die Sozialdemokraten nicht aus dem Chaos vergangener Zeiten gelernt?", fragt DAGENS INDUSTRI aus Stockholm.
Die dänische Zeitung POLITIKEN beleuchtet die Rolle der schwedischen Linkspartei. "Um die ungeliebte Rolle als Steigbügelhalter der Sozialdemokraten loszuwerden und Druck aufzubauen, hat die Linkspartei beschlossen, den bisherigen konservativen Parlamentspräsidenten Andreas Norlén wiederzuwählen. Tatsächlich kommt diesem eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, dass Schweden eine neue Regierung bekommt: Er kann die Unterhändler bestimmen, Fristen setzen und Probeabstimmungen durchführen. Scheitern vier Wahlgänge, gibt es Neuwahlen", erinnert POLITIKEN aus Kopenhagen.
Zum Schluss ein Blick nach Spanien. In der Hauptstadt Madrid haben Zehntausende gegen die Wohnungskrise protestiert. EL PERIODICO DE CATALUNYA vermerkt: "Der Fall der Zwangsräumung der Wohnung von einer 87-jährigen Frau hat das Thema erneut ganz oben auf die politische Agenda gesetzt. Die sozialistische Partei von Premierminister Sánchez hat dadurch die Gelegenheit erhalten, nach der Migrationskrise in Ceuta die Initiative zurückzugewinnen. Geplant sind nun Maßnahmen, die unter anderem den Schutz von Mietern vor Zwangsräumung, mehr Regulierung bei der Vermietung an Touristen und Beschränkungen für Spekulanten vorsehen. Mehr Mieterschutz mag die Situation lindern, wird das zentrale Problem aber nicht lösen: den Mangel an bezahlbarem Wohnraum", unterstreicht PERIODICO DE CATALUNYA aus Barcelona.