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Bafin-Chefin
Deutsche soll EU-Behörde zur Bankenabwicklung leiten

Die bisherige Leiterin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König, soll Leiterin des EU-Abwicklungsfonds für marode Banken werden. Das hat die EU-Kommission heute vorgeschlagen. Ihre offizielle Wahl gilt nun als Formsache.

Von Jörg Münchenberg | 05.12.2014

Bafin-Chefin Elke König: Bald auch Chefin des EU-Abwicklungsfonds?
Für König selbst wäre es ein weiterer Karrieresprung. (dpa/picture alliance/Oliver Berg)
Es ist eine Vorentscheidung. Die EU-Kommission hat heute die bisherige Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, offiziell für den Leitungsposten der gemeinsamen EU-Behörde zur Bankenabwicklung vorgeschlagen. Schon seit geraumer Zeit wurde über diese Personalie in Brüssel offen spekuliert. Auch die Bundesregierung hatte König unterstützt. Aus Regierungskreisen hatte es dazu geheißen, die 60-jährige Bafin-Präsidentin sei die Beste für diesen neuen Posten. Offenkundig sieht die Kommission dies ganz genauso.
Die Abwicklungsbehörde ist ein zentraler Baustein der europäischen Bankenunion. Marode Banken sollen demnach entweder restrukturiert oder ganz aufgelöst werden. Das dafür notwendige Kapital sollen die europäischen Geldhäuser selbst in den nächsten Jahren bereitstellen. Bis 2024 soll der geplante Abwicklungsfonds mit insgesamt 55 Milliarden Euro gefüllt sein. Ziel ist es, dass künftig nicht mehr die Steuerzahler, sondern die Banken selbst für ihre Fehler gerade stehen müssen.
Zwar treten die Regeln für die gemeinsame Bankenabwicklung erst 2016 in Kraft, doch davor muss erst einmal die neue Behörde aufgebaut werden. Daher soll sie ihre Arbeit auch schon im kommenden Jahr aufnehmen. Formal müssen jetzt noch EU-Parlament und EU-Ministerrat der Personalie zustimmen. Dies gilt jedoch als Formsache. Der zuständige Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments will schon in der kommenden Woche mit den Anhörungen beginnen. Im Dezember dürfte bereits die Abstimmung erfolgen.
Für König selbst wäre es ein weiterer Karrieresprung. Seit 2012 leitet sie die Bafin, die jedoch im Zuge der Bankenunion die Aufsicht über die Großbanken direkt an die Europäische Zentralbank abgeben musste. Neben König standen auch der belgische Notenbankgouverneur Luc Coene sowie der frühere Chef der Europäischen Investitionsbank, Philippe Maystadt auf der Kandidatenliste für die Leitung der Abwicklungsbehörde.
Beide haben allerdings bereits das Rentenalter erreicht. Neben ihrer unbestrittenen Qualifikation hatte die Deutsche noch einen anderen, allerdings unausgesprochen Vorteil: Sie ist eine Frau. Und weibliche Führungskräfte auf europäischen Spitzenposten sind noch immer klar in der Minderheit.