
Wolfgang Schroeder verwies im Deutschlandfunk darauf,
dass dadurch auch ein Gegenpol zu anderen Medien konstruiert werde. So seien Influencer und Streamer etwa bei AfD-Veranstaltungen dabei, die sie live im Internet übertragen "mit dem Gedanken, wir bringen das wahre Bild, wir bringen die ungeschminkte Wahrheit". Außerdem bringen die Influencer und Youtuber laut der Beobachtung von Schroeder eigene Emotionen ein, suchen die Provokation mit Andersdenkenden und erreichen damit auch Menschen außerhalb der eigentlichen AfD.
"Aktivist Mann" beschimpft Journalisten
Für Diskussionen sorgte zuletzt etwa
der Streamer ”Aktivist Mann”
, der mit echtem Namen Matthäus Westfal heißt. Er hatte im Wahlkampf zuletzt wiederholt Journalisten beschimpft, etwa vom Magazin "Spiegel". Der AfD-Landeschef in Sachsen-Anhalt, Reichardt, suchte deshalb bereits das Gespräch mit ihm, weil sein Vorgehen, Zitat Reichardt, "in dieser Form vielleicht ein bisschen drüber war".
"Marcant" macht Videos gegen Rechtsextremismus
Es gibt aber auch immer mehr Streamer, die sich kritisch mit der AfD und mit Rechtsextremismus befassen wie etwa der Webvideo-Produzent "Marcant", Er besucht regelmäßig Veranstaltungen der AfD und sucht bewusst das Gespräch mit deren Wählern und mit Menschen aus der rechtsextremen Szene. Dabei versucht er immer wieder, gegen ihre Haltung und ihre Ansichten zu argumentieren. Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus erhielt er dieses Jahr die Theodor-Heuss-Medaille der Theodor-Heuss-Stiftung.
Emotionalisierung wie noch nie
Insgesamt sieht Wissenschaftler Schröder, der an der Universität Kassel lehrt, im sachsen-anhaltischen Wahlkampf eine "neue Qualität an Emotionalisierung". Zitat: "Das Publikum will eine Botschaft haben, die am Ende eine Konstruktion eines eigenen Wir ermöglicht."
Misstrauen säen wie Trump
Schroeder erkennt hier Parallelen zum Wahlkampf von US-Präsident Trump. Eine andere Parallele sei das "Hineinträufeln von Misstrauen". So verbreite die AfD etwa Erzählungen wie die, dass die Briefwahl manipuliert werden könne oder dass Wahlzettel in Altersheimen von Anhängern anderer Parteien ausgefüllt würden. Man versuche schon jetzt, das Ergebnis der Wahl zu delegitimieren für den Fall, dass es nicht so ausfalle, wie man es gerne hätte, sagte Schroeder.
Für die Wahl am Wochenende erwartet der Politikwissenschaftler, der Mitglied der SPD ist, auf jeden Fall Konfrontationen: "Da laufen wirklich zwei Züge aufeinander zu." Das werde nicht ohne Emotionen, Konflikte, Provokationen und Auseinandersetzungen ausgehen.
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Diese Nachricht wurde am 01.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
