
Dazu bermerkt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG: "Das Ärgerliche an diesem Aufschwung ist, dass ihn niemand spürt. Die Stimmung der privaten Verbraucher ist gedrückt. Jeder Tag mit hohen Benzin- und Energiepreisen, mit neuen Nachrichten über höhere Sozialbeiträge oder Steuern und mit einer hohen Arbeitslosigkeit belastet das Konsumklima. Auch in den privaten Unternehmen hat die Stimmung sich bisher recht selektiv verbessert. Ein Aufschwung, der private Unternehmen in großem Stil zu zusätzlichen Investitionen anregt, ist nach Prognose der Institute bis 2028 nicht zu sehen. Steigende Baugenehmigungen haben bislang nicht zu einer Erholung des Wohnungsbaus gereicht. Absehbare Zinserhöhungen lassen mögliche Bauherren weiter zurückschrecken", beobachtet die F.A.Z.
Die AUGSBURGER ALLGEMEINE schreibt: "Die Träume der angeschlagenen Bundesregierung brauchen mit der neuen Prognose allerdings nicht in den Himmel zu wachsen. Denn die Staatsschulden sind hoch, Energiekosten und steigende Preise lasten auf Unternehmen wie Verbrauchern, die Reformen der Regierung existieren bisher nur auf Papier. Und die Investitionen der heimischen Unternehmen, welche die Basis für den künftigen Wohlstand legen, haben nicht angezogen. Damit es dauerhaft aufwärtsgeht, muss der Bund noch einige Schalter umlegen", meint die AUGSBURGER ALLGEMEINE.
Nun zum REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER: "Mit den milliardenschweren Sondervermögen für Rüstung und Infrastruktur, die die Regierung aufgelegt hat, lässt sich manches vorerst kaschieren. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, das Sondervermögen nichts anderes als Schulden sind. Die Regierung muss dringend damit aufhören, das hart verdiente Steuergeld der Bürger mit der Gießkanne zu verteilen, in dem Versuch die verloren gegangene Wählergunst zurück zu erkaufen. Staatliche Hilfen müssen sich auf die wirklich Bedürftigen beschränken. Und die Regierung muss endlich wieder beweisen, dass sie in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen – und dann auch zu ihnen zu stehen. Eine verunsicherte Regierung führt zu verunsicherten Bürgern. Und Unsicherheit ist Gift für Konsum und Investitionen", urteilt der REUTLINGER GENERAL-ANZEIGER.
Kritisch ist auch die SÜDWEST-PRESSE aus Ulm: "Die Wachstumskurve in den kommenden Jahren zeigt bereits wieder nach unten. Es ist ein Aufschwung auf wackeligen Beinen. Die Ökonomen sagen klar, was nötig ist, um die Wirtschaft dauerhaft zu stärken: günstigere Energie und sinkende Sozialversicherungsbeiträge. Darauf sollte die Bundesregierung jetzt hören. Es braucht die Reformen dringender denn je – gerade auch die unpopulären bei Rente und Gesundheit. Ohne sie droht die dauerhafte Stagnation", warnt die SÜDWEST-PRESSE.
Anders sieht es der KÖLNER STADT-ANZEIGER: "Schon kommen aus allen Ecken die Kritiker hervor, die das zarte Pflänzchen mit aller Vehemenz kaputtreden. Vom 'Scheinriesen Export' ist da die Rede, der den Aufschwung künstlich getrieben haben soll. Wo ist das Problem? Deutschland ist seit eh und je eine Exportnation. Und jetzt erleben wir in dem Bereich eine Renaissance. Sogar die Gutachter selbst mäkeln herum. Das böse Erwachen drohe 2028, wenn das Wachstum auf 0,4 Prozent fallen könnte, schreibt das Ifo-Institut. Bei allem Respekt vor den Ökonomen – bis 2028 fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter", betont der KÖLNER STADT-ANZEIGER. Und so viel zu diesem Thema.
