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Abgas-Skandal
VW will kostenlos nachbessern

Volkswagen hat angekündigt, die von den Abgas-Manipulationen betroffenen Autos kostenfrei umzurüsten. Währenddessen wächst der juristische Druck auf den Autobauer: In mehreren Ländern wollen Kunden und Behörden gegen den Konzern vorgehen. Die USA und die EU wollen Abgastests in Zukunft verschärfen.

26.09.2015
    An einem alten Volkswagen (Golf) ist am 23.09.2015 auf einem Schrottplatz in Wiesbaden (Hessen) das Logo des Autokonzerns verwittert.
    VW will die Maßnahmen zur Nachbesserung innerhalb der nächsten Wochen vorstellen. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
    Die Umrüstung der Diesel-Fahrzeuge soll im Rahmen einer kostenlosen Rückrufaktion erfolgen, sagte ein VW-Sprecher. Dabei werde es beispielsweise um ein Software-Update gehen. Die elf Millionen Fahrzeuge mit der manipulierten Abgas-Software seien identifiziert, nun müssten die Fahrzeugnummern ermittelt werden, um die Kunden kontaktieren zu können. Das Unternehmen habe sich einen Zeithorizont von wenigen Wochen gesetzt, in dem die Maßnahmen vorgestellt werden sollen. "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden", hatte VW-Markenchef Herbert Diess am Freitag angekündigt.
    Eine Rückrufaktion war von mehreren Seiten gefordert worden: Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sören Bartol sagte der Bild-Zeitung, der Konzern müsse mit einer freiwilligen und kostenfreien Rückrufaktion verloren gegangenes Vertrauen wieder gutmachen. Auch die Deutsche Umwelthilfe forderte transparente Aufklärung. Ihr Geschäftsführer Jürgen Resch sagte: "VW wird den Abgas-Skandal nur überstehen wenn der Konzern alle Manipulationen veröffentlicht und alle betroffenen Fahrzeuge zurückruft und umweltgerecht umrüstet." Die frühere Verbraucherschutzministern Renate Künast (Grüne) forderte die Bundesregierung dazu auf, den Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu helfen. Es solle Entschädigungsangebote des Konzerns für die Kunden geben.
    Ermittlungen wegen Betrugs in Frankreich
    Währenddessen wollen die USA und die EU die Abgastests in Zukunft verschärfen. Die US-Umweltbehörde EPA teilte in einem Schreiben an Autohersteller mit, Autos sollten nicht nur wie bisher im Labor getestet werden, sondern auch im normalen Betrieb. Die EU will ab Januar 2016 neue Emissionstests einführen, die Autos im Straßenverkehr überprüfen. Umgesetzt werden sollen sie von den Mitgliedsstaaten. EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska sagte: "Unsere Botschaft ist klar: strenge Befolgung der EU-Regeln und null Toleranz bei Betrug." Umweltministerin Barbara Hendricks (CDU) sagte dem Handelsblatt: "Wir arbeiten derzeit in Brüssel an neuen, ehrlichen Messverfahren. Wir dürfen uns nicht nur auf Tests im Labor verlassen."
    Auch juristisch wächst der Druck auf VW: In den USA läuft neben den strafrechtlichen Ermittlungen des Justizministeriums auch eine Untersuchung der Umweltbehörde des Bundesstaates Kalifornien. Gleichzeitig drohen dem Konzern eine Reihe Sammelklagen von Kunden. In Braunschweig leitete die Staatsanwaltschaft eine Voruntersuchung ein, bei der mehrere Anzeigen gegen Volkswagen geprüft werden. In Frankreich laufen Ermittlungen wegen Betrugs. Die EU-Kommission forderte ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, entsprechende Untersuchungen einzuleiten.
    Gestern hatte der Konzern Details zu den manipulierten Abgas-Systemen veröffentlicht. Demnach stammen von weltweit elf Millionen betroffenen Fahrzeugen rund fünf Millionen allein von der Marke VW. In Deutschland sind 2,8 Millionen Autos betroffen.
    (cvo/ach)