Sachsen-Anhalt
Archäologen entdecken 4.000 Jahre alte Gräbergruppe bei Dachritz

Archäologen haben bei Ausgrabungen in der Nähe von Dachritz in Sachsen-Anhalt eine außergewöhnliche Gräbergruppe aus der rund 4.000 Jahre alten sogenannten Glockenbecherkultur freigelegt. In drei Grabgruben fanden sie die Überreste von insgesamt sieben Menschen.

    Zu sehen sind zwei Grabungshelfer in orangefarbenen Warnwesten - ein Mann und eine Frau. Sie arbeiten liegend mit Pinseln an einer Grabstelle.
    Die Ausgrabungsarbeiten in der Nähe von Dachritz. (Heiko Rebsch / dpa / Heiko Rebsch)
    Die Glockenbecherkultur erhielt ihren Namen durch charakteristische glockenförmige Keramikgefäße, die den Toten häufig als Grabbeigaben mitgegeben wurden. Auch in den Gräbern bei Dachritz wurden Tassen, Becher und Schalen entdeckt.

    Ungewöhnliche Bestattungsweise

    Üblicherweise wurden Angehörige dieser Kultur in stark gehockter Haltung mit Blick nach Osten bestattet. Nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt weicht die nun entdeckte Anlage jedoch deutlich von bekannten Bestattungsritualen ab: Mehrere Personen wurden gemeinsam in Grabstellen bestattet. Die Gräber lagen entlang eines Weges auf einer markanten Landzunge in einer Auenlandschaft. Zwischen zwei großen Grabgruben entdeckten die Archäologen zudem ein rund 30 Zentimeter starkes Fundament aus verdichtetem Lehm. Dieses könnte die Basis einer Wand gewesen sein. Hinweise deuten darauf hin, dass die beiden Mehrfachbestattungen möglicherweise überdacht waren.

    Weitere Untersuchungen

    Die Forscher vermuten, dass die Toten möglicherweise an einem anderen Ort ums Leben kamen und für ein Abschiedsritual an die exponierte Stelle gebracht wurden. Darauf könnten die besonderen Bestattungsumstände hindeuten.
    Die gesamte Grabanlage soll nun als Block geborgen und anschließend im Landesmuseum wissenschaftlich untersucht werden.
    Die Ausgrabungen hatten im Vorfeld des Netzausbaus für die Gleichstromtrasse "Südostlink" stattgefunden. Die rund 540 Kilometer lange Trasse soll von Wolmirstedt bei Magdeburg bis zum Standort Isar bei Landshut in Bayern führen.
    Diese Nachricht wurde am 16.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.