Dienstag, 28. Juni 2022

Anschlag in London
Auch zwei Deutsche verletzt

Bei dem Anschlag in London gibt es auch zwei Verletzte aus Deutschland. Weitere Opfer befinden sich in kritischem Zustand. Die britische Polizei nahm zwölf Verdächtige im Osten der Hauptstadt fest. Premierministerin May kündigte einen Vier-Punkte-Plan gegen den islamistischen Terror an.

04.06.2017

Trauernde haben Blumen in der Nähe der London Bridge abgelegt.
Trauernde haben Blumen in der Nähe der London Bridge abgelegt. (afp / Niklas Halle'n)
Unter den Verletzten beim jüngsten Anschlag in London sind nach Angaben von Bundesinnenminister Thomas de Maizière auch zwei Deutsche. Eines der Opfer sei schwer verletzt, teilte er mit. Zu dem zweiten konnte er zunächst keine weiteren Angaben machen. Bei dem Anschlag wurden mindestens sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt. Weitere Verletzte kommen aus Großbritannien, Frankreich, Kanada und Neuseeland.
Bei den Attentätern sei zwar nicht von einem Netzwerk von Terroristen auszugehen, berichtet unser Großbritannien-Korrespondent Burkhard Birke, aber es handele sich in jedem Fall um eine Tat mit terroristischem Motiv. Das habe die Polizei bereits in der Nacht bekanntgegeben. Die Polizeichefin habe jedoch bewusst nicht die Namen der Verdächtigen genannt, um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen. Unter den zwölf Festgenommenen im Osten Londons sind laut dem Bericht unseres Korrespondenten auch vier Frauen.
Wahllose Messer-Attacken auf Passanten
Nach bisherigem Ermittlungsstand waren drei Täter am Samstagabend gegen kurz nach 22 Uhr mit einem Lieferwagen in eine Gruppe Fußgänger auf der London Bridge gerast. Unser Korrespondent berichtet, dass die Attentäter ihren Wagen auf etwa 80 km/h beschleunigt hätten.
Danach fuhren sie mit ihrem Kleintransporter weiter zum wenige hundert Meter entfernten Borough Market. Dort attackierten die drei Angreifer Menschen in Bars und Restaurants mit Messern. Die Täter wurden von Sicherheitskräften erschossen - acht Minuten nach Eingang des Notrufs.
Nach Behördenangaben befinden sich noch 36 Verletzte in den Krankenhäusern, davon sind 21 in kritischem Zustand. Unter den Verletzten sind auch Polizisten. Einer von ihnen soll schwere Verletzungen im Gesicht erlitten haben. Nach Angaben von Sky News handelt es sich um den Beamten, der als Erster am Tatort war und sich den drei Attentätern in den Weg stellte. Zudem wurde durch die Polizeischüsse auf die Attentäter auch ein Unbeteiligter verletzt.
Grafik zum Anschlag in London.
Grafik zum Anschlag in London. (picture-alliance/ dpa-infografik)
May: Islamismus mit Vier-Punkte-Plan bekämpfen
Nach Angaben von Premierministerin May sind viele Verletzte noch in kritischem Zustand. Sie sagte weiter, die Attentäter hätten Sprengstoffgürtel-Attrappen getragen, um Panik zu verbreiten. Nach den Anschlägen auf der Westminster Bridge und in Manchester sei dies der dritte schwere Angriff innerhalb von drei Monaten. May kündigte an, dass die Regierung darauf mit einem Vier-Punkte-Plan reagieren werde, der allerdings in Teilen unkonkret bleibt:
  1. Man müsse es schaffen, die Menschen von der Ideologie des islamistischen Extremismus abzubringen, und zwar nicht nur durch militärische Einsätze.
  2. Der Kampf gegen islamistisches Gedankengut im Internet müsse gemeinsam mit den demokratischen Verbündeten intensiviert werden. Zurzeit gebe es dort für Islamisten zu viele Rückzugsmöglichkeiten, die von großen Firmen geschaffen würden.
  3. Der Extremismus in der britischen Gesellschaft und im öffentlichen Sektor müsse konsequenter identifiziert und bekämpft werden. Briten dürften nicht länger in verschiedene Gruppen nebeneinanderher leben, sondern müssten zu einem "wahrhaft vereinten Königreich" zusammenwachsen. Es gebe "zu viel Toleranz für Extremismus" im eigenen Land.
