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Abi All inklusive

Kartoffelsalat und Papiertischdecken - das war gestern. Wer heute das Abitur bestanden hat, will das Geschaffte gebührend feiern - und zwar möglichst luxuriös, samt Abendkleid und Anzug. Immer mehr Abiturjahrgänge lassen sich das rauschende Fest deshalb von Eventagenturen planen.

Von Stephanie Kowalewski | 20.06.2011

    Noch fehlen zwar die lezten Ergebnisse aus den Abiprüfungen, aber das passende Kleid für den großen Abiball hängt bereits im Schrank, sagt die 19-jährige Ina Mauntel aus Korschenbroich.

    "Es ist ein Anlass, bei dem etwas Großes gefeiert wird, es wird das Abitur gefeiert. Und ich finde, da kann man schon sagen, dass es etwas pompöser zugehen darf."

    Ihr Abiball steigt in zwei Wochen, samt DJ, professioneller Liveband und rotem Teppich – das alles haben sie selbst organsiert. Den Ballabend selber wollen die Mitglieder des Abikomitees jedoch in vollen Zügen genießen – und zwar ohne sich um den Aufbau des Buffets oder den Einlass der gut 500 Gäste kümmern zu müssen.

    "Und dann haben wir gesagt, okay, wir nehmen das 'Abikonzept' und geben an diesem Abend die Verantwortung ab und hoffen, dass wir dann den Abend genießen können."

    "Abikonzept" ist eine der neuen Eventagenturen, die sich auf das Geschäft rund um den Abiball spezialisiert haben. Sie profitieren von dem Trend, der aus Amerika an deutsche Gymnasien schwappt, den letzten Schultag mit pompöse Bällen zu zelebrieren. Eventmanagerin Frederike Szary hat die Agentur vor knapp einem Jahr gemeinsam mit zwei Freundinnen gegründet. Sie bieten den Schülern so ziemich alles, was sie für ihren großen Abend wünschen:

    "Das fängt an mit dem einfachen DJ, den wir auch vermitteln können für den Abiball, und geht bis zum Rundum-Sorglos-Paket, heißt den Abiball inklusive Raumbuchung, Buffett, Band, roter Teppich, Blumengesteck et cetera. Und natürlich noch zusätzlich Hilfe beim Druck der T-Shirts, beim Druck der Abizeitung und bei den Abipartys."

    Tobias Weber-Czekalla und seine Mitschüler der Gesamtschule Rheydt-Mülfort haben sich für ihren großen Abend, der erst 2013 über die Bühne gehen wird, schon jetzt das Rundum-Sorglos-Paket gesichert. Sie wollen feiern, nicht arbeiten, sagt er:

    "Ich bin da ein wenig vorbelastet, ich habe unsere Feier im zehnten Jahrgang organisiert und ich muss sagen, es war sehr viel Arbeit. Die Arbeit lastete auf einer Mitschülerin und mir, und wir hatten vom Abend relativ wenig."
    Außerdem müssten sie sich ja auch auf ihre Abiturprüfungen konzentrieren, da bliebe eben wenig Zeit, um sich durch das Kleingedruckte von Verträgen zu quälen und einen extravaganten Ballabend zu organsieren. Das alles übernimmt jetzt Frederike Szary von "Abikonzept" für die Schüler:

    "Wenn man das in professionelle Hände gibt, hat man zwei Vorteile. Einmal haben diese professionellen Hände natürlich Kontakte, die sie nutzen können, um irgendwas günstiger zu machen. Andererseits ist die Qualität auch meistens höher, weil die wirklich wissen, was sie da bestellen, wenn es ums Catering geht, um eine spezielle Technik et cetera."

    Das alles hat natürlich seinen Preis:

    "Wenn man so einen Abiball für 500 Personen plant, dann sollte man schon - je nach Raum und Catering - mit 20.000 bis 30.000 Euro rechnen."

    Wer wie Ina Mauntel in der Schulaula und nicht in einer coolen Location feiert, und auch Teile des Buffets selbst dazusteuert kommt mit spürbar weniger Geld aus:

    "Wir bewegen uns mit unserem Abiball so bei 16.000 - 17.000 Euro."
    Dennoch: die meisten Eltern, die das luxuriöse Fest ja letztlich zahlen, sind von den Preisen offenbar nicht abgeschreckt, denn die Zahl der professionell organsierten Abschlusspartys steigt bundesweit. Und schon gibt es erste Skandale. So hat sich in Berlin die Agentur "Easy Abi" plötzlich aus dem Staub gemacht - samt dem Geld von mehr als 15 Abistufen. Die Schüler hatten teilweise bereits mehr als 40.000 Euro für ihren Abiball bezahlt, der nun wohl ins Wasser fallen wird. Ein Skandal, meint Frederike Szary. Die Eventmanagerin empfiehlt den Schülern, genau hinzuschauen, wem sie die Organsiation ihres großen Festes anvertrauen:

    "Wir halten zum Beispiel einen sehr engen Kontakt zu all unseren Schülern, die können jederzeit Verträge sehen, bei uns wird Geld wirklich erst fällig, wenn wir zum Beispiel die Raummiete überweisen müssen. Wir würden niemals von Schülern verlangen, monatelang im Voraus einen großen Betrag an Geld an uns zu überweisen."

    Eine Arbeitsweise, die Tobias Weber-Czekalla und seine Schulkameraden beruhigt. Sie sind überzeugt, dass ihr Abiball ein wirklich krönender Abschluss ihrer Schulzeit werden wird:

    "Das ist das erste mal im Leben, wo wir selber etwas wirklich Großes erreicht haben, wo wir uns toll fühlen, stolz sind. Und wo man sich auch einen gewissen Luxus gönnen will und meiner Ansicht nach auch gönnen darf."