27. September 2026
Die Presseschau

In den Sonntagsausgaben der Zeitungen geht es um die Entscheidung für München als Olympiakandidaten, um das Ansehen von Bundeskanzler Merz und um das Treffen von US-Präsident Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping.

Olympische Ringe über dem Olympia-Stadion in München.
Auch die Münchner Olympiabewerbung spielt eine Rolle in den Sonntagszeitungen. (IMAGO / Heinz Gebhardt)
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt zum ersten Thema, die Wahl Münchens sei - Zitat: "... ein Boost für die Pläne des neuen Oberbürgermeisters Dominik Krause von den Grünen: Die Olympia-Kandidatur sollte der Aufbruchstimmung weiteren Schwung geben, die er bei seinem Amtsantritt im Mai erzeugt hat. Olympia ist freilich auch ein Projekt des Freistaats Bayern und seines Ministerpräsidenten Markus Söder. Dass der CSU-Mann Söder und der Grüne Krause bislang erstaunlich gut miteinander klarkommen, könnte sich über Olympia hinaus auf die Politik im Freistaat auswirken. Das Gespenst der Grünen, das Söder in der Vergangenheit oft und gern heraufbeschworen hat, verliert womöglich seinen Schrecken, wenn er merkt, dass man auch mit Grünen-Politikern verlässlich zusammenarbeiten kann – sofern man ein gemeinsames Ziel hat. Und das haben sie ja jetzt in den nächsten Jahren", hebt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG hervor.
Die Bewerbung Münchens für die Olympischen Spiele umfasst auch die Stadt Kiel als Segelstandort. Die KIELER NACHRICHTEN kommentieren: "Endlich hat Deutschland wieder einen echten internationalen Kandidaten nach all den Pleiten im eigenen Land. Nun müssen alle Kräfte gebündelt werden, will Deutschland in drei Jahren, wenn das IOC die Olympischen Sommerspiele 2036 und vielleicht sogar 2040 vergibt, auf dem Bewerber-Treppchen ganz oben stehen. Es lohnt sich! Was die Olympischen Spiele, das wohl völkerverbindendste Ereignis der Welt, für Stimmung und Gefühle von Aufbruch, Zusammenhalt und Fortschritt beim Gastgeber erzeugen können, war 2024 in Paris eindrucksvoll zu sehen. Spaltung, Zwietracht und Missmut in der Gesellschaft gibt es mehr als genug. Schon die gemeinsame Bewerbung um die fünf Ringe kann die Stimmung im Land beflügeln", finden die KIELER NACHRICHTEN.
Die WELT AM SONNTAG befasst sich mit der CDU und ihrem Vorsitzenden. "Kaum mehr als 500 Tage nach Amtsantritt kämpft Friedrich Merz um seine Kanzlerschaft. Er will an sich arbeiten, Dinge verändern: besser kommunizieren, besser organisieren, bessere Politik durchsetzen. Merz' Glück ist, dass es keine eindeutige Idee dafür gibt, wer ihm kurzfristig nachfolgen könnte." Als mögliche Kandidaten nennt das Blatt die drei Ministerpräsidenten Wüst, Söder und Rhein. Weiter heißt es in dem Kommentar: "Die Operation 'Kanzlertausch' haben sie zwar durchgespielt, aber dann doch für zu risikoreich erachtet. In der Stunde der größten Demütigung, dem Absturz in die außerparlamentarische Opposition in Mecklenburg-Vorpommern, war in der CDU niemand willens und in der Lage, Merz ernsthaft gefährlich zu werden. So bleibt es ein Spiel auf Zeit, das wahrscheinlich erst nach den Landtagswahlen im Frühling entschieden werden kann. Friedrich Merz hat also eine Schonfrist. Oder, positiver gesagt, die letzte Chance, die Koalition noch in eine Richtung zu lenken, in der sie dem selbst gestellten Auftrag gerecht werden kann: eine gut gezielte, letzte Patrone der Politik zu sein." Das war ein Auszug aus der WELT AM SONNTAG.
Die japanische Zeitung ASAHI SHIMBUN erinnert an die jüngsten Landtagswahlen, bei denen die AfD und die Linkspartei zur stärksten Kraft gewählt wurden. "Die Ergebnisse zeigen, dass die CDU und die anderen Parteien der Mitte die Unzufriedenheit der Menschen nicht auffangen können. Das wirkt sich auch außenpolitisch aus: Sollten der AfD weitere Erfolge gelingen, würde die Spaltung in Deutschland noch größer - etwa bei der Ukraine-Hilfe. Auch die Geschlossenheit in Europa, wo Deutschland eine zentrale Rolle spielt, könnte geschwächt werden. Das Ganze lässt sich auch nicht einfach dadurch erledigen, dass man die Rechtsextremen mit einer so genannten Brandmauer ausgrenzt. Die Politik muss sich ernsthaft mit der Angst der Menschen um die Zukunft auseinandersetzen und der Bevölkerung ihre Entscheidung ehrlich erklären können", fordert ASAHI SHIMBUN aus Tokio.
