
Nach einer aktuellen Analyse von Krankenkassendaten, die im Fachjournal "Deutsches Ärzteblatt International" erschienen ist, erhielten nur gut ein Prozent der stationär Behandelten diese offizielle Diagnose. Fachleute schätzen den tatsächlichen Anteil der Betroffenen in Kliniken dagegen auf bis zu 30 Prozent. Bei vielen Erkrankungen kann der Körper weniger Nahrung zu sich nehmen oder über den Darm aufnehmen, zum Beispiel bei Entzündungen oder bei Krebs. Der Analyse zufolge liegt die Sterblichkeit bei einer unerkannten Mangelernährung doppelt so hoch und die jährlichen Gesundheitskosten pro Person erhöhen sich um mehr als 4.000 Euro.
Bis Ende 2027 soll der Gemeinsame Bundesausschuss eine bundesweite Richtlinie vorlegen, die die Erkennung und Behandlung von Mangelernährung in Krankenhäusern regelt. Der Tübinger Ernährungsmediziner Michael Adolph sagte, er erwarte von dieseer Richtlinie vor allem, dass sie nicht bei der Forderung nach einem Screening stehen bleibe, sondern einen vollständigen Versorgungspfad beschreibe. Die Ernährungsmedizinerin Kristina Norman von der Charité Berlin betonte, die bekanntesten Hürden seien Zeitmangel durch die hohe Dokumentationslast. Aber auch unzureichende Schulung und eine geringe Priorisierung von Ernährungsfragen gegenüber anderen medizinischen Problemen spielten eine Rolle.
Diese Nachricht wurde am 19.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
