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Akkreditierung
Der TÜV-Prüfer für Studiengänge

Mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist auch ein Akkreditierungsverfahren Teil des Hochschulsystems geworden. Bevor ein neuer Studiengang zugelassen wird, bewerten Gutachter das Studienprogramm. Ein solcher Gutachter ist Günther Dey. "Campus & Karriere" hat ihm über die Schulter geschaut.

Von Meriem Benslim | 12.06.2014

    Studierende mit Doktorhut und Talar
    Bevor ein Studiengang Absolventen hat, wird er intensiv geprüft (picture alliance / dpa / Alaa Badarneh)
    Günther Dey arbeitet als Professor für Betriebswirtschaft an der Hochschule Bremen. Neben der Lehre ist er aber auch als Gutachter für die Akkreditierungsagentur "AQAS" aus Köln aktiv - eine von insgesamt neun Agenturen in Deutschland. Gearbeitet wird in einem Team aus Vertretern der Berufspraxis, der Studierenden und Professoren.
    "Ich denke, das machen Kolleginnen und Kollegen, die das Hochschulsystem weiterbringen wollen. Wir sind ja eben auch Lehrende an Hochschulen, wir kennen das Geschäft und wir können dann zwar auch mit einem kritischen Blick drauf gucken, aber dabei auch jeweils Vorschläge für Verbesserungen geben."
    In ganz Deutschland prüft er Studienprogramme auf Herz und Nieren. Er liest die Modulhandbücher und fährt für Gespräche an die Hochschulen.
    "In der Regel beginnt man beim Rektorat und hat dort Gespräche über die gesamte Hochschule und dann geht man in den Fachbereich und spricht mit den Lehrenden und dann kommen auch die Studierenden dran, die dann ihre Sicht zu diesem Studienprogramm darlegen."
    Am Ende schreibt das Team einen Bericht: entweder für oder gegen die Akkreditierung. Dieses Verfahren mache Sinn:
    "Früher guckte jemand aus dem Wissenschaftsministerium drauf. In der Regel Juristen, die deutlich weiter weg sind von den Fachangeboten. Und heute werden in den Begutachtungskommissionen, die Leute nach den jeweiligen Fachgebieten zusammengesetzt."
    Fokus auf Leistung
    Es geht aber auch anders: Viele Hochschulen sind inzwischen auf eine Systemakkreditierung umgestiegen. Dann werden die Studiengänge durch die hauseigene Qualitätssicherung geprüft. Dadurch hätten sich die Hochschulen wieder mehr Selbstbestimmung zurückgeholt – so Bologna-Kritiker. Sie monieren, dass die neuen Studiengänge die Studenten zu Lernmaschinen machen. Der Fokus auf die Leistungen sei eher ein Fortschritt meint hingegen Akkreditierungsgutachter Günther Dey. Sein Fazit zum Bologna-Prozess ist durchweg positiv:
    "Das war ja einerseits Ziel dieser Bologna Reform, die Arbeitsmarktorientierung, was vielen mit einem klassischen Humboldt-Bildungsideal gar nicht gefallen hat. Trotzdem finde ich, ist es auch wichtig, wenn ein Philosophiestudiengang sich die Frage stellt: Was machen eigentlich später unsere Absolventen? Es hat aber auch eine einheitliche Währung gebracht, mit diesen Credits. Im Grundsatz ist es sinnvoll, da bin ich fest von überzeugt."