25. September 2026
Die Wirtschaftspresseschau

Die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum von 0,7 Prozent auf 1,3 Prozent nach oben korrigiert. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU sieht viele Gründe:

"Die Nahost-Eskalation mit der Sperrung der Straße von Hormus hat zahlreiche Chemie-Fabriken in Asien, die auf Erdgas und Erdöl angewiesen sind, besonders heftig getroffen. Hiesige Unternehmen konnten in die Bresche springen. Schub hat die deutsche Wirtschaft zudem vom KI-Boom erhalten, der insbesondere die Exporte der Elektrobranche in andere europäische Staaten unter Strom gesetzt hat. Ein weiterer Faktor: Die Hunderte Milliarden Euro schweren Investitionsprojekte des Bundes für die Runderneuerung der Infrastruktur, die Fortschreibung der Energiewende und die Aufrüstung der Bundeswehr zeigen Wirkung. Zugleich sehen nicht nur die Forscher der fünf Institute für nächstes und übernächstes Jahr eine ziemlich holprige Strecke auf dem weiteren Weg nach oben. Immer mehr wird künftig die demografische Misere durchschlagen. Kurzfristig haben die geplanten Reformen der Bundesregierung und unter anderem steigende Zuzahlungen zur Krankenversicherung das Zeug dazu, dem privaten Konsum nach dem Jahreswechsel heftig zuzusetzen."
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG bemerkt:
Das Ärgerliche an diesem Aufschwung aber ist, dass ihn niemand spürt. Die Stimmung der privaten Verbraucher ist gedrückt. Jeder Tag mit hohen Benzin- und Energiepreisen, mit neuen Nachrichten über höhere Sozialbeiträge oder Steuern und mit einer hohen Arbeitslosigkeit belastet das Konsumklima. Auch in den privaten Unternehmen hat die Stimmung sich bisher recht selektiv verbessert. Ein Aufschwung, der private Unternehmen in großem Stil zu zusätzlichen Investitionen anregt, ist nach Prognose der Institute bis 2028 nicht zu sehen. Steigende Baugenehmigungen haben bislang nicht zu einer Erholung des Wohnungsbaus gereicht."
Angesichts der gestiegenen Konjunkturprognose sieht die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG den Bundeskanzler in der Pflicht:
"Gerade jetzt, da in Deutschland extreme Parteien immer stärker werden, schaut ganz Europa auf Berlin. Merz muss auch in Brüssel klarmachen, dass er gewillt ist, Europas Platz in der Welt zu verteidigen. Dazu zählt auch eine Industriepolitik, die ihren Namen verdient. Unternehmen, die Produkte herstellen, auf die der Weltmarkt angewiesen ist, müssen strategisch geschützt werden. Niemand auf der Welt beherrscht etwa die Herstellung von Maschinen für modernste Chips so gut wie die Firma ASML aus den Niederlanden. Und es gibt auch deutsche Firmen wie Zeiss und Trumpf, deren Technologien einzigartig sind. So krisengeplagt manche Branchen auch sind, die deutsche Wirtschaft ist noch immer durchaus robust. Nun muss der Kanzler beweisen, dass er es auch ist."