Montag, 15. August 2022

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"Artbites"
Kulinarische Kunst von New York bis L.A.

Von Kerstin Zilm | 16.09.2014

    Maite Gomez-Rejon arbeitete an einer Ausstellung über Wandteppiche im Metropolitan Museum of Art und studierte nebenbei am kulinarischen Institut in New York Kochkunst von klassischer Küche bis modernem Veganismus, als sie auf mittelalterliche Kochbücher stieß:
    "Ich dachte plötzlich: Alle Künstler haben gegessen und ich hab mich gefragt - was haben sie gegessen? Wenn ich Porträts angeschaut habe, habe ich mich gefragt: Was hat dieser Mensch gegessen? Dasselbe wie der Künstler? Und wenn nicht, warum nicht? So hat alles angefangen und nun ist es mein Beruf."
    Kulinarische Kunsterlebnisse in Museen
    Seither sieht die Kunsthistorikerin alle Kunst aus kulinarischem Blickwinkel. Kurz nach der Eingebung organisierte sie ihre erste Kombination von Ausstellungsführung, Kochstunde und von Kunst inspiriertem Festmahl. Sie gründete ihre Firma "Artbites" und leitet inzwischen kulinarische Kunsterlebnisse in Museen vom Metropolitan in New York bis zur Getty Villa in Los Angeles.
    An diesem Abend ist Maite im El Segundo Museum of Art - ESMoA, einem kleinen Museum südlich von Los Angeles. Dessen zwei Stockwerke hohe Wände sind bedeckt mit Graffiti legendärer Straßenkünstler aus L.A. Dazwischen liegen unter Glasvitrinen Original-Manuskripte des 16. Jahrhunderts aus dem Getty Forschungsinstitut. Die Ausstellung SCRATCH verbindet Keilschrift, Kalligraphie und zeitgenössische Straßenkunst. Für Maite eine willkommene Herausforderung:
    "Ich wusste gleich: Es wird Essen von der Straße geben. Essen, das wie Graffiti nicht hoch angesehen ist - von Imbissbuden oder Food Trucks, die Imbisse auf Rädern, die in Los Angeles Gerichte in jedes Viertel bringen. Dazu erzähle ich etwas aus Kochbüchern des 16. Jahrhunderts. In denen stand nichts über das einfache Essen von der Straße, weil alle wussten, wie man das kocht."
    15 Teilnehmer hat diese Tour. Darunter sind "Artbites"-Fans wie Judith Remmes. Sie folgt Maite durch die Museen von Los Angeles, hat persische Festmahle gekocht, Speisen des französischen Königshofs nachempfunden, sich auf eine kulinarische Reise durch die spanisch-mexikanische Geschichte Kaliforniens begeben und unterwegs Freundschaften geschlossen:
    "Ich liebe Maites einmaligen Ansatz zu jeder Installation und die Kombination von Kunstgeschichte, künstlerischen Techniken und Essen. Und ich liebe das gemeinsame anschließende Mahl."
    Informationen über Kunst- und Kochgeschichte
    Zwischen Graffiti mit ägyptischen Schönheiten, brennenden Palmen und einem säbel-schwingenden Samurai schafft Maite an diesem Abend den Bogen zu den in Los Angeles allgegenwärtigen Food Trucks. In eine Stunde packt Maite viele Informationen über Kunst- und Kochgeschichte, darunter dass Leonardo da Vinci Vegetarier war und die Sklaven beim Pyramidenbau mit Bier und Brot bezahlt wurden. Danach geht es zum Kochen in den umgebauten Lagerraum und die Mini-Küche von ESMoA. Hat ein Museum keinen Herd, bringt Maite Kochplatten und Tischgrill mit.
    Zwischen Regalen voller Papier und Stiften liegen auf Klapptischen Messer, Schüsseln, Backbleche, Rezepte und Zutaten. Auf der Speisekarte: Maistortillas, Fajitas, Avokado-Humus, Kimchi-Salat, Gemüse-Spieße, Agua Fresca und Schokoladenkeks-Eis-Sandwiches. Es wird geschnibbelt, gemixt und viel gelacht. Artbites-Debütantin Kisha Turner liefert einen Rap dazu.
    "Try to give it some love, some Kimchi-love, rub it, stroke it, Kimchi love - that's all I got you all ..."
    Sie ist vor allem gekommen, um die Graffiti-Ausstellung zu sehen, und begeistert von der kulinarischen Komponente.
    Kisha:
    "Der Mix bringt die Würze von der Straße und die aus der Küche zusammen - eine Brücke zwischen zwei Welten, die zusammen gehören. Die Tour war etwas ganz Besonderes. Gefällt mir gut!"
    Drei Stunden nach Beginn der Tour genießt die Gruppe das gemeinsam zubereitete Mahl mit belgischem Bier, Agua Fresca und Prosecco an langer Tafel mitten zwischen Graffiti und Manuskripten. Alle sehen hoch zufrieden aus.
    95 Dollar kostet das Erlebnis inklusive Essen und Getränke. Bethany Gianusso sagt: Sie verzichtet dafür gerne auf andere Sachen:
    "Die Kombination von Essen und Kunst! Dieses fantastische Hippie-Kommunen-Dinner in einem Museum, wo viele denken, es gehe sehr etepetete zu. Maite hat einen einzigartigen Zugang zur Kunst durch ihre Bildung. Es ist einfach außerordentlich!"
    Bethany hat den nächsten "Artbites"-Termin in El Segundo schon im Terminkalender. Das Thema dann: "Home", wie und wo wir uns zu Hause fühlen.