Freitag, 12. August 2022

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"Allianz für Weltoffenheit"
DOSB will mehr Demokratie leben

Die Mitglieder stärker zu Wort kommen lassen und in den Vereinen für demokratische Werte eintreten: Auf einem Treffen der "Allianz für Weltoffenheit" in Köln erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, wie der Sport gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will.

Von Jessica Sturmberg | 04.05.2017

    DOSB-Präsident Alfons Hörmann am 04.05.2017 auf dem Treffen der "Allianz für Weltoffenheit" in Köln.
    DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf dem Treffen der "Allianz für Weltoffenheit" am 04.05.2017 in Köln. (Jessica Sturmberg)
    Als vor 16 Monaten die wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen des Landes einen gemeinsamen Aufruf für Weltoffenheit, Solidarität und Demokratie starteten, stand vor allem die Herausforderung Integration der Flüchtlinge im Vordergrund. Und das Verhindern fremdenfeindlicher Angriffe auf die Neuankömmlinge. Alle neun Organisationen der Allianz - neben Gewerkschaften, Arbeitgeberverband, Kirchen, Zentralräten, Vertretern aus Kultur und Umwelt auch der Deutsche Olympische Sportbund - haben entsprechende Programme aufgelegt und investiert. Der Sport in doppelter Weise: mit der Bereitstellung von Turnhallen und gleichzeitig Sportangeboten für Geflüchtete.
    Neue Herausforderungen
    Während diese Aufgaben weiter bewältigt werden müssen, sind allerdings weitere Herausforderungen hinzugekommen, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach: "Der Arbeitsauftrag, den wir uns mit diesem Aufruf gegeben haben, hat sich weiterentwickelt. Er ist breiter geworden, weil das, was an neuen Mauern entsteht und an Abgrenzung und auch Versuchen, Menschen aus dem Land herauszuhalten oder America first à la Trump - das sind Entwicklungen in der Welt, die das Gegenteil von dem sind, wofür die Allianz für Weltoffenheit und Demokratie eben auch steht."
    Worum sich die Spitzenvertreter konkret sorgen, sind nicht nur antidemokratische Entwicklungen von außen, sondern auch Angriffe von innen, innerhalb der Verbände. So erzählte Lisi Maier, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, von einer Feuerwehrortsgruppe, die von Rechten unterwandert wurde. Auch im Sport - mit seinen 27 Millionen Mitgliedern ein Spiegel der Gesellschaft - gebe es ähnliche Vorfälle, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann: "Es lässt sich letztlich nie ausschließen, dass in irgendwelchen Gliederungen - ob jetzt auf der Ebene des Vereins oder auch ein oder zwei Stufen darüber - irgendwelche Menschen unterwegs sind, die andere Ziele verfolgen, als die, die wir in unseren Satzungen haben. Dann gilt es, das Regelwerk klar und deutlich zu leben: Vereinsausschluss, wenn jemand solche Dinge tut. Und deshalb gilt es dann eben, klar und konsequent zu handeln. Wir tun’s."
    DOSB will Mitglieder beteiligen
    Wie oft das passiert, wird nicht zentral erfasst. Aber mit den Ethik- und Complianceregeln in den Sportverbänden sei eine entsprechende Struktur geschaffen um dagegen vorzugehen. Zugleich will der DOSB jetzt auch selbst mehr Demokratie leben und die Mitglieder vor Ort mehr zu Wort kommen lassen. Dazu wurden fünf Regionalkonferenzen einberufen, erklärte Alfons Hörmann: "Wir gehen in die Regionen, laden unsere Mitglieder ein, mit uns gemeinsam völlig frei und konstruktiv die Werte des Sports, die Ziele, die Strategien des deutschen Sports zu diskutieren - in offenen Foren, in denen jeder zu Wort kommt. Ein klassisches Beispiel von vorbildlicher Beteiligung."
    Interessant wird, ob die Verbandsspitze nicht nur zuhört, sondern auch Kritik und Anregungen umsetzt.