OECD
Konjunkturprognose für deutsche Wirtschaft, Euroraum und Weltwirtschaft angehoben - Kritik am "Tankrabatt"

Die Industriestaatenorganisation OECD hat ihre Konjunkturprognose für die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr heraufgesetzt. Die in Paris ansässige Organisation geht von einem Wachstum von 1,1 Prozent aus - das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als in ihrer letzten Schätzung im Juni.

    Das Logo der Organisation fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
    Die OECD hat ihren Sitz in Paris. (imago images / photothek / Thomas Trutschel / photothek.de via www.imago-images.de)
    Auch für den Euroraum und die Weltwirtschaft hob die OECD ihre Prognosen für dieses Jahr leicht an, auf 1,0 Prozent beziehungsweise 2,9 Prozent.

    Wirtschaftsausblick mit zahlreichen Risiken behaftet

    Trotz des Konflikts im Nahen und Mittleren Osten blieb das Wachstum in der ersten Jahreshälfte der OECD zufolge in vielen Ländern robust. Ölvorräte, Lieferungen von außerhalb der Golfstaaten und staatliche Unterstützungsmaßnahmen federten die Folgen demnach ab. Die OECD forderte Regierungen allerdings auf, solche Maßnahmen gezielt zu gestalten und dabei Anreize zur Verringerung des Energieverbrauchs zu geben. Eine Sprecherin der Organisation warnte zugleich vor Risiken für den Aufschwung. Eine weitere Eskalation des Konflikts würde zu höheren Energiepreisen und einem stärkeren Preisauftrieb führen. Auch gebe es wetterbedingte Risiken wie einen starken El Niño, die mit Lieferengpässen und hohen Lebensmittelkosten einhergehen könnten.

    OECD-Chefökonom: "Tankrabatt ist nicht zielgerichtet und kostspielig"

    Stefano Scarpetta, Chefökonom der OECD, sagte gegenüber der ”Süddeutschen Zeitung”, Deutschland habe zwei gute Quartale in diesem Jahr erlebt. Er verwies auf Exporte, die "stärker als erwartet" gewesen seien - wegen viel globaler Nachfrage nach Maschinen und elektrischer Ausrüstung. Aber auch hohe öffentliche und private Investitionen hätten zur guten Konjunktur in der ersten Jahreshälfte beigetragen.
    Den Tankrabatt, den das Bundeskabinett ab Oktober zum zweiten Mal in diesem Jahr einführen will, kritisierte Scarpetta derweil als "nicht zielgerichtet und kostspielig". Er halte es stattdessen für wichtig, "das Preissignal für diejenigen aufrechtzuerhalten, die etwa in ein Elektrofahrzeug investieren oder ihren Verbrauch auf andere Weise reduzieren können". An die Bundesregierung gerichtet forderte der OECD-Chefökonom, den eingeschlagenen Reformkurs fortzusetzen. Als besonders dringlich sieht Scarpetta die Verbesserung der Infrastruktur – auch der digitalen.

    Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erhöhten ebenfalls ihre Wachstumsprognose für 2026 und 2027

    Bereits gestern hatten die Nachrichtenagentur Reuters sowie das "Handelsblatt" vorab berichtet, dass die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr erhöht haben. Demzufolge wird dieses Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts auf 1,3 Prozent gerechnet. Im April waren die Ökonomen von 0,6 ⁠Prozent ⁠ausgegangen. Für das kommende Jahr liegt die Prognose nun bei 1,1 Prozent statt bisher 0,9 Prozent. Offiziell sollen die Zahlen morgen vorgestellt werden.
    Diese Nachricht wurde am 23.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.