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Anti-Stress-Pralinen und Schokolade zum Inhalieren

Süßes, Salziges und Saures - das gibt es noch bis Mittwoch auf der Internationalen Süßwarenmesse in Köln. Auf dieser Fachmesse zeigen rund 1.500 Aussteller aus über 60 Ländern, womit sie uns zum Naschen und Knabbern animieren wollen. Und genascht wird auch oder gerade in der Wirtschaftskrise, heißt es beim Bundesverband der Süßwarenindustrie.

Von Susanne Kuhlmann | 01.02.2010

Gewürze und andere Kochzutaten haben viele Hersteller beeinflusst. Der Gebäckproduzent XOX zeigt zum Beispiel seine saisonalen Snacks mit Spargel, Schinken und Sauce Hollandaise zum Frühjahr oder mit Waldpilzen als Herbstvariante. Katrin Sufter:

"Wir haben zum einen den Sommer mit dem Geschmack von Mango-Jalapeno. Das ist eine gewagte Zusammenstellung. Wir haben Verkostungen bei uns im Betrieb durchgeführt, und es kam sehr gut an. Es ist süßlich und dann scharf.
Dann haben wir Erdbeer-Pfeffer, kennt man so auch nicht. Das ist vielleicht eine Erfrischung im Sommer."

Mit Teig umhüllte Erdnüsse kommen mit neuer Würzung auf den Markt. Zum Beispiel mit Chakalaka, der Geschmacksvariante zur Fußball-WM. Dirk Hochschorner von Ültje:

"Das ist ein Gewürz, was in Südafrika vorwiegend benutzt wird. Gibt es schon seit etlichen Jahren. Wir haben das jetzt auf den Nussmarkt übertragen.
Sehr würzig, nicht unbedingt scharf, aber sehr würzig."

Schokolade mit süßer Zwiebel oder Pralinen mit echtem Kölnisch Wasser, Baobab-Schokolade mit der Frucht des Afrikanischen Affenbrotbaums und Schokolade mit Kristallen von Atlantiksalz - als besonders innovativ und experimentierfreudig erweisen sich die kleineren Schokoladeproduzenten, die nicht vom Massenmarkt abhängen. Christine Drey von der Confiserie Madlon über die Anti-Stress-Praline, die ihr Geschäftspartner entwickelt hat:

"Er hat sich die Form gesucht, kam auf einen Neuseeländer Wissenschaftler, der entdeckt hat, dass die gestressten Menschen zuerst immer zu ovalen Pralinen greifen. Deswegen wurde es die ovale Praline. Dann hat er sich mit seinem Freund, dem Stadtapotheker zusammengesetzt, was denn Schokolade und Sahnetrüffel mit Naturöl aus der Apotheke machen kann. Dann kam die Anti-Stress am Ende raus mit einem Hauch Pfefferminz, Blutorangen und Zitronenmelissenöl und ein bisschen Rosenwasser und natürlicher Konservierung – ein bisschen Weinbrand."

Nur ein Hauch von Schokolade – das ist Le Whif, die Schokolade zum Inhalieren. Ein lippenstiftgroßer Spender wird leicht aufgezogen und mit den Lippen umschlossen. Beim Einatmen verteilt sich feinster Schokostaub im Mund – ein fast kalorienfreier Genuss ohne Reue, sagt José Sanchez vom französischen Hersteller:

"You have the pleasure of the chocolate without the calories. It is a pleasure without a guilt."

Auch ein Modegetränk wie Prosecco inspiriert die Süßwarenhersteller. Zum Beispiel den 19-jährigen Valentin Wessels von Sweet Company. Er hat die handwerkliche Herstellung von Lutschbonbons von seinem Großvater gelernt:

"Natürlich ist ein Bonbon wie die Weingeister mit Rotweingeschmack oder das Prosecco-Aperol mit Prosecco und Bitterorange was eher für Erwachsene, aber es ist kein Alkohol direkt drin. Kinder können es auch lutschen. Aber manche Geschmacksrichtungen ziehen Kinder nicht so sehr an."

Natürliche Farbstoffe und ein bisschen Prosecco stecken auch in den Gummipops von Trolli. Herbert Mederer:

"Es gibt Weingummis mit Cherry drin, mit Madeira, mit Portwein. Da haben wir uns gedacht: Warum eigentlich nicht mit Prosecco? Wir haben alle Weinsorten durchprobiert, aber das schien uns das Lustigste. Es sind eigentlich Sektkorken aus Gummi. Ansonsten mit natürlichen Farbstoffen gefärbt, nichts Künstliches und eben einem Anteil Prosecco."