Ein Gastkommentator in den LÜBECKER NACHRICHTEN zeigt sich dennoch zunächst zuversichtlich. "Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die deutsche Wirtschaft wächst wieder – zumindest in den Prognosen. Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt, die Einkaufsmanager werden munterer, Ökonomen schieben ihre Erwartungen nach oben, die Aufträge für die Industrie mehren sich. Aus der Stagnation wird plötzlich Aufschwung. Nur bei den Leuten kommt die frohe Botschaft nicht recht an. Das Konsumklima bleibt schwach, die Anschaffungsneigung ebenso. Die Wirtschaft schaut nach vorn. Der Bürger schaut aufs Konto. Seltsam ist auch: Während die Stimmung der Unternehmen steigt, sparen viele weiter. Investitionen werden gestrichen, Kosten gedrückt, Stellen abgebaut. Deutschland erlebt offenbar einen Aufschwung, bei dem man vorsichtshalber erst einmal Leute entlässt", analysieren die LÜBECKER NACHRICHTEN.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG schaut noch einmal zurück auf den Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs Xi Jinping in den USA. "Ein gehaltloseres Gipfeltreffen zwischen den Anführern der beiden mächtigsten Staaten der Erde hat es wohl nie gegeben. Der zweite Gipfel zwischen Trump und Xi in diesem Jahr war reich an Schmeicheleien und arm an Substanz. Das kommt Peking entgegen. Während der von 'starken Männern' besoffene Trump ein blendendes Verhältnis zum chinesischen Staatschef wahrnimmt, erkennt der Machtapparat in Peking eine Phase des strategischen Unentschiedens. So konnte Xi in Washington lächelnd mitspielen bei Trumps Schmeicheleien, ohne diese wirklich zu erwidern. Chinas Parteichef lässt Trump im Glauben, beide hätten eine persönliche Verbindung zueinander. Seit Xi die anfängliche Zoll-Eskalation des Amerikaners durch Gegenzölle und Exportkontrollen konterte, hat sich Trump offensichtlich zähmen lassen", urteilt die FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG.
VERDENS GANG aus Oslo klingt ganz ähnlich. "Wenn sich die USA und China treffen, sind die Erwartungen groß. Bekommen haben wir herzliche Begrüßungen mit Schulterklopfen und guter Stimmung zwischen den beiden Staatschefs, einschließlich zweier Panda-Bären für einen Zoo. Donald Trump hatte keine Tiere zu bieten, dafür aber das, was er am besten kann: Pomp und einen Empfang, wie ihn nur wenige Staatsführer bekommen haben. Xi wurde von Trump als Freund bezeichnet und mit so vielen Huldiungen bedacht, dass es selbst unter Republikanern für Naserümpfen sorgte. Mit Sicherheit ist dies eine seltsame Annäherung vor dem Hintergrund eines laufenden Handelskriegs", stellt VERDENS GANG aus Norwegen fest.
Die Zeitung LA TRIBUNE aus Paris geht in ihrer Sonntagsausgabe auf die Reise des Papstes nach Frankreich ein. "Die Menschenmenge, die auf den Champs-Élysées zusammenkam, veranschaulicht die Tragweite und die emotionale Kraft dieses päpstlichen Besuchs. Man muss sich darüber freuen, dass ein Papst Hoffnung weckt, der für den Frieden steht, der die Migranten und die Vergessenen des Kapitalismus verteidigt und der vor Gefahren einer entmenschlichenden Technologie warnt. Er präsentiert sich als Mann des guten Willens - und das in einer Zeit, in der die Zauberlehrlinge der Tech-Branche und die Kriegstreiber eine Bedrohung für all das darstellen, was Größe und Würde der Menschheit ausmacht. Es wird Leo XIV. vielleicht nicht gelingen, den Rückzug des christlichen Glaubens in Frankreich zu stoppen. Er wird aber auf jeden Fall dazu beigetragen haben, unser Land wieder menschlicher zu machen - und ihm eine Phase von Wiederverzauberung und Toleranz zu schenken. Wenn sich auch die Anwärter auf die Präsidentschaft für diese Aspekte des päpstlichen Besuchs empfänglich zeigten, wäre die Reise von Leo XIV. nicht umsonst gewesen." Sie hörten zum Abschluss der Presseschau die Meinung der französischen Zeitung LA TRIBUNE.