Die RHEINISCHE POST befasst sich mit dem Vorstoß einer Abgeordnetengruppe im Bundestag, bei der Organspende künftig die Widerspruchslösung einzuführen. Dafür gibt es aus Sicht der Zeitung... "... gute Gründe. Zum einen ließe sich mit ihr ein praktisches Problem lösen: Zwar zeigen Umfragen, dass über 80 Prozent der Deutschen der Organspende positiv gegenüberstehen. Doch nur gut 40 Prozent haben ihre Entscheidung dokumentiert. Zugleich ist der Bedarf an Spenderorganen hoch: Mehr als 8.000 Menschen standen zuletzt auf der Warteliste, dabei gab es 2025 nur knapp 1.000 Organspender. Die Widerspruchslösung lässt sich auch aus einer christlichen Perspektive argumentieren. Denn wer für den Schutz des Lebens ist, sollte Rahmenbedingungen so setzen, dass möglichst viele Menschen die Chance auf Genesung erhalten. Zumal auch mit der Widerspruchslösung niemand zur Organspende gezwungen wird. Sie kehrt lediglich die Verantwortung um", betont die RHEINISCHE POST aus Düsseldorf.
Ähnlich sieht es DIE GLOCKE aus Oelde: "Die Widerspruchslösung könnte einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass sich jeder Bürger zumindest einmal mit dem Thema auseinandersetzt und für sich eine Entscheidung trifft. Alle bisherigen Versuche, die auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzen, haben keine nennenswerten Fortschritte erzielt. Während all dieser Debatten warten Patienten verzweifelt auf Spenderorgane. Ganz gleich, ob sich die Abgeordneten für eine Widerspruchslösung entscheiden oder auf ein erweitertes Modell der bisherigen Entscheidungsregelung setzen - sie müssen sich endlich auf einen Weg einigen, der die Organspenden signifikant erhöht", verlangt DIE GLOCKE aus Oelde.
Die SCHWÄBISCHE ZEITUNG aus Ravensburg findet: "Es ist ein Skandal: Tausende Menschen warten auf ein Spenderorgan. Seit Jahrzehnten kennen wir das Problem - und bekommen es nicht gelöst. Wir müssen früher anfangen: in Schulen, Ausbildung und Familien. Organspende gehört zur aufgeklärten Selbstverantwortung. Jeder sollte sich damit beschäftigen und eine klare Entscheidung treffen: Ja oder Nein. Deshalb ist die Widerspruchsregelung der falsche Weg. Sie macht aus Schweigen Zustimmung. Doch freier Wille funktioniert nicht per Voreinstellung. Der bessere Weg ist unbequemer, aber ehrlicher: Der Staat sollte jeden regelmäßig zur Entscheidung auffordern und diese einfach dokumentieren. Auch die Kirchen sind hier gefragt. Organspende ist gelebte Solidarität und kann Leben retten. Freiheit heißt nicht, sich vor einer Entscheidung zu drücken. Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen - für sich selbst und für andere", fordert die SCHWÄBISCHE ZEITUNG.
Der Berliner TAGESSPIEGEL blickt auf den Rückzug der Hauptstadt aus der Olympia-Bewerbung: "Und nun? Auf jeden Fall kein Trübsal blasen. Berlin drückt München und der Region Rhein-Ruhr in Nordrhein-Westfalen die Daumen. Schließlich sind wir Bundeshauptstadt – ganz Deutschland kann von den Olympischen Spielen profitieren, für die sich die Bundesrepublik für die Jahre 2036, 2040 und 2044 bewirbt. Also: Auf geht’s, München und NRW. Nach Berlins Absage muss die verbleibende Olympiabewerbung als Signal gelesen werden. Gerade in Zeiten der Krisen und Kriege. Einer muss ran – und zwar für alle. Für etwas, das positiv Sinn stiftet. An dem sich das Land aufrichten kann, an einem Ziel. Es geht auch darüber hinaus: Aus der Mitte Europas kann gerade in dieser Zeit der olympische Geist nur guttun: Fairplay, sich an Regeln halten, Respekt vor den Konkurrenten, Völkerverständigung und ein friedliches Fest", unterstreicht der TAGESSPIEGEL.
Die FREIE PRESSE aus Chemnitz stellt fest: "Leidtragende sind auch die Leipziger samt Kanupark in Markkleeberg, die kleinen Vereine in Sachsen und rund um Berlin, die Sportler und Fans, die vielleicht nur einmal Olympische Spiele in ihrer Heimatregion erleben können. Bereits 2004 war Leipzig im Ringen um Olympia 2012 im Vorentscheid gescheitert. Aber München oder Köln sind im Verhältnis zu den Gastgebern 2028, Los Angeles, und 2032, Brisbane, nur einen Steinwurf entfernt. Das Wichtigste bleibt, dass Deutschland seit 1972 in München überhaupt wieder einmal Olympische Spiele austragen könnte", hebt die FREIE PRESSE aus Chemnitz hervor, mit der diese Presseschau endet.
