Wärmster Oktober der Messgeschichte
Copernicus: 1,5-Grad-Marke wird 2026 wohl erneut überschritten

Die weltweite Durchschnittstemperatur wird in diesem Jahr voraussichtlich zum zweiten Mal nach 2024 mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. Das erwartet der EU-Klimadienst Copernicus. Auch der Oktober war weltweit so warm wie nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

    Der verbrannte, trockene Boden ist am Pantà de Sau in Katalonien zu sehen. Der Stausee stellt eine wesentliche Quelle der Wasserversorgung Kataloniens dar.
    Der EU-Klimadienst Copernicus prognostiziert für dieses Jahr eine fast sichere Überschreitung der Marke von 1,5 Grad globaler Erwärmung. (dpa / picture alliance / Davide Bonaldo )
    Nach Angaben des EU-Klimadienstes Copernicus lag die globale Durchschnittstemperatur 1,75 Grad über dem vorindustriellen Niveau.
    Damit wurde die Marke von 1,5 Grad bereits den dritten Monat in Folge überschritten. Auch die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Meere außerhalb der Polarregionen erreichte einen neuen Höchstwert für einen Oktober.
    Copernicus geht davon aus, dass 2026 mit hoher Wahrscheinlichkeit das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Messungen wird. Wärmer war bislang nur das Rekordjahr 2024. Zugleich wäre es das zweite Kalenderjahr, in dem die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt.

    Die Bedeutung der 1,5-Grad-Marke

    Die 1,5-Grad-Marke geht auf das Pariser Klimaabkommen von 2015 zurück. Die Staatengemeinschaft vereinbarte damals, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad und deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Für dieses Ziel ist jedoch nicht die Temperatur eines einzelnen Jahres entscheidend, sondern die langfristige Entwicklung. Die Überschreitung der Marke in einzelnen Jahren bedeutet daher noch nicht, dass das Klimaziel des Pariser Abkommens endgültig verfehlt ist.
    Klimaforscher halten es allerdings für wahrscheinlich, dass die Erwärmung zeitweise auch im langfristigen Durchschnitt über 1,5 Grad steigen wird. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Overshoot. Ziel wäre es dann, die globale Erwärmung möglichst schnell wieder unter diese Schwelle zu senken.

    Extremwetter nimmt zu

    Mit jedem weiteren Zehntelgrad steigen die Risiken für Mensch und Natur. Wissenschaftler warnen vor sogenannten Kipppunkten im Klimasystem. Dabei handelt es sich um Schwellenwerte, ab denen sich Veränderungen selbst verstärken können. Wenn durch den Klimawandel etwa der Permafrostboden auftaut, wird dort das natürlich im Boden vorkommende Methan freigesetzt - ein Gas, das den Klimawandel noch mehr anheizt als CO2. Das würde also automatisch zu einem weiteren Temperaturanstieg führen, wodurch weitere Flächen des Permafrostbodens auftauen und noch mehr Methan freigesetzt würde. Wann solche Kipppunkte erreicht werden, lässt sich nicht exakt vorhersagen.
    Zu den hohen Temperaturen in diesem Jahr trägt neben dem menschengemachten Klimawandel noch zusätzlich das dieses Mal besonders stark ausfallende Wetterphänomen El Niño bei. Die Erwärmung des tropischen Pazifiks beeinflusst Wettermuster weltweit und kann die globale Durchschnittstemperatur zusätzlich erhöhen sowie für starke Unwetter und Extremwetter sorgen.
    Die Folgen der Erderwärmung zeigen sich bereits in vielen Regionen der Welt. Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Überschwemmungen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Fachleute warnen, dass Extremwetter und Naturkatastrophen mit jedem weiteren Anstieg der globalen Temperatur zunehmen.

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    Diese Nachricht wurde am 06.11.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.