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Abfall vermeiden und Geld sparen

Jeder muss sie zahlen, doch kaum jemand macht sich wirklich Gedanken darüber, wie ihre Höhe zustande kommt: die Gebühren für den Hausmüll. Was in der grauen Restabfall-Tonne übrig bleibt, muss abgeholt und entsorgt werden - und dafür bezahlen die Deutschen Preise, die im Jahr teilweise mehrere hundert Euro auseinanderliegen. Wie aber funktioniert das Geschäft mit dem Hausmüll?

Von Frank Überall | 11.10.2007
    Für die Einsammlung und Entsorgung des Hausmülls sind die Kommunen zuständig. Hausbesitzer müssen die Müllgebühren direkt an die Stadt- oder Gemeindeverwaltung überweisen, bei Mietern sind sie in den Nebenkosten enthalten. Die Kommunen müssen sich dann um die Entsorgung des Mülls kümmern, was oft in eigenen Anlagen gemacht wird. Manche aber beauftragten private Entsorgungsunternehmer mit diesem Müll-Geschäft oder gründen mit ihnen gemeinsam Tochterfirmen für die Abfallentsorgung.

    Und weil seit einiger Zeit aus Umweltgründen kein Hausmüll mehr auf Deponien gekippt werden darf, haben vor allem die Verbrennungsanlagen Hochkonjunktur. Damit wiederum lässt sich viel Geld verdienen: Denn es gibt viel mehr Gewerbemüll als Hausmüll. Das, was die Bürger für die Verbrennung ihres Restabfalls bezahlen müssen, ist deutlich mehr als das, was die Unternehmen die Entsorgung ihres Abfalls kostet. Die Folge: Längst läuft ein wahrer Wettlauf um unseren Müll, und es werden immer mehr Verbrennungsanlagen gebaut. Zu viele, meinen Experten, denn schon heute gibt es in vielen Anlagen deutliche Überkapazitäten. Professor Michael Braungart von der Universität Lüneburg befürchtet zunehmende Müllimporte nach Deutschland:

    "Das bedeutet, wird werden praktisch zum Müll-Staubsauger für die ganze Erde werden, dabei. Weil wir ja diese Müllmenge gar nicht selber haben. Das heißt, für die jetzigen Müllverbrennungsanlagen gibt es jetzt schon Überkapazitäten. Das heißt, wir werden praktisch wie ein großer Staubsauger den Müll in der ganzen Welt zusammen saugen, um ihn in Deutschland zu verbrennen"

    Je nachdem, wie die Abholung dieses Abfalls organisiert ist, wie er sortiert wird und wo er verbrannt wird, ist die Höhe der Müllgebühren in der Bundesrepublik äußerst unterschiedlich. Meistens fließen auch die Kosten für Sperrmüll und für den öffentlichen Straßenkehricht in die Berechnung ein. Zwischen etwa 70 und 500 Euro kann der Jahrespreis für die Leerung einer Hausmülltonne schwanken. Harald Schledorn vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen:

    "Von gleichartigen Lebensverhältnissen kann überhaupt keine Rede sein im Bereich der Abfallgebühren. Es gibt enorme Unterschiede. Es können mehrere Hundert Euro sein für gleiche, identische Abfall-Entsorgungsleistungen, die die Städte und Gemeinden anbieten."

    In den meisten Bundesländern funktioniert es so wie an Rhein und Ruhr: Jede einzelne der fast 400 Kommunen in NRW legt die Müllgebühren in einem aufwändigen Verfahren selbst fest. In Niedersachsen oder Baden-Württemberg dagegen haben sich die Städte und Gemeinden eines Kreises zusammen getan, um die Gebühren einheitlich zu gestalten. Experten halten das für gerechter, damit es keine allzu großen Schwankungen bei diesen Abgaben gibt. Unter den Kommunalpolitikern, die über die Organisation der Müllabfuhr jeweils vor Ort zu entscheiden haben, gibt es derzeit aber eine große Verunsicherung über den richtigen Weg. Einige Fachleute sagen, die Kommunen sollten die Hausmüll-Entsorgung auf jeden Fall selbst in die Hand nehmen - das sei am günstigsten. Andere wie Harald Schledorn vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen meinen, dass nur der Wettbewerb wirklich niedrige Preise garantiere:

    "Wir können ganz eindeutig belegen, dass die Kommunen, die ihre Abfuhrverträge im Bereich der Hausmüll-Entsorgung EU-weit ausschreiben und dann auf einen privaten, heißt: mittelständischen Entsorger übertragen, doch deutliche Kostenvorteile haben. Die sie dann auch weiter gegeben haben an den Abfallgebührenzahler. Also ganz konkret: Wir können Kommunen benennen, die weit über 20 Prozent Rückgang bei den Abfallgebühren-Belastungen erzielen konnten für ihre Bürger."

    Eine Senkung der Müllgebühren in großem Umfang ist allerdings in Zukunft nicht zu erwarten. Denn die Verbrennung des Hausmülls in Deutschland bleibt deutlich teurer als die Entsorgung des Abfalls von Unternehmen in ein und derselben Anlage. Der Grund: Private Haushalte müssen ihren Müll von den Kommunen entsorgen lassen. Unternehmen dagegen dürfen auch zu privaten Anbietern wechseln. Deswegen bekommen sie Vorzugspreise.