  4. May will die Terrorabwehr der Sicherheitskräfte und der Polizei überdenken. Außerdem müssten die Freiheitsstrafen für islamistischen Extremismus erhöht werden.
Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht. Nach Einschätzung des Deutschlandfunk-Sicherheitsexperten Rolf Clement trägt das Attentat "eindeutig die Handschrift islamistischer Terroristen". Dafür spreche der Tathergang und das Abzielen auf möglichst viele Opfer. Dass Großbritannien momentan im Fokus stehe, habe auch mit den Wahlen zu tun, sagte Clement weiter. Es scheine, als ob die Extremisten in London beweisen wollten, dass sie auch gegen konservative Regierungen erfolgreich operieren können.
Unterhaus-Wahl soll wie geplant stattfinden
Londons Bürgermeister Khan hat die Bevölkerung nach der tödlichen Terrorattacke zur Wachsamkeit aufgerufen. Er glaube jedoch, dass London eine der sichersten Städte der Welt sei, erklärte Khan. Die Tat selbst bezeichnete er als eine "gezielte und feige Attacke" auf Unschuldige. Der Terroranschlag von London ist seiner Ansicht nach ein Angriff auf den westlichen Lebensstil. Über die Terroristen sagte Khan im Radio BBC 5: "Sie hassen, dass wir am Samstagabend ausgehen. Sie hassen es, dass wir eine Parlamentswahl abhalten."
Wegen des Anschlags setzten fast alle Parteien ihren Wahlkampf aus, nur die rechtspopulistische Ukip-Partei schloss sich dem nicht an. Am Donnerstag wird in Großbritannien ein neues Unterhaus gewählt. Die Wahl soll wie geplant stattfinden.
Auch das Benefizkonzert von Popsängerin Ariana Grande in Manchester soll wie geplant am Abend stattfinden. Es soll aber zusätzliche Sicherheitskontrollen und mehr Polizei geben. Ein Bombenattentäter hatte am 22. Mai ein Konzert von Grande in der Manchester Arena angegriffen und 22 Menschen getötet. Grande wird bei dem Benefizkonzert von anderen Künstlern unterstützt.
Trauer und Bestürzung
Am Dienstag soll es eine Schweigeminute für die Opfer geben. Um 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ) werde in allen Regierungsgebäuden eine Minute lang innegehalten, teilte das Büro von Premierministerin Theresa May mit. Die Flaggen im Regierungsbezirk im Herzen von London sollen bis Dienstagabend auf Halbmast wehen.
Bundeskanzlerin Merkel äußerte sich bestürzt. In einer Erklärung betonte sie, dass Deutschland im Kampf gegen jede Form von Terrorismus "fest und entschlossen" an der Seite Großbritanniens stehe. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich entsetzt: "Die Kaltblütigkeit, mit der die Täter Passanten in London attackiert haben, ist verabscheuenswürdig und lässt uns in Trauer zusammenstehen."
US-Präsident Donald Trump verurteilte die Terrorattacke scharf und drückte der britischen Premierministerin May telefonisch sein Beileid aus. Frankreichs Staatspräsident Macron schrieb auf Twitter, Frankreich stehe nach der "neuen Tragödie" an der Seite Großbritanniens. Seine Gedanken seien bei den Opfern und ihren Familien, schrieb er. Auch der Iran verurteilte den Terrorakt: "Der Anschlag in London und die anderen Anschläge in den letzten Tagen sind ein ernsthaftes Warnsignal", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Ghasemi. Auch andere Golfstaaten und die Türkei verurteilten den Angriff und sagten der britischen Regierung ihre Unterstützung zu.
Wegen des Terroranschlags von London soll die Beleuchtung des Eiffelturms erlöschen. "Heute Nacht, um 00.45 Uhr, werde ich im Gedenken an die Opfer des Attentats von London meine Lichter ausschalten", heißt es auf dem Twitter-Konto des Wahrzeichens.
(tj/rm/hba)