
Die Politiker drehten sich während der Rede Wolfs im Plenarsaal geschlossen um. Wolf war der historischen Einordnung der deutschen Kolonialverbrechen als Völkermord entgegengetreten. Die AfD-Fraktion legte im Anschluss Beschwerde über das Verhalten der Linken bei der Bundestagspräsidentin Klöckner ein, die die Sitzungsleitung hatte.
Klöckner wies die Beschwerde zurück und erklärte, es sei das Recht der Abgeordneten, ihren Protest auf diese Weise auszudrücken. Es sei eine Form, die eigene Haltung zu den vorgetragenen Inhalten sichtbar zu machen. Klöckner kritisierte ihrerseits in Richtung AfD, unparlamentarisch sei es, dass man Menschen, die heute im Bundestag anwesend seien, noch nicht einmal mit Empathie begegne. Auf der Besuchertribüne hatten Namibier die Debatte verfolgt.
Vertreter Namibias fordern offizielle Entschuldigung für deutsche Kolonialverbrechen
Vertreter aus Namibia fordern eine offizielle Entschuldigung für die deutschen Kolonialverbrechen in dem afrikanischen Land. "Deutschland steht vor einer klaren Wahl: das Unrecht fortzuschreiben - oder der Menschenwürde gerecht zu werden durch die vollumfängliche Anerkennung des Völkermords an den OvaHerero und Nama und durch glaubhaftes, wiedergutmachendes Handeln", sagte Paramount Chief Mutjinde Katjiua, Oberhaupt der OvaHerero Traditional Authority, in Berlin.
Dem Bundestag lagen gestern zwei Anträge der Opposition vor, die den Blick auf Namibia richten. In der einstigen Kolonie Deutsch-Südwestafrika begingen die Deutschen zahlreiche Verbrechen. Sie gipfelten zwischen 1904 und 1908 in einem blutigen Kampf gegen die einheimischen Herero - auch OvaHerero genannt - und Nama. Der Antrag der Linken trug den Titel "Vollumfängliche Anerkennung der deutschen Völkermorde an den OvaHerero und Nama für wiedergutmachende Gerechtigkeit". Der Antrag der Grünen trug den Titel "Deutsch-namibische Versöhnung vorantreiben – Kolonialgeschichte aufarbeiten, gemeinsame Zukunft partnerschaftlich gestalten".
Beide Anträge wurde zur weiteren Beratunge an den Auswärtigen Ausschuss des Bundestags überwiesen.
Diese Nachricht wurde am 15.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
