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Baubranche verliert an Fahrt

Im vergangenen Jahr ist es für die deutsche Bauindustrie extrem gut gelaufen. Nicht zuletzt wegen der robusten Inlandskonjunktur. 2012 wird das Wachstum sicherlich schwächer ausfallen. Dennoch rechnet die Branche weiter mit Zuwächsen.

Von Andreas Baum |
    Die Bauwirtschaft könnte leicht als Lehrbeispiel in der Ökonomie durchgehen. An ihr lässt sich beobachten, wie Zyklen in der Volkswirtschaft entstehen – wie auf gute Jahre schlechte folgen – und wie in der Wirtschaft gegenläufige Faktoren entscheiden, auch weil die Psychologie des Menschen mitspielt. Haben Anleger Angst, ihr Geld zu verlieren, ist das gut für die Bauwirtschaft, sagt Thomas Bauer, Präsident des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie, denn sie stecken ihr Vermögen in Handfestes, in Stein, Beton und Holz:

    "Dadurch, dass die Menschen Sorge haben vor Inflation, entdecken sie plötzlich die Immobilie wieder als etwas ganz Wichtiges und kaufen Wohnungen und Geschosswohnungen und plötzlich steht die Bauwirtschaft auf der Sonnenseite und hat ein Konjunkturhoch, wo alles andere gerade runtergeht, und zwei Monate oder ein Jahr später kann es auch wieder umgekehrt sein, so läuft eben Konjunktur."

    Die deutsche Bauindustrie hat ihre Umsätze im vergangenen Jahr um rekordverdächtige 9,5 Prozent steigern können, im Wohnungsbau sind es 14 Prozent. Für 2012 rechnet die Branche mit einem weiteren Umsatzwachstum von 2,5 Prozent. Nachdem der Staat nach der Finanzkrise von 2008 durch Konjunkturprogramme Geld in die Bauwirtschaft gepumpt hatte, war befürchtet worden, dass danach die Investitionstätigkeit einbricht. Das ist nicht geschehen. Zwar spart der Bund, die Kommunen gleichen das durch ihre Bautätigkeit aber aus. Dadurch ist die Reserve an Facharbeitern, wie Thomas Bauer die Arbeitslosen im Bau nennt, weitgehend abgeschmolzen. Fachkräftemangel ist dafür heute Realität. Viele Firmen wünschen sich, dass sie mehr ausländische Kräfte anstellen können, und: Man will Fachkräfte aus dem Ausland engagieren, ohne vorher im Inland gesucht zu haben. Überhaupt: Die Arbeitsagentur und die Schulen könnten ihren Job Thomas Bauer zufolge besser machen:

    "Es kann nicht sein, dass sich immer mehr Schüler bewerben, die nicht ausbildungsreif sind, sei es, dass sprachliche Mängel bestehen, sei es, dass elementare Rechen- und Schreibfähigkeiten fehlen."

    Zwar steigen die Immobilienpreise, von einer Immobilienblase will der Verbandspräsident aber nicht sprechen, dazu sei man von einem viel zu niedrigen Niveau gestartet. Der Staat fördert die energetische Gebäudesanierung, die Baubranche legt aber Wert auf die Feststellung, dass bei vielen Nachkriegsbauten, in den Fünfzigern billig errichtet, eine Sanierung auf lange Sicht viel teurer würde als Abriss und Neubau. Auch von einer Straßenbenutzungsgebühr, also von einer Maut für alle, würde die Bauindustrie profitieren, wenn die Erlöse wirklich in den Straßenbau fließen. Thomas Bauer warnt bei allem Optimismus vor Höhenflügen - der Boom kann ganz schnell wieder vorbei sein:

    "Die Großbanken werden nicht müde, vor einer Kreditklemme im Laufe des Jahres zu warnen, die vor allem den gewerblichen Investoren schaden könnte. Gleichzeitig schwelt trotz der vielen Gipfelbeschlüsse zur Stabilisierung des Euro die europäische Staatsschuldenkrise weiter, was ohne Zweifel die öffentlichen Investitionen bremsen wird."

    Ebenso wie die Schuldenbremse die öffentliche Bautätigkeit nicht gerade steigern wird: Trotzdem ist der Verband für die im Grundgesetz verankerte Ausgabendisziplin, weil die auf Dauer für die staatlichen Haushalte mehr bringt als weiteres Schuldenmachen.