Dienstag, 31. Januar 2023

Berlinale
Goldener Bär für iranischen Film

Der regimekritische iranische Regisseur Jafar Panahi hat bei der Berlinale den Goldenen Bären für seinen Film "Taxi"gewonnen. Als beste Schauspieler wurden Charlotte Rampling und Tom Courtenay, die Hauptdarsteller des britischen Ehedramas "45 Years", mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.

14.02.2015

    Die Nichte des Regisseurs Jafar Panahi, Hanna Saeidi, zeigt am 14.02.2015 bei der Preisverleihung der 65. Internationalen Filmfestspiele in Berlin den Goldenen Bären, den sie für den Film «Taxi» von Jafar Panahi entgegengenommen hat. Rechts: die Jury-Mitglieder, US-Regisseur Darren Aronofsky und die französische Schauspielerin Audrey Tautou.
    Regisseur Jafar Panahi durfte nicht anreisen - seine Nichte Hanna Saeidi (li.) nahm den Preis entgegen. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
    Panahi bekam den Preis in Abwesenheit verliehen - das iranische Regime hat ihn mit einem Arbeits- und Ausreiseverbot belegt. Den Preis nahm Panahis Nichte entgegen. "Ich bin nicht in der Lage, etwas zu sagen, ich bin zu ergriffen", sagte sie weinend. Auch Panahis Ehefrau war im Publikum.
    Der Film, den Panahi heimlich gedreht hatte, war auf unbekannten Wegen nach Berlin geschmuggelt worden. Für die halbdokumentarische Komödie setzte sich der Filmemacher selbst in ein mit drei Kameras ausgestattetes Taxi. Er ließ dort seine Fahrgäste vom schwierigen Alltag in Teheran erzählen.
    Zwei Preise gingen nach Chile
    Den Großen Preis der Jury erhielt das chilenische Drama "El Club" von Pablo Larraín. Es handelt von Priestern, die Kinder missbraucht haben. Der Bär für das beste Drehbuch ging ebenfalls nach Chile: Regisseur Patricio Guzmán bekam den Preis für den Dokumentarfilm "Der Perlmuttknopf" über die blutige Geschichte seines Heimatlandes.
    Den Preis für die beste Regie erhielten der Rumäne Radu Jude für "Aferim!" sowie die polnische Filmemacherin Malgorzata Szumowska für "Body". Auch ein deutscher Film wurde bedacht: Der Kamera-Mann des Films "Victoria", der Norweger Sturla Brandth Grøvlen, erhielt einen Preis für eine herausragende künstlerische Leistung. Daneben wurden auch die Kamera-Männer des russischen Films "Under Electric Clouds" geehrt. Der Alfred-Bauer-Preis ging an das Drama "Ixcanul Volcano" von Jayro Bustamante aus Guatemala. Die Auszeichnung wird an Filme vergeben, die dem Kino neue Perspektiven eröffnen.
    Alle Auszeichnungen im Überblick
    • GOLDENER BÄR: "Taxi" von Jafar Panahi (Iran)
    • SILBERNER BÄR, GROSSER PREIS DER JURY: "El Club" von Pablo Larraín (Chile)
    • SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE REGIE: Radu Jude (Rumänien) für "Aferim!", Malgorzata Szumowska (Polen) für "Body"
    • SILBERNER BÄR FÜR DIE BESTE DARSTELLERIN: Charlotte Rampling in "45 Years" von Andrew Haigh (Großbritannien)
    • SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN DARSTELLER: Tom Courtenay in "45 Years" von Andrew Haigh (Großbritannien)
    • SILBERNER BÄR FÜR HERAUSRAGENDE KÜNSTLERISCHE LEISTUNG: Sturla Brandth Grøvlen - Kamera in "Victoria" von Sebastian Schipper (Deutschland), Evgeniy Privin und Sergey Mikhalchuk - Kamera in "Under Electric Clouds" von Alexei German (Russland)
    • SILBERNER BÄR FÜR DAS BESTE DREHBUCH: Patricio Guzmán (Chile) für "Der Perlmuttknopf"
    • ALFRED-BAUER-PREIS: "Ixcanul Volcano" von Jayro Bustamante (Guatemala)"
    • GOLDENER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: "Hosanna" von Na Young-kil (Südkorea)
    • SILBERNER BÄR FÜR DEN BESTEN KURZFILM: "Bad at Dancing" von Joanna Arnow (USA)
    • BESTER ERSTLINGSFILM: "600 Millas" (600 Miles) von Gabriel Ripstein (Mexiko)
    Preise der Nebenjurys
    • PREIS DER ÖKUMENISCHEN JURY: "Der Perlmuttknopf" von Patricio Guzmán, "Ned Rifle" von Hal Hartley, "Histoire de Judas" von Rabah Ameur Zaimeche
    • FIPRESCI-PREIS DES INTERNATIONALEN VERBANDES DER FILMKRITIK: "Taxi" von Jafar Panahi, "Paridan az Ertefa Kam" (A Minor Leap Down) von Hamed Rajabi, "Il gesto delle mani" (Hand Gestures) von Francesco Clerici
    • PREIS DER GILDE DEUTSCHER FILMKUNSTTHEATER: "Victoria" von Sebastian Schipper
    • PREISE DER CICAE (Internationaler Verband der Filmkunsttheater): "Que Horas Ela Volta?" von Anna Muylaert, "Zurich" von Sacha Polak
    • AMNESTY INTERNATIONAL FILMPREIS: "Tell Spring Not to Come This Year" von Saeed Taji Farouky und Michael McEvoy
    • FRIEDENSFILMPREIS: "The Look of Silence" von Joshua Oppenheimer
    • LABEL EUROPA CINEMAS: "Mot Naturen" von Ole Giæver und Marte Vold
    • TEDDY AWARD: "Nasty Baby" von Sebastián Silva
    • MADE IN GERMANY - FÖRDERPREIS PERSPEKTIVE: Oskar Sulowski für "Rosebuds"
    • DFJW-PREIS DIALOGUE EN PERSPECTIVE: "Ein idealer Ort" von Anatol Schuster
    • CALIGARI-FILMPREIS: "Balikbayan #1 Memories of Overdevelopment Redux III" von Kidlat Tahimik
    • HEINER-CAROW-PREIS: "B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin" von Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange
    Berlinale-Jugendprogramm
    • Generation 14+ Gläserner Bär für den besten Film: "Flocken" (Flocking) von Beata Gårdeler
    • K+ Gläserner Bär für den besten Film: "Min lilla syster" (My Skinny Sister) von Sanna Lenken