22. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Kommentiert werden die Ergebnisse der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Abgeordnetenhauswahl in Berlin.

Zwei Männer halten IG-Metall-Pfeifen zwischen den Lippen.
Die Politik tut nach Ansicht der IG Metall zu wenig für die Autoindustrie. (Symbolbild) (Bernd Weißbrod / dpa)
Das HANDELSBLATT schreibt dazu:
"Merz hat die Wähler getäuscht, das Vertrauen ist weg. Der Machtverfall des Kanzlers ist das Symptom einer Systemkrise, die er mit einem selbst verschuldeten Glaubwürdigkeitsverlust verstärkt hat. Und nun? Statt hinzuwerfen, muss Merz die in der Koalition vereinbarten Reformen im Arbeitsrecht und im Rentensystem durchbringen und anschließend - vielleicht schon zum Jahresende - den geordneten Übergang zu einem Nachfolger einleiten. Gelingt ihm das, könnte das Urteil über seine Kanzlerschaft im Rückblick lauten: kurz, turbulent, aber verdienstvoll."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG geht auf die Pläne der Linkspartei in Berlin ein, Wohnungsbaugesellschaften zu enteignen:
"Sollte es dazu kommen, wird das viele Jahre dauern, doch noch wichtiger ist ein anderer Punkt: Was für ein Signal sendet die Enteignung an mögliche Investoren ins Ausland, die dieses Land so dringend braucht? Diese Unsicherheit ist an den Märkten noch nicht angekommen. Das ist gut so. Denn nicht alles, was in Wahlprogrammen steht, wird auch tatsächlich umgesetzt. Nach Wahlen gilt es, klug zu entscheiden, was zu sinnvollen Kompromissen führt."
Zu den bundesweiten Demonstrationen der IG Metall schreibt die FRANKFURTER RUNDSCHAU:
"Die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer sind in einer schweren, vielschichtigen Krise. Die Aussichten sind düster: US-Zölle, neue Wettbewerber aus China, hausgemachte Probleme in den Konzernzentralen. Noch viel düsterer wäre es, wenn sich die Arbeitnehmervertreter ihrem Schicksal ergeben und den Niedergang dieser wichtigen Branche einfach hinnehmen würden. Aber das ist nicht der Fall: Die IG Metall und die Betriebsräte leisten Widerstand. In den vergangenen Jahren wurden zu viele Gewinne an die Eigentümer ausgeschüttet, die man besser in zukunftsfähige Produkte investiert hätte. Die Politik wiederum muss Leitplanken zugunsten von E-Mobilität und autonomem Fahren setzen. Dann geht es wieder aufwärts."
Die MEDIENGRUPPE BAYERN empfiehlt hingegen:
"Die IG Metall täte gut daran, statt vor den Werkstoren Druck auf die Autobauer und -zulieferer auszuüben, gemeinsam mit den Wirtschaftslenkern zu überlegen, wie sie den Standort wieder wettbewerbsfähig machen kann. Jetzt gilt es, die Privilegien, die in der Autoindustrie in den goldenen Jahren verteilt wurden, zu überdenken. Nein, damit ist nicht gemeint, alles über Bord zu werfen. Gut bezahlte Mitarbeiter sind in der Regel auch produktiver. Wenn die IG-Metall-Chefin den Konzernchefs vorwirft, den Wagen 'mit Vollgas an die Wand zu fahren', sollte sie sich fragen, welchen Anteil ihre Gewerkschaft daran hat."