Indischer Ozean
Kein Deal wegen Trump? Woran die Rückgabe der britisch kontrollierten Chagos-Inseln an Mauritius derzeit scheitert

Der Streit um die mögliche Rückgabe der Chagos-Inseln von Großbritannien an die Republik Mauritius hat eine neue Wendung genommen. Die britische Regierung macht nach Kritik von US-Präsident Trump einen Rückzieher - und will das Archipel im Indischen Ozean vorerst doch nicht zurückgeben. Ein Überblick.

    Das Satellitenbild zeigt eine Inselgruppe im Indischen Ozean.
    Die Inselgruppe liegt etwa 500 Kilometer südlich der Malediven. (dpa / picture-alliance / US Dept. Of Defense)
    Der britische Verteidigungsminister Streeting sagte der BBC, in seiner jetzigen Form könne die Vereinbarung mit der früheren Kolonie nicht umgesetzt werden. Zur Begründung führte Streeting mangelnde Unterstützung der USA an. Ohne die Vereinigten Staaten könne das Abkommen nicht in Kraft treten. US-Präsident Trump hatte den Vertrag zunächst abgesegnet, später aber seine Meinung geändert. Am Rande der UNO-Vollversammlung in New York kritisierte er die geplante Rückgabe erneut scharf und bezeichnete sie als "fürchterlich".

    Abkommen lag schon vor

    2024 hatte die britsche Regierung grundsätzlich angekündigt, die Souveränität über die Chagos-Inseln an Mauritius zu übergeben. Im vergangenen Jahr wurde ein entsprechender Vertrag unterzeichnet. Das Abkommen sah vor, dass die größte Insel Diego Garcia, auf der Großbritannien und die USA eine gemeinsame Luftwaffenbasis betreiben, noch mindestens 99 Jahre unter britischer Kontrolle bleiben soll. Dafür sollten die Briten über die Jahre eine Milliardensumme an Mauritius zahlen. Der Luftwaffenstützpunkt gilt als strategisch bedeutsam für US-Militäraktionen in der Region, aber auch im Hinblick auf die Ambitionen Chinas, seinen Einfluss dort auszubauen. 

    Ein brüchiges Abkommen

    Im April hatte die britische Regierung ihr Chagos-Abkommen schon einmal auf den Prüfstand gestellt - ebenfalls nach Kritik von US-Präsident Trump. Wie der britische "Telegraph" berichtet, erwog die US-Regierung zu diesem Zeitpunkt den Kauf der Chagos-Inseln von Mauritius, um sich selbst die Kontrolle über den Militärstützpunkt Diego Garcia ⁠zu sichern. ⁠Dies sei eine von mehreren Optionen, um zu verhindern, dass Großbritannien die Souveränität über die Inselgruppe an Mauritius abtrete, hieß es aus dem Weißen Haus. Ein Sprecher der britischen Regierung erklärte daraufhin, man habe eine Situation vorgefunden, in der die britische Kontrolle über die Militärbasis bedroht ​gewesen sei. Es habe Handlungsbedarf bestanden, um nationale Interessen zu schützen.
    Der Chagos-Archipel wird bereits seit Jahrzehnten von Mauritius beansprucht. Er wurde 1965 von der früheren britischen Kolonie abgespalten, drei Jahre vor der Unabhängigkeit des Inselstaates im Indischen Ozean. Die Einwohner wurden damals zwangsweise umgesiedelt, größtenteils nach Mauritius. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag und auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen unterstützen den Anspruch von Mauritius auf den Chagos-Archipel.

    Burnham will an Lösung arbeiten

    Wie es nun weitergeht, ist offen. Der britische Premierminister Burnham betonte in New York lediglich, seine Regierung werde hart arbeiten, um eine Lösung zu finden, die für die verschiedenen Seiten akzeptabel sei. Verteidigungsminister Streeting sprach von mühseligen neuen Verhandlungen mit US-Präsident Trump, auf die man sich nun verständigen müsse. Ein Datum, wann die Übergabe der Souveränität der Inseln vollzogen werden sollte, war auch im Abkommen bislang nicht genannt worden. Nun könnte sich dies womöglich noch Jahre hinziehen - falls es überhaupt dazu kommt.

    Weiterführende Informationen

    Chagos-Archipel: Großbritanniens letzte Kolonie in Afrika
    Diese Nachricht wurde am 24.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.