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StartseiteUmwelt und VerbraucherSparsamen Umgang mit Rohstoffen fördern11.11.2014

Europäisches Ressourcen ForumSparsamen Umgang mit Rohstoffen fördern

Viele Rohstoffe werden immer knapper, denn es wird zu viel verbraucht. Doch es gibt Möglichkeiten die Rohstoffnutzung zu verbessern. Deutschland ist bei der Ressourceneffektivität schon relativ weit. In Berlin beraten Unternehmen und Politik bei einem europäischen und nationalen Ressourcenforum auch über den wirtschaftlichen Nutzen.

Von Anja Nehls

Eisenerzbergbau in Tom Price, Westaustralien (picture alliance / Hinrich Bäsemann)
Noch gibt es Rohstoffreiche Ecken, wie hier im Eisenerzbergbau in Westaustralien. (picture alliance / Hinrich Bäsemann)
Weiterführende Information

Rohstoff Altholz - Wiederverwertung steckt noch in den Kinderschuhen
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 06.08.2014)

Rohstoff-Sparten - Gold verliert an Glanz
(Deutschlandfunk, Wirtschaft und Gesellschaft, 30.12.2013)

Rohstoff-Roulette
(Deutschlandfunk, Das Feature, 12.02.2013)

Neun Milliarden Menschen werden voraussichtlich im Jahr 2050 auf der Erde leben - und von der Erde leben. Das heißt die Erde bietet Boden, wie Ackerland, Wasser, Wald, Rohstoffe wie Metalle, Energie, Erdöl, Gas und vieles mehr, dass die Menschen für Leben und Wohlstand brauchen. Und sie verbrauchen viel zu viel, warnt Umweltministerin Barbara Hendricks:

"Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Rohstoffeinsatz weltweit verdoppelt. Und Prognosen zufolge werden wir Mitte des Jahrhunderts drei Erden an natürlichen Ressourcen verbrauchen, wenn wir nicht radikal gegensteuern. Und dass wir keine drei Erden haben ist jedermann bewusst."

Es muss also dringend etwas geschehen, sagt die Umweltministerin und hebt zusammen mit der Europäischen Kommission die wirtschaftliche Bedeutung vom möglichst effizienten Umgang mit Ressourcen hervor. Im verarbeitenden Gewerbe sind nämlich schon heute im Durchschnitt 45 Prozent der Kosten Materialkosten, nur unter 20 Prozent Personalkosten und zwei Prozent Energiekosten. Die Materialkosten schnellen immer weiter in die Höhe, weil die meisten Rohstoffe immer knapper werden. Beispiel: Das High Tech Metall Neodym, das zum Beispiel beim Bau von Windrädern und in Laptops verwendet wird. Der Preis für Neodym ist in nur sieben Jahren um das 28-fache gestiegen. Ähnliches gilt für Rohöl, seltene Erden oder andere Metalle. Umso wichtiger ist es, noch viel stärker als bisher, Abfälle wiederzuverwerten und als Rohstoffe zu begreifen, betont Karl Falkenberg von der Europäischen Kommission:

"Aus einer Tonne getrennt eingesammelten Elektrik- und Elektronikmüll, können wir heute 350 Gramm Gold zurückgewinnen, reines Gold in einer Qualität, das sie auch in einer südafrikanischen Goldmine nicht besser herstellen können."

Deutschland ist in Sachen Ressourceneffektivität schon relativ weit. Im Vergleich zu 1994 werden 14 Prozent weniger Rohstoffe bei der Produktion verbraucht. Das reicht aber noch lange nicht, sagt die Umweltministerin. Deshalb wurde 2012 das Ressourceneffizienzprogramm Progress ins Leben gerufen. Es setzt auf Marktanreize, Information und Forschung und freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft in deren eigenem Interesse.

Rohstoffe intelligenter ausnutzen

200.000 Euro pro Jahr und Unternehmen könnten nämlich eingespart werden, wenn man Rohstoffe intelligenter ausnutzt, hat die Deutsche Materialeffizienzagentur ausgerechnet. Beispiele: Der Stahlbetonbohrer der Firma Hilti, für dessen Produktion 30 Prozent weniger Stahl benötigt wird, weil er mittels Kaltumformung hergestellt wird und kein Abfall anfällt. Oder die Firma Tital, die bei Titanteilen im Flugzeugbau 70 Prozent Titan einspart, weil die Teile durch ein Gießverfahren hergestellt werden. Das Umweltinnovationsprogramm des Umweltministeriums fördert solche Projekte. Außerdem gibt es in Deutschland das Umweltkennzeichen Blauer Engel als freiwillige Kennzeichnung der Hersteller für umweltverträglich hergestellte Produkte. Und es gibt die europäische Ökodesignrichtlinie, in der für bestimmte Produktgruppen wie Fernseher oder Klimageräte, Standrads zum Beispiel für den Stromverbrauch festgelegt werden. Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, wünscht sich aber für ressourcenschonende Produkte noch mehr:

"Sie sollten so gestaltet sein, dass sie repariert werden können, dass sie zerlegbar sind, dass man sie am Ende ihrer Nutzung auch wieder verwenden kann, wieder recyceln kann. Das ist eigentlich eine sehr schlichte Botschaft, aber nicht immer so einfach in der Umsetzung, wie man bei den Handys oder Mobiltelefonen ja sieht."

Jeder, der versucht hat bei einem iPhone den Akku zu wechseln, weiß was gemeint ist. Und wenn am Auto eine Lampe kaputt ist, wird nicht selten die ganze Vorderfront ausgetauscht.

Verbindlich geregelt ist so etwas bei uns allerdings nicht. Frankreich will jetzt gesetzlich gegen Hersteller vorgehen, die die Lebensdauer ihrer Produkte absichtlich verkürzen. Das kann sich die deutsche Umweltministerin nicht vorstellen und setzt auf freiwillige Initiativen und den Druck der Verbraucher.

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