
Banaszak sagte im Deutschlandfunk, die Sondierungen für eine mögliche rot-grün-rote Koalition in Berlin hätten eine Bedeutung, die weit über die Landespolitik hinausreiche.
Allerdings sei die öffentliche Debatte zuletzt zu einseitig auf die Berliner Linke fokussiert gewesen
. Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern werde inzwischen fast ausschließlich über Berlin gesprochen, während die AfD in zwei Ländern in Folge stärkste Kraft geworden sei. Sorge bereite ihm, dass die Erfolge der AfD inzwischen nahezu schulterzuckend zur Kenntnis genommen würden. Teilweise werde mit größerer Vehemenz über Berlin diskutiert als über die politische Entwicklung in Ostdeutschland. "Da sind schon auch ein bisschen die Maßstäbe verschoben", sagte der Grünen-Chef.
Grüne dringen auf rasche Aufarbeitung
Gleichzeitig bekräftigte Banaszak die Bereitschaft seiner Partei, eine Regierungsbildung mit Linken und SPD auszuloten. Die Linke sei von den Berlinerinnen und Berlinern deutlich zur stärksten Kraft gewählt worden. Für ein Bündnis müssten jedoch Bedingungen erfüllt werden. "Es geht nicht zum Nulltarif", betonte Banaszak. Die Diskussionen über Antisemitismus, Islamismus und organisierte Kriminalität müssten glaubwürdig geklärt werden.
Die Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, die nach dem Wahlsieg ihrer Partei das Amt der Regierenden Bürgermeisterin anstrebt, nahm er ausdrücklich gegen persönliche Antisemitismusvorwürfe in Schutz. "Elif Eralp steht für mich da außerhalb jedes Verdachtes", sagte Banaszak. Die Behauptung von Bundesinnenminister Dobrindt (CSU), Eralp sei Antisemitin, bezeichnete Banaszak als "Unverschämtheit".
Warnung vor offenen Konflikten in der Linken
Zugleich warnte er davor, die Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken insgesamt als bloße Kampagne abzutun. "Die Linke macht es sich aus meiner Sicht in Teilen zu einfach", sagte Banaszak. Insbesondere mit Blick auf den Neuköllner Landesverband sprach der Grünen-Vorsitzende von offenen Konflikten. Dort fühlten sich "auch Leute zu Hause, mit denen wir große Probleme haben". Vor einer möglichen Regierungsbildung müsse die Linke diese Fragen glaubwürdig klären. Eine rot-grün-rote Regierung könne "nicht auf der Hypothek aufgebaut sein", dass die Vorwürfe ungeklärt blieben.
Bündnis mit CDU und SPD derzeit keine bevorzugte Option
Trotzdem sieht Banaszak derzeit keine naheliegende Alternative in einem Bündnis von CDU, Grünen und SPD. Die Christdemokraten hätten die Wahl deutlich verloren und ihren Wahlkampf stark gegen grüne Kernprojekte wie die Verkehrswende ausgerichtet. Daher bleibe die Prüfung eines stabilen rot-grün-roten Bündnisses zunächst die bevorzugte Option.
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Diese Nachricht wurde am 28.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.







