"Return Hubs"
Abschiebezentren für Migranten außerhalb der EU: Was Deutschland und andere Länder planen

Deutschland und weitere EU-Länder treiben die umstrittenen Pläne für Abschiebezentren für abgelehnte Asylbewerber außerhalb der Europäischen Union voran. Noch in diesem Jahr soll eine Vereinbarung mit einem Partnerland getroffen werden. Die Pläne im Überblick.

    Frontex-Küstenwachtboot am Dock mit orangefarbenem Schlauchboot, auf dem Bundespolizei steht (Griechenland, 14.06.2025)
    Ein Frontex-Küstenwachenboot in Griechenland (picture alliance / imageBROKER | Ralf Adler)

    Was sind Abschiebezentren?

    In Abschiebezentren, sogenannten "return hubs" in Drittstaaten außerhalb der EU sollen Asylbewerber untergebracht werden, deren Anträge in der EU abgelehnt wurden, die aber nicht in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden können. Voraussetzung ist ein Abkommen zwischen einem oder mehreren EU-Ländern mit einem Drittland, das solche Abschiebezentren einrichtet. 
    Grundlage für solche Zentren ist die EU-Rückführungsverordnung, auf die sich Unterhändler von EU-Parlament und Mitgliedstaaten im Juni geeinigt hatten. Das Partnerland muss dabei "die internationalen Menschenrechtsstandards und -grundsätze im Einklang mit dem Völkerrecht" achten. Die EU-Verordnung ist Teil einer verschärften Migrationspolitik der Europäischen Union.

    Ist das rechtlich zulässig?

    Die Frage nach der Rechtmäßigkeit der Pläne ist noch nicht abschließend geklärt. Ein juristisches Gutachten am Europäischen Gerichtshof vom April kam zu dem Ergebnis, dass zumindest die umstrittenen italienischen Abschiebezentren in Albanien nicht gegen EU-Recht verstoßen. Grundsätzlich verbiete es den Mitgliedstaaten nicht, solche Zentren außerhalb ihres Territoriums einzurichten. Voraussetzung sei jedoch, dass die Menschen dort weiter juristischen Beistand und sprachliche Unterstützung bekommen sowie Kontakt mit ihrer Familie und den zuständigen Behörden halten können. Die europäischen Richter orientieren sich oft an solchen Gutachten. 

    Welche europäischen Länder planen Abschiebezentren außerhalb der EU?

    Deutschland führt gemeinsam mit Dänemark, den Niederlanden, Österreich und Griechenland Gespräche mit Ländern insbesondere in Afrika zur Einrichtung von Abschiebezentren. Italien hat bereits Abschiebezentren in Albanien eingerichtet.
    Andere EU-Staaten wie Frankreich planen keine Abschiebezentren in Drittländern. "Ich glaube, dass das weder wirksam ist, noch unseren Prinzipien entspricht", sagte der französische Präsident Macron im Juni.
    In Großbritannien strich die Regierung des damaligen Labour-Premierministers Starmer 2024 eine vergleichbare Regelung, nachdem diese vom Obersten Gerichtshof als "illegal" eingeordnet worden war. 2022 hatte die Regierung des konservativen Premiers Boris Johnson ein Abkommen mit Ruanda darüber geschlossen, Migranten ohne Papiere aufzunehmen, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen waren.

    In welchen Ländern könnte es Abschiebezentren geben?

    Ende August bestätigte die ruandische Regierung Gespräche von Vertretern Deutschlands und weiterer europäischer Staaten über die Einrichtung von Abschiebezentren. Medienberichten zufolge äußerte auch Italien Interesse an einem Abkommen mit Ruanda. Im Gespräch ist unter anderem das Transitzentrum in Gashora etwa 60 Kilometer von der Hauptstadt Kigali entfernt. Dort wurden seit 2019 in Libyen gestrandete Migranten aufgenommen.
    Anfang 2025 hatte das Bundesentwicklungsministerium geplante Regierungskonsultationen mit Ruanda abgesagt. Hintergrund war der von Ruanda unterstützte Vorstoß der M23-Miliz zur Eroberung der Stadt Goma in der Demokratischen Republik Kongo.
    Insgesamt fassten EU-Mitgliedstaaten ein Dutzend Länder als potenzielle Partner für Abschiebezentren ins Auge, wie es Anfang April aus informierten Kreisen hieß. Im Gespräch für eine Zusammenarbeit waren demnach neben Ruanda die afrikanischen Länder Uganda, Ghana, Senegal, Tunesien, Libyen, Mauretanien, Ägypten und Äthiopien, darüber hinaus auch Usbekistan, Armenien und der Balkan-Staat Montenegro. Die niederländische Rechtsaußen-Regierung prüfte laut einem Medienbericht in der Vergangenheit, abgelehnte Asylbewerber nach Uganda zu schicken. 

    Welche Kritik gibt es?

    Menschenrechtsorganisationen und Kirchenverbände warnen vor einer "Kriminalisierung der Migration". Es wirke so, als ob die EU-Verordnung den "Einsatz von Haft in gefängnisähnlichen Einrichtungen außerhalb des EU-Gebiets" normalisiere, kritisierte etwa Marta Welander vom International Rescue Committee (IRC). Menschen würden womöglich in Länder abgeschoben, wo ihnen "Verfolgung, Folter oder Schlimmeres" drohten. 
    Die Caritas erklärte, Betroffene könnten durch "willkürliche und unbefristete Inhaftierung" in einer "rechtlichen Grauzone" verbleiben. Die Kinderschutzorganisation Save the Children erklärte, die geplanten Rückführungszentren seien "Orte der Unsicherheit und bergen die Gefahr massiver Kinderrechtsverletzungen". 
    Bereits die Bundesregierung von Bundeskanzler Scholz (SPD) hatte Drittstaaten-Regelungen für die Aufnahme von Migranten prüfen lassen. Nach Angaben des damals SPD-geführten Bundesinnenministeriums vom Juli 2024 verwiesen Fachleute auf die "enormen Kosten" im Vergleich zur Unterbringung von Flüchtlingen im eigenen Land.

    Wie geht es weiter?

    Ein nächstes Treffen der beteiligten EU-Länder zu Abschiebezentren ist nach den Worten von Bundesinnenminister Dobrindt Ende September in München geplant, "weil wir mit einer sehr hohen Schlagzahl auch dieses Thema 'Return Hubs' erreichen wollen". 
    Dänemark will nach der bis zum Jahreswechsel geplanten Grundsatzeinigung abgelehnte Asylbewerber ab Ende 2027 in Abschiebezentren außerhalb Europas schicken, wie Migrationsminister Bödskov in Kopenhagen bekannt gab.
    Diese Nachricht wurde am 04.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.