Kommentar: Bundestrainer Klopp sollte Rassismus zum Thema machen

Immer wieder gibt es Fälle von Rassismus im Fußball - wie jüngst die rassistischen Online-Kommentare gegen Spieler der DFB-Elf. Umso wichtiger, dass Bundestrainer Jürgen Klopp deutlich macht: Rassisten sind keine Fans.

Von Sabine Lerche |
Abschlusstraining vor dem ersten Nations-League-Spiel gegen die Niederlande, Bundestrainer Jürgen Klopp (Deutschland) spricht mit Journalisten während des Trainings.
Toleranz mag in der Sport-Umkleidekabine gelten, doch in Online-Foren ist das nicht der Fall, meint Sabine Lerche. (picture alliance / dpa / Federico Gambarini)
Als Jürgen Klopp vor wenigen Tagen seine erste Pressekonferenz als Bundestrainer gegeben hat, trug er eine Cap mit dem Slogan „Einer von 83 Millionen“ - und er fand viele Worte dafür, wie wichtig positiver Patriotismus ist.
So ausführlich seine Botschaft dazu war, so kurz will sich der Bundestrainer beim Thema Rassismus halten. Seine Aussage, es gebe keinen Grund, sich über rassistische Menschen Gedanken zu machen, impliziert: Bei uns ist Rassismus kein Thema – und er will es auch nicht zum Thema machen. Aber Rassismus ist ein Thema.
Dann nämlich, wenn das Community-Management von Sportredaktionen rassistische Kommentare im dreistelligen Bereich löschen muss. Rassismus ist ein Thema, wenn Spieler im Stadion ausgebuht und beschimpft werden. Und, Rassismus ist auch dann ein Thema, wenn es innerhalb des DFB-Teams keine Rassismus-Vorfälle gibt. Wenn, wie Klopp sagt, die Kabine ein Bereich des Respekts, frei von Diskriminierung und ein Beispiel für großartige Zusammenarbeit ist.
Doch die Kabine ist nicht vergleichbar mit Social-Media-Kanälen, die eben kein Bereich maximaler Toleranz sind. Im Gegenteil: Verdeckt hinter Nicknames werden Ärger, Frust und Hass schnell in Worte getippt und abgeschickt. Dabei muss der Absender niemandem ins Gesicht schauen, sich nicht rechtfertigen, sich keiner direkten Gegenrede aussetzen.

Rassismus im Sport: Kein neues Phänomen

Klopp habe für solche Dummheiten keine Zeit, sagt er. Aber wer von Rassismus betroffen ist, kann sich nur schwer aussuchen, ob er dafür Zeit hat oder nicht. Die Beleidigung und Diskriminierung sind da und verlangen es, damit umgehen zu können.
Rassismus ist kein neues Phänomen, auf den Social-Media-Kanälen wird es aber zu einem immer größeren Problem. Vor 20 Jahren, als Gerald Asamoah auf dem Platz für die deutsche Nationalmannschaft gestanden hat, wurde ihm nicht nur zugejubelt. Gerade in den Liga-Spielen kamen aus den Kurven auch Anfeindungen und Hass-Rufe.
Vor 10 Jahren hat sich der Footballer Colin Kaepernick bei der amerikanischen Nationalhymne hingekniet. Ein stiller Protest gegen Rassismus, der Debatten ausgelöst hat, aber auch Inspiration war für viele Sportlerinnen und Sportler, aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Bundestrainer in der Pflicht: Haltung gegen Diskriminierung

Und heute? Immer noch und immer wieder gibt es Fälle von Rassismus im Fußball und im Sport allgemein. Umso dringender ist es, zu zeigen, dass Rassisten nicht willkommen sind. Wer Sport ohne Rassismus will, muss etwas dafür tun. Dazu gehören auch klare Statements von Bundestrainern.
Rassismus ist kein Thema, das ignoriert werden darf. Es ist ein Thema, das verlangt, darüber zu sprechen und sich aktiv dagegen zu positionieren. Denn es braucht alle: Fans, Spieler und auch Trainer, die durch ihre Worte und ihr Handeln zeigen: Rassisten sind keine Fans. Sie sind keine der 83 Millionen.