Archiv

Athletenvertretung"Wir Sportler sind der entscheidende Akteur"

Die deutschen Sportler wollen sich besser aufstellen. Deswegen sollen sie am nächsten Wochenende eine unabhängige Athletenorganisation als eingetragenen Verein gründen. "Wir waren in unserer aktuellen Organisation maßlos überfordert", sagte Maximilian Hartung, Vorsitzender der DOSB-Athletenkommission im Dlf.

Max Hartung und Silke Kassner im Gespräch mit Astrid Rawohl | 07.10.2017

Fechter Max Hartung und Kanutiin Silke Kassner, Athletensprecher in der DOSB-Athletenkommission.
Fechter Max Hartung und Kanutin Silke Kassner, Athletensprecher in der DOSB-Athletenkommission (Jessica Sturmberg / Deutschlandradio)
Ein Grund für die Initiative sei der Dopingskandal in Russland gewesen, wo man sich "ein stückweit machtlos gefühlt habe", sagte Fechter Maximilian Hartung im Deutschlandfunk.
"Wir haben einfach gemerkt, dass wir in der Form, wie wir bisher aufgestellt sind, sind wir maßlos überfordert." Die Komplexität der Aufgaben im vergangenen Jahr sei der Auslöser gewesen, um eine unabhängige Organisation zu gründen. Damit die Athleten besser vernetzt sind und auf Augenhöhe mit den anderen Akteuren mitsprechen könnten, schilderte Hartung die Beweggründe für die Neuformierung.
Die Finanzierung steht noch nicht
Man wolle in Zukunft weg vom Ehrenamt und auch Leute einstellen. So sei es vorstellbar, mit drei hauptamtlichen Kräften zu arbeiten, sagte Athletensprecherin Silke Kassner.
Zwar sind die finanziellen Rahmenbedingungen dafür noch nicht sicher, aber man hoffe nach der erfolgreichen Koaltionsverhandlungen durch finanzielle Unterstützung durch das neu besetzte Innenministerium.
Man erwarte durch die Neugründung auch keine Konfrontation, sondern eher eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit dem DOSB, sagte Hartung.
Bei Olympia in Rio war die Stimmung schlecht
International wolle man sich vor allem dafür engagieren, dass die IOC-Athletenkommission noch stärker von den Sportlern mitbeeinflusst wird. Aktuell gebe es zu wenig Feedback der Athleten an ihre Vertreter, kritisierte Hartung die Schwächen der Kommission.
"Am Ende sind wir Sportler der entscheidende Akteur, ohne uns gibt es die Wettkämpfe nicht", sagte Hartung und wies dabei auf die Bedeutung der einzelnen Athleten hin. Er habe in Rio bei den Spielen eine andere Stimmung unter den Athleten als noch bei Olympia in London wahrgenommen. Die Sportler waren traurig, die Stimmung im Dorf war anders. Das hätte vor allem mit dem Dopingskandal rund um das russische Team und deren Teilnahme bei Olympia zu tun gehabt.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.