Donnerstag, 23.11.2017
Startseite@mediasres"Liebesbrief" an die FAZ-KollegInnen21.08.2017

"Staatsrundfunk""Liebesbrief" an die FAZ-KollegInnen

Natürlich darf die FAZ den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kritisieren, aber das Deutschlandradio als "staatlichen Rundfunk" oder "Staatssender" zu beschreiben, geht Dlf-Autorin Brigitte Baetz etwas zu weit. Ein gut gemeinter Aufklärungsbrief an die bürgerlichen KollegInnen von der Zeitung.

Von Brigitte Baetz

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(Stefan Koldehoff)
Steckt dahinter immer ein kluger Kopf? (Stefan Koldehoff)
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Artikel in der F.A.S. ARD und ZDF wollen höhere Gebühren

Liebe Kollegen von der FAZ,

wir schreiben Euch heute einen Brief, weil wir uns Sorgen machen - und wie Ihr wisst, lassen sich persönliche, heikle Themen manchmal besser schriftlich ansprechen.

Also: Was ist eigentlich bei Euch los?

Immer wieder druckt Ihr dieses böse Wort vom Staatsrundfunk. Wo es doch in Deutschland seit dem Fall der Mauer gar keinen mehr gibt. Denn - glaubt es oder nicht - der Rundfunk ist in unserem demokratischen Land staatsfern organisiert. Das will die Verfassung so - und die Richter am Bundesverfassungsgericht erst Recht. Und irgendwie verstehen wir nicht, warum Ihr das nicht versteht.

Redakteure bekommen keinen Dienstwagen

Denn hinter Eurer Zeitung steckt doch immer ein kluger Kopf, das wissen wir aus der Werbung. Sollte damit wirklich nur Euer idealer und ideeller Leser gemeint sein?

Klar: Wir wissen, es geht Euch nicht gut. Innerhalb der letzten sieben Jahre sind Euch über 120.000 Leser verloren gegangen. Und Eurer kleinen Schwester FAS auch. Das ist zweimal die Einwohnerschaft Heidelbergs. Das ist bitter und das kränkt. Gerade, weil Ihr, die Redakteure, seit der ersten von inzwischen vielen Sparrunden ja auch keine Dienstwagen mehr fahren dürft. Wo ihr doch selbst einmal im Jahr in Euren Blättern schreibt, wie wichtig so ein Dienstwagen im Berufsleben ist - hier aus einem Artikel von 2015:  "Zeige mir Deinen Dienstwagen und ich sage Dir, wie wichtig Du in Deinem Unternehmen bist".

Aber wir als Mitarbeiter des Staats… äh, nein:  des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wissen: so ein Dienstwagen ist gar nicht so wichtig. Jeder Journalist sollte selbst wissen, was er wert ist, wenn er gute Arbeit macht. Unsere Redakteure hatten nie Dienstwagen und das war auch gut so. Journalisten sind nämlich nicht "bedeutender" als die Menschen für die oder über die sie berichten. Auch nicht unbedingt "höherstehender" als die, die sie dann als Lügenpresse beschimpfen oder als Sklaven Angela Merkels oder als Systemjournalisten, die von einer korrupten Politikerkaste abhängig sind. Diese Leute wissen es manchmal nicht besser. Ihr aber schon. Ihr solltet wissen - und ehrlich gesagt: wir sind ganz sicher, dass Ihr es auch wisst - dass es keinen Staatsrundfunk gibt und auch keine Zwangsgebühren, noch so ein Wort, das uns bei der Lektüre von FAZ und FAS immer mal wieder begegnet und das zu einer Zeitung von Eurem bürgerlichen Ruf so überhaupt nicht passt. Gestern schriebt Ihr sogar, ARD, ZDF und Deutschlandradio forderten ein Ansteigen der Rundfunkgebühren auf 21 Euro. Doch das, sagt ARD-Sprecher Grimberg, ist frei erfunden.

Es ist genug Platz für alle Redaktionen da

Natürlich haben wir mehr Geld als Ihr. Aber diese finanzielle Sicherheit ist, im Grundsatz natürlich, nicht in der Höhe, so von der Verfassung gewollt. Sie ist eine Marktverzerrung, zugegeben - aber eine, die sich dieses Land leistet, um eine Grundversorgung an Information sicher zu stellen. Und auch wir müssen sparen, am Programm und an den Mitarbeitern. Doch: Ginge es uns schlecht, es ginge Euch dadurch nicht besser und ihr hättet vermutlich keinen einzigen Abonnenten mehr. 

Glaubt uns: wir wissen, was wir an Euch haben - an Eurer täglichen Dosis von Information und Einordnung, ohne die unser Land ärmer wäre. Nur: die Sache mit dem Staatsrundfunk, die solltet Ihr mal überdenken.

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