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Anja Lechner und François Couturier
Gemischtes Doppel

Er ist Jazzpianist, sie klassische Cellistin. Musikalisch war es zwischen beiden Liebe auf den ersten Blick. Im Duo gelingt François Couturier und Anja Lechner eine subtile und selten so geglückte Fusion beider Welten.

Von Karl Lippegaus | 07.01.2021
    Eine langhaarige Frau sitzt lächelnd mit einem Cello und Bogen in der Hand neben einem Mann am Flügel, der lachend seine Hände von der Tastatur reißt.
    Sie haben sich mit ihrer Musik öfters auf Filme bezogen, u.a. von Peter Brook, Andrei Tarkovski und Federico Fellini: Anja Lechner und François Couturier (Lolo Vasco / ECM Records)
    Den Auslöser für ihre Zusammenarbeit bildet „Nostalghia - Song for Tarkovsky“, dem Regisseur des Kultfilms „Stalker“ gewidmet; das Album entsteht im Winter 2005 in Lugano. Seitdem bringt das dafür gegründete Tarkovsky Quartet um den Pianisten und Komponisten François Couturier die Anatomie der Melancholie zum Klingen. Die beiden Pole des Quartetts, Couturier und Anja Lechner, stehen für musikalische Risikofreude, den Willen zum west-östlichen Dialog und die Freiheit, sich auch mal ein Prélude von Henri Dutilleux oder eine Bach-Kantate vorzunehmen. Neben drei Alben mit dem Tarkovsky Quartet nahmen die beiden in anderer Besetzung auch eine atmosphärisch-exzentrische Hommage an den Barock-Komponisten Pergolesi auf (2013). Ein Jahr später kam ihr erstes Album als Duo heraus: „Moderato cantabile“ folgte Spuren von Armenien bis nach Katalonien, zu Komitas Vardapet, G.I. Gurdjieff und Federico Mompou. Aus Couturiers Arbeit mit dem tunesischen Oudspieler Anouar Brahem und Lechners langjährigem Duo mit dem Argentinier Dino Saluzzi resultierten Erfahrungen und Entdeckungen, die ihr musikalisches Zwiegespräch stets neu stimulieren. Davon zeugt als gleichsam tönendes Reisetagebuch das faszinierende neue Album „Lontano“.